Prof. Dr. Reinhard Herzog
Eine alte Börsenregel lautet „Sell in May and go away“ – und in der Tat sind die Monate Juli und August selten von hohen Kursgewinnen geprägt. Im Gegenteil: Die „Sommerflaute“ sorgt immer wieder für deutliche Rückschläge. Gerade der Urlaub stellt daher eine günstige Gelegenheit dar, das eigene Aktiendepot unter die Lupe zu nehmen. Haben Sie z. B. mit einem Wert bereits gut verdient, sollten Sie über eine Gewinnmitnahme vor Urlaubsantritt nachdenken – sofern die Aktie selbst nur noch geringe Chancen verspricht. Aber auch Papiere, die mehr oder weniger vor sich „hindümpeln“, sollten Sie verkaufen, wenn das aktuelle Zuwachspotenzial allenfalls mäßig ist oder gar größere Risiken als Chancen bestehen. Eine – zumindest vorübergehende – Trennung ist meist auch sinnvoll, wenn ein Papier bereits deutlich abgerutscht ist und noch keine Erholungstendenzen sichtbar sind.
Risikobegrenzung mit der Stopp-Loss-Marke
Alternativ dazu bietet sich der limitierte Verkaufsauftrag an. Sind Sie von einem Wert überzeugt und warten nur darauf, dass er ein bestimmtes Kursniveau erreicht, können Sie ein Verkaufslimit nahe dem Zielkurs platzieren. Wird es erreicht, erfolgt ein umgehender Verkauf und der Gewinn ist gesichert. Stellt sich jedoch die Frage, ob ein Papier seinen Aufwärtstrend beibehält, dann hat sich das Stopp-Loss-Limit bewährt, das zirka 10% bis 25% unter dem aktuellen Kurs oder unter dem Einstandspreis – wenn dieser höher war – angesiedelt wird. Sollte die Notierung während der Reise deutlich fallen, wird die Aktie nach Erreichen des Limits zum nächsten verfügbaren Kurs automatisch verkauft. Selbst im Fall eines Börsenkrachs kann der Anleger auf diese Weise sein Risiko in überschaubarem Rahmen halten und z. B. auf 10% des aktuell in Aktien investierten Geldes begrenzen.
Gerade der Festlegung des Stopp-Loss-Limits kommt dabei erhebliche Bedeutung zu. So hat es sich bewährt, einen Kurs im Bereich charttechnischer oder psychologischer Widerstandsmarken zu setzen. Hat sich die Notierung z.B. monatelang über 100 € behauptet und fällt danach für mehrere Tage unter diese Marke, ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs auf 90 € oder noch weniger sehr groß. Vorsichtige Anleger setzen daher ein Limit z.B. bei 98 €, risikofreudigere Investoren werden die Grenze bei 94 € bis 96 € ziehen, um die größten Verluste auszuschließen.
Denn ein zu knapp bemessenes Limit birgt stets die Gefahr, dass die Aktie nur kurz den angegebenen Kurs erreicht, daraufhin verkauft wird und der Kurs danach wieder ansteigt. Der Anleger wird also – wie dies in der Fachsprache heißt – „ausgestoppt“ mit der Folge, dass Papiere unter Wert veräußert werden. Vorsicht ist in diesem Zusammenhang insbesondere bei marktengen Werten geboten. Da Börsenprofis Möglichkeiten haben, das Orderbuch der Börse mit allen erteilten Aufträgen einzusehen, sind für sie Kursmanipulationen ein Leichtes: Es werden auf einen Schlag hohe Stückzahlen der betreffenden Aktie zum Verkauf gestellt, der Kurs fällt kräftig zurück und die Limits treten in Kraft. Die Börsenprofis können sich nun preiswert mit den Papieren eindecken. Nach Ende der Transaktion steht die Notierung wieder auf ihrer Ausgangsbasis, das Nachsehen hat jedoch der Anleger, der zu früh verkauft hat.
