Klaus Hölzel
Eine starke Unternehmensmarke zahlt sich auch für das Unternehmen Apotheke aus. Sie entsteht aber – vor allem in kleinen Betrieben – nur durch einen präsenten, engagierten Chef. Und das hat Vorteile: Wenn der Apothekenchef seine Apotheke als Marke deutlich prägt, stärkt er sein Image und steigert seinen Bekanntheitsgrad und Umsatz. Und nicht zuletzt sind die Leistungen der Mitarbeiter bei Apothekeninhabern, die ihr Unternehmen in dem Bewusstsein einer Marke führen, überdurchschnittlich hoch.
Voraussetzungen für eine starke Marke
Die Frage ist, wie sich eine Marke für eine Apotheke durch den Inhaber aufbauen lässt.
Der Apotheker sollte allem voran eine Eigenschaft mitbringen: Authentizität. Dieser Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet Glaubwürdigkeit und Echtheit. Zudem wird Authentizität als Kongruenz zwischen inneren Gefühlen und äußerem Eindruck beschrieben. Das heißt, das Team und die Kunden merken schnell, wenn der Chef nur etwas vorspielt und seine Anweisungen lediglich halbherzig sind.
Die innere Haltung ist entscheidend
Folglich können Apothekenchefs nur dann äußerlich führen, wenn auch eine innere Führung gelebt wird. Menschliche Kompetenzen und Intuition, insgesamt also die innere Haltung, sind Voraussetzungen für Echtheit und Glaubwürdigkeit. Diese Haltung überträgt sich vom Chef auf die Mitarbeiter und somit auf die ganze Apotheke. Bestehen beispielsweise besondere langfristige Netzwerkkontakte des Inhabers und finden gut organisierte Marketingaktionen der Apotheke mit Netzwerkpartnern statt, überträgt sich diese Kompetenz des Chefs auf sein Team und dringt nach außen zum Kunden und zur Öffentlichkeit durch.
Der authentische Apothekeninhaber drängt sich dabei nicht in den Vordergrund und überlässt den Mitarbeitern eigenständige Aufgabenfelder. Er selbst konzentriert sich auf seine ganz persönlichen Fachkompetenzen, beispielsweise die Kommunikation mit den Netzwerkpartnern.
Nicht die falschen Rollen spielen
Diese Authentizität zu wahren ist nicht immer einfach. Schließlich werden bestimmte Eigenschaften und Haltungen – zum Beispiel von Kollegen, den Verbänden, der Familie – erwartet und vor allem Führungskräfte werden schnell in Rollen und Klischees gedrängt, die bedient werden wollen. Egal wie die äußere Situation für den Apothekenchef ist, er sollte adäquat darauf reagieren und sich nicht verbiegen. Je mehr Mut er aufbringt, zu den eigenen Zielen, Visionen und Werten zu stehen, umso erfolgreicher wird er. Denn wer sich den äußeren Anforderungen gezwungenermaßen anpasst, wird nicht automatisch erfolgreich.
Im Ernstfall zeigt sich der wahre Charakter
Was ist etwa zu tun, wenn ein Discounter in Sichtweite der eigenen Apotheke eröffnet? Dem Apotheker, der sein Unternehmen authentisch als Marke führt, werden keine grauen Haare wachsen, er wird seinen individuellen Weg weiter gehen und sich noch mehr anstrengen. Derjenige Apotheker, der sich durch seine neue Konkurrenz zu sehr in eine neue Rolle gedrängt sieht, wird hart kämpfen müssen.
Es hört sich einfach an, au-thentisch zu sein. Der Inhaber mag sich fragen: Bin ich das denn? Und kann ich meine Apotheke als Marke führen? Kann ich es vielleicht sogar lernen? Es gibt einige Eigenschaften und Prinzipien guten Führungsverhaltens, die für einen authentischen und präsenten Chef stehen.
