Wertpapier im Test

Porsche-Aktie


Prof. Dr. Reinhard Herzog

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Das Unternehmen

Im Alter von nur 25 Jahren präsentierte der Kon­strukteur Fer­dinand Porsche auf der Weltausstellung in Paris den ersten Lohner Porsche Elektrowagen, der sich durch einen innovati­ven Radnabenmotor auszeichnete. Noch im gleichen Jahr entwickelte Porsche als Weltneuheit u.a. ein benzin-elektrisches Hybridfahrzeug. 1906 wurde Ferdi­nand Porsche zum Technischen Direktor bei Austro-Daimler in Wiener Neustadt berufen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam er zur Stuttgarter Daimler-Motoren-Gesellschaft und entwickelte dort u.a. den legendären Mercedes-Kompres­sorsportwagen. 1931 gründete Porsche ein eigenes Konstruktionsbüro und erstellte Detaillösungen für renommierte Her­steller wie Wanderer, Zündapp und NSU. Ein weiterer Meilenstein wurde 1934 mit dem Auftrag zur Konstruktion des ersten deutschen Volkswagens gelegt, dessen Auslieferung sich jedoch durch den Zweiten Weltkrieg bis 1946 verzögerte. Por­sche widmete sich dann der Her­stellung von Renn- und Sportwagen. In den 60er-Jahren folg­ten die ersten Model-le des Porsche 911, 1996 der Porsche Boxster und 2002 der sportliche Geländewagen Cayenne. Ende 2005 stellte Porsche den Cayman, ein Mittelmotor-Sportcoupé, vor.

Heute gilt die seit 1972 als Aktiengesellschaft geführte und seit 1984 börsennotierte Porsche Automobil Holding SE (Stammaktien: Familien Porsche und Piëch, Vorzugsak-tien: Streubesitz) als weltweit kleinster selbstständiger Au­tomobilher­steller. Neben dem Geschäftsbereich Porsche spielt der zweite Geschäfts­bereich Volks­wagen eine zunehmend wichtige Rolle, will das Unternehmen seine Beteiligung am Wolfsburger Automobilkonzern doch von ak­tuell 31% weiter aufstocken und die Mehrheit bei VW übernehmen.

Fundamentale Daten

Porsche hat es in den vergangenen Jahren verstanden, sich mit seiner Nischenpolitik konjunkturellen Schwächephasen zu entziehen und Umsatz und Gewinn zu steigern. Im Geschäftsjahr 2006/2007 (31. Juli) kletterte der Umsatz bereinigt um nicht fortzuführende Geschäftsbereiche um 3,4% auf 7,4 Mrd. €. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich von 2,1 Mrd. € auf 5,9 Mrd. €. Nach Steuern verdienten die Zuffen­hausener 4,2 Mrd. € nach 1,4 Mrd. €. Entsprechend konnte auch die Ausschüttung durch einen von 0,30 € auf 1,50 € angehobe­nen Bonus weiter erhöht werden, die Ausschüttungssumme stieg von 157,0 Mio.€ auf 384,5 Mio. €. Diesen Ergebnissprung begründet Porsche vor allem mit Son­dereinflüssen durch die Betei­ligung an Volkswagen, wird doch ein anteiliger Jahres­überschuss der Volkswagen AG dem Porsche-Konzern zugerechnet. Allerdings entwi­ckelte sich auch das operative Ergebnis aus dem Fahrzeuggeschäft von Porsche durchaus erfreulich.

Die hervorragende Entwicklung hat sich in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2007/2008 fortgesetzt. Nach den soeben veröffentlichten Zah­len kletterte der Umsatz um 14% auf 3,5 Mrd. €. Der Absatz stieg von 39.265 auf 46.736 Einheiten. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um 23,7% auf 1,66 Mrd. €, nach Steuern wurde ein Ergebnis von 1,3 Mrd. € erzielt, was einem Plus von 44,3% entspricht. Diese Zahlen enthalten bereits die Kosten für Absicherungsgeschäfte für die VW-Beteiligung. Mit einem Vorsteuergewinn von über 20.000 € pro Auto konnte Porsche seine Stellung als weltweit profitabelster Automobilbauer festigen.

Auch im Gesamtjahr 2007/2008 will Porsche am hohen Absatzniveau des Vorjahres anknüpfen. Hierzu sollen neue Modelle wie der Cayenne GTS, das 911 Turbo Cabriolet und der 911 GT2 beitragen, aber auch der anhaltende Wachstumskurs in den Zukunftsmärkten China und Russland. Entsprechend macht man sich nach Unternehmensangaben über den deutlichen rezessionsbedingten Umsatzrückgang in den USA vorerst keine Gedanken, vielmehr werde man seine Kapazitäten an die veränderte Marktlage anpassen. Als bedeutenden Meilenstein se­hen Analysten auch das Engagement bei Volkswagen, mit dem sich Porsche ein stärkeres Standbein im Zukunftsmarkt preiswerter energiesparen­der Automobile sichern will.

Charttechnische Daten

Seit Mitte der 90er-Jahre gilt die Porsche-Aktie als klarer Wachstumswert. Im Zuge des Volkswagen-Einstiegs kletter­te der Kurs insbesondere im zweiten Halbjahr 2007 deutlich auf zuletzt 186 €. Dann führten jedoch die US-Subprime-Krise und Sorgen um eine Konjunktureintrübung zu ei­nem massiven Kursrückschlag um 40%. Charttechnisch wurden damit zwar wichtige Unterstützungslinien gebrochen, allerdings könnte sich dieser Rückschlag als nur temporäre Reaktion erweisen. Gelingt der Notierung in den kommenden Wochen eine Rückkehr in den 2003 begonnenen Trendkanal, steht charttechnisch einem weite­ren Kurs­anstieg nichts im Weg.

Gesamtmarkttrend

In den ersten Wochen 2008 verzeichnete die deutsche Börse einen massiven Kursrückgang. Auch in den kommenden Monaten dürfte der Gesamtmarkt noch einer harten Probe unterzogen werden, die insbesondere bei neuen Hiobsbotschaften aus der Bankenwelt zu Verlusten führen könnte. Andererseits sind die fundamentalen Kennzahlen der meisten Papiere inzwischen wieder so attraktiv, dass selbst bei einer mäßigen Konjunktureintrübung noch Kurs­potenzial zu erkennen ist.

Fazit

Unter der Voraussetzung, dass der Kurs in den kommenden Wochen wieder in den Aufwärtstrendkanal zurückkehren kann und sich die Konjunktur nur mäßig abschwächt, bestehen mittel- bis langfristig interessante Perspektiven für das fundamental preiswert gewordene Papier.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(06):14-14