Optionspreis als Versicherungsprämie
Daneben bietet die Börse für viele Werte Absicherungsmöglichkeiten über Termingeschäfte wie etwa Verkaufsoptionen: Hier bezahlt der Anleger die Optionsprämie dafür, das Papier in jedem Fall zu einem festen Preis verkaufen zu können – ganz gleich, wie sich sein Börsenkurs entwickelt. Damit ist der Erlös in jedem Fall sichergestellt, bei einem Kursanstieg lässt man die Option verfallen. Der bezahlte Optionspreis ist dann nichts anderes als die „Versicherungsprämie“, die den Kurs garantiert, ohne dass sich der Anleger die Chancen weiterer Kurssteigerungen vergibt. Über die Wahl des passenden Basispreises lassen sich die Risiken weiter begrenzen: Je näher er am Marktkurs liegt, umso sicherer, aber auch umso teurer ist diese Strategie. Ein deutlich unter dem Tageskurs liegender Basispreis schützt indes recht preiswert vor den teuersten Risiken. Notiert eine Aktie z.B. bei 50 €, kostet die Absicherung eines Verkaufspreises von 48 € an der Börse derzeit rund 3 € pro Aktie. Wird hingegen ein Verkaufspreis von nur 38 € gewählt, schlägt das „Sicherungsnetz“ lediglich mit rund 0,70 € zu Buche.
Alternativ bieten sich auch Verkaufsoptionsscheine an, in der Branche als „Put-Optionsscheine“ bezeichnet. Während eine Verkaufsoption erst dann entsteht, wenn Käufer und Verkäufer an der Terminbörse zusammenfinden, stammen Optionsscheine meist von großen Banken, die sie in bestimmten Kontingenten auflegen. Hier sind insbesondere Papiere interessant, die einen ganzen Markt abdecken, z.B. die deutsche Börse, und sich somit als Schutz vor einer allgemeinen Flaute anbieten.
Per Funk zum Konto
Wer allerdings auch im Urlaub nicht von der Börse lassen will, kann sich vor Ort meist problemlos informieren. Praktisch sind hier insbesondere Notebooks mit Funknetzwerkkarte (WLAN), die in den meisten besseren Hotels einen komfortablen – wenn auch nicht immer preiswerten – Zugang zum Internet ermöglichen. Aber auch in Restaurants und Cafés findet man immer häufiger Hinweisaufkleber auf den verfügbaren „Hotspot“, der oft sogar kostenfrei genutzt werden kann. Doch auch wenn das Hotel keine entsprechende Versorgung offeriert: Eine Netzwerk-Anschlussdose oder zumindest eine freie Telefondose ist fast immer verfügbar, die erforderlichen Kabel bzw. Adapter werden meist an der Rezeption bereitgehalten.
Sprechen Sie vor einem geplanten Auslandsaufenthalt mit Ihrem Netzbetreiber, welche Lösungen er anbietet. Im Inland sind meist keine weiteren Vorkehrungen erforderlich. Der Vorteil des Zugangs mit dem eigenen Rechner ist die Sicherheit: Die Daten bleiben auf dem eigenen PC gespeichert. Wer zudem seine Transaktionsnummern dabeihat, kann auch aus dem Urlaub Order erteilen, die dann – wie von zu Hause gewohnt – in Sekundenschnelle ausgeführt werden.
Ganz sorglos sollten Sie dabei allerdings nicht sein: Beim Direktanschluss via Kabel wird meist die erforderliche Übertragungssicherheit geboten. Hingegen sind Funknetzwerke im Interesse des komfortablen Zugangs oftmals nur unzureichend geschützt. Sensible Informationen sollten Sie daher allenfalls dann über das Netz übertragen, wenn Sie sich einer entsprechenden Verschlüsselung sicher sind. Im Übrigen gilt es, auch das Notebook vor Missbrauch – etwa durch das Hotelpersonal während Ihrer Abwesenheit – zu schützen und zumindest entsprechende Passwortvorgaben zu setzen.
Erhebliche Risiken im Internet-Café
Alternativ dazu bieten sich Internet-Cafés an, die oft einen recht preiswerten Zugang zur Online-Welt ohne eigenen Rechner ermöglichen. Hier gilt es jedoch in besonderem Maße, einen Blick auf die Sicherheit zu werfen. So bleiben die aufgerufenen Daten häufig auf dem Rechner gespeichert, sodass der Benutzer vor Ende seiner Session auf jeden Fall den Cache des Browsers löschen sollte. Wichtig ist auch, jede Sitzung mit einem ordnungsgemäßen Klick auf den „Logout“-Button zu beenden. Denn sonst erhalten nachfolgende Terminalnutzer möglicherweise einen unbegrenzten Zugang zum Bankkonto des Kunden. Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang auch der Wechsel von Passwörtern und PIN vor und nach jeder Urlaubsreise.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(12):16-16