Editorial

Lippenbekenntnisse


Dr. Christine Ahlheim

Es war schon ein starkes Stück: Da sangen bei der diesjährigen Interpharm in Stuttgart sowohl DocMorris-Chef Ralf Däinghaus als auch der Celesio-Vorstandsvorsitzende Dr. Fritz Oesterle das Hohelied auf die Leistungen der öffentlichen Apotheken und der Pharmazeuten. Und beide – Däinghaus eloquent und von einnehmendem Wesen, Oesterle für einen Mann in seiner Position unerwartet wortkarg und wenig souverän – ließen keinerlei Zweifel daran zu, dass diese Leistungsfähigkeit auch unter Apo­thekenfremdbesitz uneingeschränkt erhalten bliebe.

Dabei ist offensichtlich, dass dies bloße Lippenbekenntnisse sind. Denn schließlich ist es zu einem guten Teil den Aktivi­tä­ten dieser beiden Herren, anfangs von Däinghaus allein, später unterstützt von Oesterle, zu verdanken, dass die qualitativ hochstehenden Leistungen der deutschen Apotheken und der Pharmazeuten derart unter Druck stehen – und zwar sowohl durch das anstehende Urteil des Europäischen Gerichtshofs als auch durch den nunmehr erlaubten Arzneimittelvertrieb via Drogeriemarkt.

Dass ihr Weg der falsche war, würden Oesterle und Däinghaus vermutlich selbst dann nicht einräumen, wenn – was der EuGH hoffentlich verhüten wird – die ersten Apotheken in den Schmud­­del­ecken der Schleckers gelandet und die Beratungsleistung der Apotheker zu (überflüssigem) Luxus erklärt worden wären. Und es würde sie dann auch kaum mehr interessieren. Denn bis dahin hätten sie längst die Baustelle gewechselt und wären in neuer Mission tätig – zum Nutzen der Shareholder ihres jeweiligen Arbeitgebers, und am meisten natürlich zu ihrem eigenen.

Deutscher Apotheker Verlag

AWA -Redaktion

Dr. Christine Ahlheim M.A.

Apothekerin

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(09)