Prof. Dr. Reinhard Herzog
Sicherheit wird bei Geldanlegern immer noch großgeschrieben: Aktien, Optionsscheine und Zertifikate werden weiterhin gemieden, stattdessen erfolgt die Anlage in Form von Tages- und Festgeldern, selbst Anleihen gelten als suspekt. Einzige Ausnahme: Staatspapiere, speziell vom deutschen Staat. Denn hier – so die allgemeine Erwartung – sei kein Ausfall zu befürchten.
Staat hat kein Interesse an gespartem Geld
Doch die Finanzagentur des Bundes ist über die enormen Mittelzuflüsse alles andere als erfreut: Eigentlich sollte das Geld in die freie Finanzwirtschaft fließen und dort dazu beitragen, die Konjunktur anzukurbeln. Zur Unterstützung dieses Ziels wurden die eigenen Konditionen drastisch zurückgenommen: Die Tagesanleihe, vor Jahresfrist noch mit Zinssätzen von bis zu 4,0% p.a. beworben, rentiert aktuell nur noch mit 0,62%. Finanzierungsschätze bringen zwischen 0,75% (1 Jahr Laufzeit) und 1,15% (2 Jahre Laufzeit), die Renditestaffel der Bundesschatzbriefe beginnt ebenfalls bei 0,75% und sieht Gesamtrenditen von 2,57% bzw. 2,81% (6 bzw. 7 Jahre Laufzeit) vor. Börsennotierte Bundeswertpapiere sind inzwischen auf Renditen zwischen 2,2% (3 bis 5 Jahre Restlaufzeit) und 4,3% (15 bis 30 Jahre) zurückgefallen.
Banken und Sparkassen haben jedoch ihre Kurzzeitkonditionen ebenfalls drastisch reduziert. Mit 1,5% Festgeldzins auf sechs Monate sind Anleger bereits gut beraten, Tagesgelder haben häufig nur noch knapp die 1 vor dem Komma. Der einzige Trost für den Sparer: Die Geldentwertungsrate ist in der Eurozone ebenfalls deutlich auf aktuell rund 0,6% gesunken, sodass bei einem Guthabenzins von 1,5% auch nach Abzug der Abgeltungssteuer immer noch eine – wenn auch geringe – positive Rendite verbleibt.
Allerdings gibt es nach wie vor Alternativen zu den Magerzinsen der Hausbanken. Im Tages- und Festgeldbereich werben immer noch einzelne Direktbanken um Kunden, wobei insbesondere Neukunden mit Sätzen von bis zu 3,0% gelockt werden. Zu den interessantesten Adressen zählen hier z.B. die Comdirect (Tagesgeld Neukunden 4,0%, Bestandskunden 2,0%) oder CortalConsors (3,25%/1,75%), aber auch Autobanken wie die Mercedes-Bank (Tagesgeld generell: 2,4%) oder die Audi-Bank (2,1%). Höhere Sätze offerieren ausländische Anbieter, wobei die Absicherung allerdings oftmals durch eine ausländische Sicherungseinrichtung erfolgt.
Anleihen als Alternative
Etwas risikofreudigere Investoren werden daneben bei Anleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren fündig. Hier sind etwa Staatspapiere von Spanien (5 Jahre Laufzeit, 2,7 % Rendite), Österreich (2,9%) oder auch Griechenland (3,7%) zu nennen, bei denen die Gefahr eines Ausfalls infolge der Zugehörigkeit dieser Länder zur Eurozone als unwahrscheinlich anzusehen ist.
Alternativ kommen aber auch die in großer Vielzahl aufgelegten Unternehmensanleihen erster Adressen infrage. Hier lassen sich mit Papieren etwa von E.ON oder BASF oft mehr als 4,0% erzielen, Anleihen von Daimler bringen es sogar auf rund 6,0%. Bei diesem Zinssatz liegt dann allerdings die Grenze: Was mehr als ca. 7% Jahresrendite bietet, gilt nach wie vor als gefährdet und sollte erst dann in die engere Wahl genommen werden, wenn die Weltwirtschaftskrise ein Ende gefunden hat.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(11):11-11