Bankdienste

„Regenschirme bei Sonnenschein“


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Treffen kann es jeden: Ein neuer Konkurrent vor Ort, der Wegfall eines wichtigen Verordners oder unerwartete Kostensteigerungen können aus einer florierenden Apotheke und einer Familie schnell einen Problemfall machen. Mit Banken und Sparkassen ist dabei nicht zu spaßen.

„Sie verteilen Regenschirme bei Sonnenschein, doch bei den ersten Gewitterwolken sammeln sie sie wieder ein“ – diese Unternehmerweisheit bringt das Verhalten der deutschen Kreditinstitute in der aktuellen Wirtschaftskrise auf den Punkt: Geht es einem Bankkunden – ob Privatperson oder Firmeninhaber – finanziell gut, kann er auf ein solides Kapitalpolster sowie hohe und vor allem sichere Einnahmen verweisen, wird er umworben. Kredite sind kein Problem und der Berater ist jederzeit verfügbar. Verschlechtert sich die Bonität aber, sieht alles schnell anders aus. Kredite werden verweigert, bestehende Kredit­linien gekürzt und die Zinsen für Darlehen angehoben. Noch schlimmer wird von vielen Betroffenen die Tatsache empfunden, dass der Berater nun nicht mehr jederzeit als An­sprechpartner dient. Verwiesen wird auf – unerfahrenes – Schalterpersonal, manchmal auch an die Abteilung für „Forderungsmanagement“.

Verkauf unter Wert

Nicht selten führt eine solche Entwicklung schnell zum finanziellen Aus, verbunden mit zahlreichen persönlichen Nachteilen. Besonders häufig betroffen: die eigene Immobilie. Fast 100.000 Objekte werden in diesem Jahr zwangs­versteigert. Und weil die Erlöse oft nur bei 40% bis 60% des tatsächlichen Werts liegen, bleiben dem Betroffenen auch nach dem Verlust des Eigenheims meist noch Verbindlichkeiten, für die er oft jahrzehntelang aufkommen muss.

Frühzeitiges Handeln kann da­zu beitragen, diese Problematik weitgehend zu vermeiden. Unerlässlich ist im betrieblichen Bereich insbesondere die regelmäßige Prüfung der relevanten Kennzahlen. Auf Veränderungen im Umfeld des Betriebs gilt es, rechtzeitig mit entsprechenden Gegenmaßnahmen zu reagieren. Mindestens ebenso wichtig ist es aber, die betrieblichen wie privaten Finanzen im Griff zu behalten. Dies beginnt bei einem ausreichenden Liquiditätspolster für unvorhergesehene Kosten, das z.B. als Tagesgeld vorgehalten wird. Sinnvoll ist es aber auch, mit der Bank bzw. Sparkasse ausreichend hohe Kreditlinien zu vereinbaren – ob diese nun benötigt werden oder nicht. Solange Umsätze und Einkommen „stimmen“, ist dies regelmäßig kein großes Problem, bei einer Eintrübung der Lage lässt sich mit den verfügbaren Geldern möglicherweise ein finanzieller Engpass elegant vermeiden.

Kritisch wird die Situation, sobald sich erste Zahlungsschwierigkeiten abzeichnen – etwa in Form eines ständig weit überzogenen Kontos. Hier gilt es einerseits, sich Gedanken über sinnvolle Gegenmaßnahmen zu machen, andererseits aber auch, mögliche Schäden im Vorfeld zu begrenzen. Ein frühzeitiges Gespräch mit dem Kreditsachbearbeiter kann dabei vor unerwarteten Maßnah-men wie z.B. Lastschriftrückgaben schützen.

Dabei sollte aber nicht darauf vertraut werden, dass sich das Geldhaus kulant zeigt. Erforderlich sind vielmehr konkrete Pläne, wie und wann sich die Lage verbessern wird. Da kein Geldinstitut an der Einleitung von Zwangsmaßnahmen interessiert ist, sollte gemeinsam nach Lösungen gesucht werden. Bei Finanzierungen kann dies z.B. eine Reduzierung oder ein Aussetzen der Tilgung sein, manchmal können aber auch neue Investitionen ein höheres Einkommen sichern. Oft zeigt sich aber auch, dass viel mehr Vermögen vorhanden ist als vom Bankkunden angenommen, z. B. in Form von Wertpapieren. Eine entsprechende Umschichtung spart dann nicht nur Zinsen, sondern sichert auch einen wieder ruhigen Schlaf.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(13):14-14