Prof. Dr. Reinhard Herzog
Eine Anleihe der Dresdner Bank ist – so glaubten Sparer noch vor wenigen Jahren – ähnlich sicher wie etwa eine deutsche Bundesanleihe. Denn es erschien absolut unwahrscheinlich, dass ein namhaftes deutsches Kreditinstitut derart in finanzielle Bedrängnis geraten könnte, dass die Zahlung von Zinsen und Tilgung gefährdet werden könnte.
Mittlerweile wurden sie eines Besseren belehrt. Klassische Anleihen wie etwa Inhaberschuldverschreibungen oder Fremdwährungspapiere des Instituts sind von der Krise zwar nicht betroffen und notieren zu Kursen um 100%. Massiv unter Druck stehen jedoch sogenannte nachrangige Papiere, die in den vergangenen Jahren mit oftmals erheblichen Zinsvorteilen aufgelegt wurden. Neben Genussscheinen sind dies insbesondere Anleihen, die dem Grundkapital des Emittenten zuzurechnen sind.
Unterschieden wird dabei nach unterschiedlichen Graden. Sogenannte „Tier 1“- Anleihen werden dem streng definierten Kernkapital eines Kreditinstituts zugerechnet, nach dem sich u.a. das Kreditvolumen der Bank richtet. Daneben kennt das Bilanzsystem weitere Einstufungen – u.a. „Lower Tier 2“ und „Tier 3“. Gemeinsam ist diesen Papieren, dass sie als Eigenkapitalersatz dienen und dabei auch eine Verlustbeteiligung vorsehen. Dies kann etwa die vorübergehende oder vollständige Aussetzung der Zinszahlung sein, aber auch eine Herabsetzung des Nominalwerts – im ungünstigsten Fall auf 0%.
Nominalwert wird herabgesetzt
Bei der Dresdner Bank – die im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 6,3 Mrd. € schrieb – bedeutet dies, dass Anleger mit einer Herabsetzung des Nominalwerts ihrer Papiere um 36% rechnen müssen. Die BayernLB kündigte bereits zum Jahresende 2008 an, zumindest die Zinsen auf Hybrid-Kapital nicht mehr zu bezahlen. Andere Landesbanken, aber auch die Commerzbank, wollen zwar ihren Verpflichtungen vorerst noch nachkommen. Ob dies jedoch mittel- bis langfristig der Fall sein wird, bezweifeln viele Experten. Denn schließlich droht insbesondere bei Landesbanken das Damoklesschwert der Europäischen Union, die entsprechende Zahlungen vor dem Hintergrund der Subventionen für unzulässig erklären könnte.
Das Problem für Anleger: Die Börse hat bereits reagiert. Fast alle nachrangigen Emissionen, bei denen die Zins- und Tilgungszahlungen nicht absolut zweifelsfrei sichergestellt sind, hatten in den vergangenen Monaten oftmals erhebliche Kursverluste, die den erwarteten Kapitalschnitt bereits einpreisen. Aber auch bei Titeln, die als problemlos einzustufen sind, sorgte die Unsicherheit für Kursbelastungen.
Für Anleger, die entsprechende Papiere im Depot haben, stellt sich jetzt die Frage nach der weiteren Vorgehensweise. Letztlich ist es eine Frage der Risikobereitschaft: Wer davon ausgeht, dass die Bankenkrise bereits ihren Höhepunkt überschritten hat und keine weiteren Verluste mehr drohen, sollte investiert bleiben. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, sollte über einen Verkauf nachdenken und die Verluste – so schmerzlich sie sein können – realisieren. Wichtig ist dabei eine strenge Limitierung zu marktgerechten Preisen, sodass „Abstauberlimits“ keine Chance haben. Keineswegs sollten Sie je-doch den Offerten mancher Finanzdienstleister zum Neueinstieg nachkommen, selbst wenn die Konditionen auf den ersten Blick interessant erscheinen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(09):14-14