Prof. Dr. Reinhard Herzog
„Sie wollen doch, dass Ihr Kind eine erstklassige Ausbildung erhält?“ – so lautet die Eingangsfrage eines typischen Versicherungsgesprächs, an dessen Ende, so hofft der Vertreter, ein erfolgreicher Abschluss stehen könnte. Kein potenzieller Kunde wird nun behaupten, dass ihm die Ausbildung seiner Kinder nicht wichtig sei. Im Gegenteil: Dank entsprechender Medienberichte über die hohen Kosten eines Studiums sorgen sich die meisten Eltern mehr denn je um das finanzielle Wohlergehen ihres Nachwuchses.
Und schon zieht der Versicherungsvermittler das vermeintlich passende Produkt aus dem Ärmel: Die Ausbildungsversicherung, für Mädchen früher gern als Aussteuerversicherung angeboten, sei die einzig sinnvolle Lösung. In der Tat sind die Argumente einleuchtend: Eine Ausbildungsversicherung stellt eine Sonderform der Kapitallebensversicherung dar, bei der zum Ablauf eine festgelegte Summe garantiert wird. Hinzu kommt eine mehr oder minder hohe Gewinnbeteiligung, die aus rechtlichen Gründen allerdings lediglich prognostiziert, aber nicht fest zugesagt werden darf. Versicherungsnehmer ist dabei in der Regel ein Eltern- oder Großelternteil, meist der Hauptverdiener in der Familie. Sollte dieser während der Vertragslaufzeit sterben, werden die restlichen Raten von der Versicherung übernommen, sodass die Auszahlung zum Fälligkeitszeitpunkt sichergestellt ist.
Hohe Kosten
Beim genauen Hinsehen entpuppt sich die Police jedoch als wenig attraktiv. Das Problem liegt bei den Kosten: Die Abschlussgebühren belaufen sich bei den meisten Gesellschaften auf 4,0% bis 5,0% der Versicherungssumme, bei einem Vertrag von 12.000 € also auf immerhin bis zu 600 €. Dies geht zulasten der ersten Prämienzahlungen, sodass es mehrere Jahre dauert, bis sich ein nennenswertes Kapital anzusammeln beginnt und auch der Zinseszinseffekt zum Tragen kommt.
Darüber hinaus wird die Prämie auch noch um die Verwaltungskosten und – vor allem – die Risikoabsicherung gemindert. Auch hier summieren sich die Beträge, insbesondere, wenn – wie in den meisten Fällen – eine monatliche Beitragszahlung vereinbart wurde. Und falls der Versicherungsnehmer bereits älter ist, wird die Absicherung nochmals teurer.
Per saldo werfen entsprechende Verträge daher durchschnittlich nur knapp 3,0% Jahresrendite ab, bei manchen Anbietern können Kunden sogar nur mit weniger als 2,0% rechnen. Mehr noch: Einige Versicherungsgesellschaften garantieren für ihre Policen nicht einmal den Kapitalerhalt. Wenig Erfolg versprechend erscheint aber auch die meist als Rendite-Alternative angebotene fondsgebundene Variante: Hier fließt der Sparanteil der Prämie in einen vom Anleger vorgegebenen Fonds – das Anlagerisiko ist damit von der Versicherungsgesellschaft auf den Kunden übergegangen.
Alternative Aktienfonds
Zu den mageren Renditen gibt es jedoch problemlose Alternativen. So hat der Bund der Versicherten errechnet, dass die Ablaufleistung eines vergleichbaren Aktienfonds-Ansparplans nach 20 Jahren um 50% höher ausfallen kann – eine durchaus realistische Durchschnittsrendite von 7% vorausgesetzt. In Kombination mit einer entsprechenden Risikolebensversicherung der Eltern lässt sich hier ein wesentlich preisgünstigerer Schutz erreichen, den Sie zudem ganz an Ihre persönlichen Familienverhältnisse anpassen können.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(16):15-15