Kapitallebensversicherungen

Kontrolle contra Vertrauen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Deutsche Lebensversicherer haben in den vergangenen Jahren wenig Fingerspitzen­gefühl bei der Anlage der Kundengelder gezeigt. Jetzt könnten veränderte Abrechnungsgewohnheiten die gerade wieder steigenden Renditen zunichtemachen.

In den 80er- und 90er-Jahren zeigten sich die deutschen Lebensversicherungsgesellschaften optimistisch: Mindestens 6,5 %, im Einzelfall auch mehr als 8,5 % Rendite sollten die seinerzeit abgeschlossenen Ver­träge den Kunden bringen. Nahezu alle Gesellschaften lie­ßen sich dann jedoch vom Bör­senboom „anstecken“: Hat­ten die Unternehmen die ihnen anvertrauten Kundengel­der bis dahin konservativ in Rentenwerte und Immobiliendar­lehen investiert, so schraubten sie in den Jahren 1999 und 2000 den Aktienanteil auf teilweise bis zu 40 % nach oben. Die Folge waren hohe Verluste in der nachfolgenden Baisse, die die Ablaufrenditen in den Bereich der vertraglich zugesagten Sätze zwischen 3,0 % und 4,5 % drückten.

Die Hausse „verschlafen“

Aber auch die Hausse der Jahre 2003 bis 2007 „verschliefen“ die meisten Gesellschaf­ten und investierten nunmehr nur noch überwiegend in risikoarme, aber auch renditeschwache Rentenwerte. Schon jetzt gehen Experten allerdings davon aus, dass der jüngste Kursrückschlag an den Aktienmärkten wieder einmal als Argument dafür herhalten muss, dass die Renditen der Policen nur mager ausgefallen sind.

Ohnehin zeichnen sich derzeit erhebliche Veränderungen ab, die sich vor allem im Fall einer vorzeitigen Kündigung negativ auswirken können: So sind die Versicherungsgesellschaften seit dem 1. Januar 2008 gesetzlich verpflichtet, die Kunden verstärkt an den „stillen Reserven“ zu beteiligen, die u.a. durch Kursgewinne bei Aktien entstehen. Bisher warben die Gesellschaften insbesondere mit zwei Kennzahlen: dem Garan­tiezins, der bereits bei Abschluss des Vertrags festgelegt wird und der während der Laufzeit nicht verändert werden kann (aktuell: 2,25 %), und den Überschüssen, die sich u.a. nach dem Erfolg des Unternehmens mit seinen Kapitalanlagen richten. Beides zusammen stellt die Gesamtverzinsung dar, die derzeit im Bereich von durchschnittlich 4,2 % liegt. Die Besonderheit dabei: Einmal gutgeschriebene Über­schüsse können nicht mehr verändert werden, der Kunde hat einen Rechts­anspruch darauf.

Profit zum Laufzeitende

Dies will die Assekuranz nicht länger beibehalten: Mit der Allianz Leben hat einer der ersten großen Anbieter bereits angekündigt, künftig den Schlussüberschuss stärker zu dotieren als bisher. Dabei handelt es sich quasi um eine Abschlusszahlung für besonders treue Kunden, die ihren Vertrag bis zum Ende der Laufzeit behalten. Das Problem je­doch: Der Schlussüberschuss, auch als Schlussgewinnanteil bezeichnet, macht schnell einige tausend Euro aus, ist aber nicht festgeschrieben. Er kann also jederzeit verändert oder ganz gestrichen werden.

Verträge regelmäßig überprüfen

Einmal mehr sollten Sie dies zum Anlass nehmen, bestehende Verträge regelmäßig zu kontrollieren. Möglichst zum Jahrestag des Vertragsabschlusses sollten Sie schriftlich bei der Gesellschaft den aktuellen Rückkaufswert und die voraussichtliche Ablaufleistung abfragen. Stellt sich dabei heraus, dass der Vertrag nur unzureichende Erträge abwirft, sollten Sie – zumindest bei Lebensversicherungen als Kapitalanlage – nach möglichen Alternativen suchen. Vorteilhaft sind die regelmäßigen Abfragen aber auch dann, wenn sich im Lauf der Jahre Ungereimtheiten bei den gutgeschriebenen Überschüssen ergeben.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(06):16-16