Als die Aktie von Borussia Dortmund im Jahr 2000 an die Börse gebracht wurde, herrschte unter Fußballfans Aufregung: Das Papier des Bundesligavereins – so die Erwartungen – könne sich bei entsprechendem Erfolg der Mannschaft zu einem „Highflyer“ der Börse entwickeln. Doch bald schon machte sich Ernüchterung breit und heute kostet die einstmals fast 10 € teure Aktie an der Börse nur noch rund 1,20 €. Nicht viel anders erging es ausländischen Spitzenvereinen mit Börsennotierung. Das Thema „Sport“ war damit zumindest für Börsianer zunächst einmal abgehakt.
Mittlerweile hat sich jedoch die österreichische Extra Sportwetten AG, eine Tochtergesellschaft der Berliner Börse, etwas Neues einfallen lassen. Das Unternehmen, das über eine österreichische Lizenz zum Anbieten von Sportwetten verfügt, offeriert Zertifikate, deren Rückzahlung an bestimmte Ereignisse – hier: Fußballplatzierungen – gekoppelt ist. Sie werden an der Berliner Börse gehandelt, die renommierte Tradegate AG stellt als Skontroführer aktuelle An- und Verkaufskurse, daneben ist auch ein direkter Handel über die Tradegate-Plattform möglich. An der Frankfurter Börse sind die Papiere indes nicht mehr gelistet, nachdem die hessische Börsenaufsicht den Verdacht illegalen Glücksspiels geäußert hat.
Drei Varianten
Offeriert werden derzeit drei Varianten (näheres hierzu unter www.sportzertifikate.de ):Bei den Meisterzertifikaten – angeboten für die 1. Bundesliga und den DFB-Pokal für jede teilnehmende Mann-schaft – liegt der Rückzahlungspreis zum Ende der Laufzeit bei 100 € je Zertifikat, wenn die betreffende Mannschaft den Meistertitel holt. Ist dies nicht der Fall, ist der gesamte Einsatz verloren. Der aktuelle Kurs der Papiere richtet sich nach der jeweiligen Favoritenstellung: Wer z.B. auf Bayern München in der 1. Bundesliga setzt, zahlt derzeit rund 47 € für das Papier, Zertifikate auf Hannover 96 oder den VfL Bochum werden für weniger als 1 € gehandelt.
Bei den Platzierungszertifikaten – die nur für die 1. Bundesliga offeriert werden – erfolgt ebenfalls eine Rückzahlung von 100 €, wenn die Mannschaft den Meistertitel erreicht. Ist dies nicht der Fall, erhält der Anleger je nach Platzierung der Mannschaft zwischen 95 € und 30 € (2. bis 15. Platz), lediglich bei den Plätzen 16 bis 18 gehen die Anleger leer aus. Die Risiken sind mithin geringer, dafür kosten die Papiere auch wesentlich mehr als die Meisterzertifikate.
Bei den Top-3-Platzierungszertifikaten, die es für die 2. Bundesliga gibt, erfolgt immer dann die Rückzahlung von 100 €, wenn die gewählte Mannschaft unter den ersten drei der Rangliste das Saisonende erreicht. Hier zahlt der Anleger z.B. für ein Papier auf den 1. FC Nürnberg 35 €, auf den FC Augsburg indes nur 2,50 €.
Der Vorteil der Zertifikate gegenüber Sportwetten liegt in erster Linie in der jederzeitigen Umschichtbarkeit: Anleger können, wenn sie das Vertrauen in „ihre“ Mannschaft verloren haben, den Titel problemlos verkaufen. Nachteilig ist hingegen der Spread von bis zu 20 % der Anlagesumme, aber auch die Steuerpflicht für Kursgewinne. Risiken bestehen zudem in Hinblick auf die Bonität des Emittenten.
Unser Urteil: Sportzertifikate stellen letztlich eine Wette auf einen Fußballverein dar – mit vergleichsweise hohen Risiken und Kosten. Mit einer klassischen Geldanlage haben sie trotz Börsennotierung und Abwicklung über Finanzdienstleister wenig zu tun.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(25):14-14