Festverzinsliche Wertpapiere

Kurzläufer sind oft nur zweite Wahl


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Das Sicherheitsbedürfnis deutscher Geldanleger ist nach wie vor sehr ausgeprägt. Während Aktien und Fondsanlagen weiterhin gemieden werden, stehen Anleiheprodukte im Mittelpunkt der Kaufinteressen. Doch nicht jede Offerte lohnt sich.

Ein fester sicherer Zins und eine überschaubare Laufzeit – dies sind die Bausteine der Favoriten deutscher Geldanleger. Werden dann noch steuerliche Vorteile versprochen oder auch soziale Komponenten beworben, kann sich der Emittent einer hohen Nachfrage sicher sein. Das Problem jedoch: Immer mehr neu konzipierte Produkte erfüllen in erster Linie die Vorstellungen des Anbieters, die Kundeninteressen bleiben allerdings auf der Strecke.

Besonders beliebt sind derzeit Anleihen mit kurzen Laufzeiten von beispielsweise nur einem oder maximal zwei Jahren. Diese Schuldverschreibungen werden zum Fixpreis von den Emittenten angeboten, vielfach ist nicht einmal eine Börseneinführung vorgesehen. Die Vorteile: Ein hohes Maß an Sicherheit und Komfort beim Kauf und der Wiedereinlösung, auch unterliegen die Papiere keinen oder allenfalls geringen temporären Kursschwankungen oder gar Bonitätsrisiken. Die Schuldver­schreibungen sind damit – zumindest in der Konsequenz – Festgeldern nicht unähnlich und daher für sicherheitsorientierte Anleger durchaus geeignet. Ein weiteres Werbeargument ist die meist spesenfreie Verwaltung und nicht zuletzt werden manchmal auch soziale Komponenten bemüht. So warben etwa die deutschen Sparkassen im Oktober 2007 für eine einjährige Weltbank-Anleihe (ISIN: DE000A0TJCZ2) der Investment-Muttergesellschaft Deka mit dem Argument, die Weltbank investiere die von ihr aufgenommenen Gelder in Projekte zur nachhaltigen Armutsbekämpfung in den Ländern der Dritten Welt. Entsprechend befasste sich das 12-seitige Werbeblatt nur auf zwei Seiten mit dem Anlageprodukt selbst, während die restlichen Seiten überwiegend verschiedenen Weltbank-Projekten gewidmet waren.

Renditevergleiche als Entscheidungshilfen

Grundsätzlich ist ein solches Engagement zwar positiv zu bewerten, jedoch sehen Kri­tiker darin die Gefahr, dass Anleger von entscheidenden Merkmalen des Investments abgelenkt werden. So lag der Nominalzins der genannten Anleihe lediglich bei 3,85 %, während zur gleichen Zeit etwa Finanzierungsschätze des Bundes mit 3,95 % notierten und Festgelder mit einem Jahr Laufzeit bis zu 4,5 % abwarfen. Auch die Tatsache, dass das Papier nicht an der Börse eingeführt wurde, sondern lediglich der Emittent „Tageskurse“ stellen will, könnte Investoren benachteiligen. Nicht zuletzt ist bereits nach einem Jahr eine Wiederanlage erforderlich – mit allen Konsequenzen hinsichtlich Zinsen und Kosten. Auch das soziale Engagement ist bei Kritikern keineswegs unumstritten. Zwar leistet die Weltbank in der Tat hervor­ragende Arbeit etwa bei der Bekämpfung von Armut und sozialen Ungleichgewichten. Fraglich erscheint jedoch, ob der Erlös der nur einjährigen Anleihe hierfür wirklich geeignet ist, sind die meisten Projekte der Weltbank doch über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte angelegt.

Differenzierte Prüfung

Dieses Beispiel zeigt, dass Sie sich als Anleger keinesfalls allein an den Argumenten der Werbung orientieren sollten. Wichtig ist es vielmehr, jedes Produkt kritisch zu hinterfragen. Auswahlkriterien sind dabei in erster Linie die Rendite und die Bonität, aber auch die Laufzeit sollte Ihren eigenen Vorstellungen entsprechen. Anlage-untypische Werbeargumente – etwa soziale Aspekte – sollten Sie hingegen nur dann in Ihre Entscheidungsfindung einbeziehen, wenn der konkrete Nutzwert klar erkennbar ist.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(06):15-15