Erstens: Chefs machen Fehler
Auch Apothekeninhaber machen Fehler, denn auch sie sind Menschen und Menschen sind nicht perfekt. Wichtig ist, dass ein Chef um seine Fehler weiß und Wege findet, diese zu beheben. Der „perfekte“ Chef weiß also, dass es keinen perfekten Chef gibt. Mit dieser Einstellung ist der Selbstüberschätzung und damit der Arroganz vorgebeugt. Das Apothekenteam wird es zu schätzen wissen und mit Respekt belohnen.
Folglich sieht sich der Chef nicht als Alleskönner, son-dern konzentriert sich auf seine Stärken und Hauptaufgaben im Apothekengeschäft. Mit dieser Einstellung muss er automatisch Aufgaben delegieren, eine wichtige Voraussetzung für zufriedene Mitarbeiter. Und nichts ist verschwenderischer, als das Können der Mitarbeiter zu unterschätzen und ungenutzt zu lassen.
Zweitens: der Chef mag Menschen
Viele Führungskräfte mögen ihre eigene Rolle und ihre Aufgaben nicht, sie mögen somit auch ihre Mitarbeiter nicht besonders. Der authentische Apothekenchef hat seine Rolle und Vision gefunden. Er erbringt gerne Leistung und will auch bei seinen Mitarbeitern Leistung anregen und erleben. Er kann sein Team zu Bestleistungen motivieren, weil er selbst motiviert ist.
Auch noch so verrückte Marketingaktionen macht sein Team begeistert mit, weil es eng in die Planung und Durchführung eingebunden ist. Der Chef kann eine solche Aktion nicht alleine realisieren, er setzt auf das „wir“ statt auf ein „ich“. Und da die Aktionen mit Herz und Verstand umgesetzt werden, kommen sie auch bei den Kunden und in der Öffentlichkeit – beispielsweise in der Presse – besser an.
Drittens: gute Chefs führen nach Werten
Wer glaubt, ein perfekter Chef zu sein, hat schon schlechte Karten. Denn Führungspersönlichkeiten sollten nicht meinen, „jemand zu sein“, sondern sich als jemand verstehen, „der wird“. Auch Führungskräfte lernen täglich dazu. Apothekenchefs sollten aber dabei beachten, sich nicht jeden Tag neu zu erfinden und das Team mit ständig neuen Floskeln der Selbstverwirklichung zu stressen, sondern dem eigenen Führungsverhalten beständige Werte zugrunde zu legen. Das schafft Vertrauen und Wertschätzung bei den Mitarbeitern.
Viertens: ein erfolgreicher Chef ist „wirksam“
Der Apothekeninhaber darf sich als Führungskraft nicht nur auf seine persönlichen Ziele konzentrieren, er muss auch „wirksam“ sein. Er sollte ein Interesse daran haben, dass auch seine Mitarbeiter ihre individuellen und die Apothekenziele erreichen.
In regelmäßigen Mitarbeiter-gesprächen werden eigens für den jeweiligen Mitarbeiter ausgearbeitete Ziele und Erwartungen vorgegeben, die sowohl zu seinen Fähigkeiten passen als auch zu den Zielen und Visionen der Apotheke. Dabei hilft es, sich einmal gedanklich auf den „Stuhl“ des anderen zu setzen und mit dessen Augen zu sehen. Ein wachsamer Chef wird feststellen, dass es eine Fülle von Möglichkeiten gibt.
Und wo bleibt der Gewinn?
Schließen sich ein authentischer, nach Werten führender Apothekeninhaber und das Ziel der Gewinnoptimierung aus? Nein, vor allem dann nicht, wenn es um die langfristige Gewinnoptimierung geht. Denn wer verantwortungsbewusst handelt und auch in schwierigen Zeiten seine Werte beibehält, erreicht auf lange Sicht eine zufriedenstellende Wertschöpfung. Das ist im Übrigen auch der Grund dafür, warum manche Hirsch-Apotheken schon über Generationen hinweg erfolgreich ihre Kunden betreuen.
Dipl.-Volkswirt Klaus Hölzel,
Apotheken Management-
Institut GmbH, 65375 Oestrich-
Winkel, E-Mail: sekretariat@apothekenzukunft.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(09):8-8