Prof. Dr. Reinhard Herzog
Die Finanzkrise sorgt immer wieder für neue Schlagzeilen – und für Kursverluste an den Börsen. Waren es im Sommer noch die amerikanischen Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae, sorgte im September die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers für Gesprächsstoff.
Eine Lösung für Anleger, die ihre Papiere nicht verkaufen wollen, können Discount-Put-Zertifikate sein. Sie beziehen sich auf einen bestimmten Basiswert – etwa eine Aktie oder einen Index – und sehen eine feste Laufzeit, ein festgelegtes Bezugsverhältnis, einen Basispreis und einen mehr oder minder deutlich unter dem Basispreis angesiedelten Tiefstpreis vor, auch als „Floor“ oder „Cap“ bezeichnet. Bei Fälligkeit des Papiers gibt es drei Möglichkeiten:
- Liegt der aktuelle Börsenkurs des Basiswerts auf oder unter dem Tiefstpreis, erhält der Anleger den höchsten Ertrag. Er errechnet sich aus der Differenz zwischen Tiefstpreis und Basispreis, bereinigt um das Bezugsverhältnis.
- Notiert der Basiswert zwischen Tiefstpreis und Basispreis, errechnet sich der Auszahlungskurs aus der Differenz zwischen dem Basispreis und dem aktuellen Börsenkurs, wiederum bereinigt um das Bezugsverhältnis.
- Übersteigt der Kurs des Basiswerts den Basispreis, liefert der Discount- Put keinen Auszahlungsbetrag, das eingesetzte Kapital ist also verloren.
Ein Beispiel macht dies deutlicher: Ein Anleger besitzt 1.000 XY-Aktien, die er zum Kurs von jeweils 60 € gekauft hat. Aktuell liegt der Börsenkurs z.B. bei 90 €, sodass er pro Aktie 30 € bzw. insgesamt 30.000 € im Plus ist. Der Anleger kauft nun 1.000 Stück Discount-Put-Zertifikate mit einem Basispreis von 90 €, einem Tiefstkurs von 80 € und einem Bezugsverhältnis von 1:1, sodass sein gesamter Bestand damit abgesichert wird. Diese Transaktion kostet ihn 5,20 € je Zertifikat bzw. 5.200 €.
Steigt nun der XY-Kurs bis zur Fälligkeit des Zertifikats weiter auf z.B. 110 € an, verfällt das Zertifikat ersatzlos. Der Anleger hat jedoch mit seinen Aktien – ab Ausgangsdatum gerechnet – weitere 20 € bzw. insgesamt 20.000 € verdient. Hiervon abzuziehen sind die „Versicherungskosten“ in Höhe von 5.200 €, sodass er immer noch 14.800 € Gewinn gemacht hat.
Liegt der XY-Börsenkurs bei Fälligkeit z.B. bei 82 €, beträgt der Kursverlust mit den Aktien 8 € je Stück bzw. – insgesamt betrachtet – 8.000 €. Andererseits bekommt der Anleger jedoch pro Zertifikat 8 € zurückgezahlt (Basispreis 90 € minus Kurs 82 €), zusammen also ebenfalls 8.000 €. Der Kursverlust ist damit komplett ausgeglichen. Auch hier sind allerdings wieder die Absicherungskosten von 5.200 € zu berücksichtigen.
Verluste reduzieren
Bricht der Kurs der Aktie jedoch massiv z. B. auf 65 € ein, hat der Anleger mit der Aktie 25 € bzw. insgesamt 25.000 € verloren. Das Zertifikat wird nun zum maximalen Wert von 10 € zurückgezahlt, sodass sich der Verlust letztlich um 10.000 € reduziert. Auch hier sind allerdings wieder die Absicherungskosten von 5.200 € zu berücksichtigen. Der Zertifikate-Vorteil gegenüber der ungesicherten Anlage liegt also bei 4.800 €.
Im Übrigen lassen sich auch hier wiederum sehr unterschiedliche Strategien fahren, beispielsweise in Form einer vollen – aber teuren – Absicherung oder als minimaler – dafür aber preiswerter – Schutz.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(23):14-14