Ute Jürgens
Sicher ist die Apothekenleitung nicht ganz allein für das gute Arbeitsklima zuständig, die Mitarbeiter liefern auch Winde, warme Strömungen oder Orkantiefs. Leider hat hier in Deutschland gute Laune ein Imageproblem, Sprüche wie „Hier wird nicht gelacht, hier wird gearbeitet!“ oder „Sie werden nicht dafür bezahlt, dass Sie herumalbern“ sind vielen von uns bekannt. Gute Laune und Heiterkeit werden oft mit Oberflächlichkeit, Naivität, süßem Nichtstun und Arbeitsscheu assoziiert. Dabei haben Forschungen der Erlanger Professorin für Sozialpsychologie Andrea Abele gezeigt, dass in guter Stimmung das Denken eher „intuitiv-ganzheitlich“ abläuft. Versuchspersonen mit guter Laune konnten komplexe Fragestellungen und kreative Aufgaben besser bewältigen als durchschnittlich gestimmte Teilnehmer und erbrachten 20% mehr Leistung. Fazit: Das Gehirn belohnt Heiterkeit mit gesteigerter Denkleistung und neuen Sichtweisen.
Motivierte Mitarbeiter fehlen seltener
Auch das Taunussteiner Sozialforschungsinstitut IFAK liefert Zahlen zum Zusammenhang von guter Laune und Produktivität: Froh gestimmte Mitarbeiter bringen jährlich im Schnitt 17,5 Verbesserungsvorschläge und gute Ideen in ihre Unternehmen ein, „Miesepeter“ dagegen nur 8,4. Ebenso kommen motivierte Angestellte auf durchschnittlich nur 4,3 Fehltage, ihre frustrierten Kollegen dagegen auf 10.
Auch im Kleinbetrieb Apotheke ist die „Launologie“ ein forschungswertes Objekt. Bestimmte Mitarbeiter bremsen, andere erheitern und beflügeln die Kollegen. Sind die Rollen stets gleich verteilt, bleiben also „Miesepeter“ immer missmutig und demotivierend? Falls Sie als Chef selbst in dieser Position fest- hängen und „Betriebssabotage“ betreiben, ist es höchste Zeit gegenzusteuern – gerade in der Krise.
Helmut Fuchs, Präsident der European Academy for Training and Development, verdeutlicht, dass es nicht um Spaßkultur geht, sondern vielmehr um eine heitere, klare und transparente Grundstimmung im Unternehmen. Gute Laune ist deshalb eng verknüpft mit Authentizität. Wer den Mitarbeitern freundlich ins Gesicht lächelt, aber hinter dem Rücken die Fäuste ballt, macht sich unglaubwürdig. Und das dämpft die Stimmung mehr als jedes offene Wort. Als Chef haben Sie also die Pflicht, sich selbst im „Apothekenzuhause“ wohlzufühlen. Ihr eigenes Verhalten ist für den Wandel entscheidend, Ihr Vorbild zählt. Nur mit positiver, wertschätzender Mitarbeiterführung ist gute Laune im Unternehmen realistisch.
Handlungsbedarf erkennen
Knackpunkt dabei ist die Sensibilität gegenüber Stimmungen. Wer Handlungsbedarf erkennt, hat den ersten Schritt getan. Dem folgt die Analyse: Worüber ärgern sich die Mitarbeiter immer wieder? Wer sind die Miesmacher im Unternehmen? Wie empfinden die Angestellten das Klima, wie nehmen es die Kunden wahr?
Es gibt immer wieder Mitarbeiter, die ob eines schreienden Chefs mitleidig von Kunden angesprochen werden. Patienten wechseln ziemlich schnell die Apotheke, wenn es anderswo freundlicher und fröhlicher zugeht. Sie selbst werden als Kunde sicher auch lieber von entspannten und frohen Menschen beraten als von Angestellten mit gedrückter Stimmung. Auch die eigene Arbeit macht mehr Spaß, es fließt gleichsam, alles geht flott von der Hand, wenn Sie bestgelaunt im Betrieb erscheinen und fähig sind, diese Stimmung unabhängig vom Verhalten anderer aufrechtzuerhalten.
Nach dieser Eigenanalyse können zunächst organisatorische Dinge verbessert werden. Das fängt bei Parkplätzen für die Mitarbeiter und ungestörten Pausen an und hört bei der Einteilung der Arbeitsaufgaben auf. Als Chef wahren Sie hier die Balance zwischen zu viel und zu wenig Delegieren. Falls einzelne Angestellte grundsätzlich schlecht gelaunt und sogar zu Kunden unfreundlich sind, machen Sie sich ein Bild von den Ursachen. Vielleicht möchte der Mitarbeiter mit Ihnen darüber sprechen, vielleicht zieht er auch eine Beratung bei einem Einzelcoach vor. Falls alles nichts hilft, bleibt als Nächstes ein Trennungsgespräch. Eine Abmahnung wird entweder als Anstoß zum Anpacken des Problems genutzt oder leitet das Aussortieren des einen kranken im Korb gesunder Äpfel ein.
Die Aufmerksamkeit ist im Wesentlichen auf die positiven, heiteren Aspekte im Alltag zu lenken: die Stärken einzelner Mitarbeiter, besondere Serviceleistungen, das bewusste Genießen von Neuerungen etc. – all dies ist nicht selbstverständlich, sondern kann zu beständigen Hochs in der Wetterlage führen.
Neben einer wertschätzen‑ den Haltung und offenen Gesprächskultur tragen auch Gute-Laune-Rituale zur Heiterkeit im Unternehmen bei. Das kann ein Blumenstrauß sein, der im Laufe des Tages alle zwei Stunden den Platz wechselt und so frohe Farben von der Offizin über das Büro bis zum Helferinnentisch bringt. Die letzte Mitarbeiterin des Tages bekommt ihn dann mit nach Hause. Da mittlerweile in immer mehr Artikeln und Seminaren dazu aufgerufen wird, den Angestellten zu verdeutlichen, was Sie als Chef an ihnen schätzen, haben Sie sicher schon damit angefangen und die ersten Hemmungen hinter sich gelassen.
Auch ein Betriebsausflug, der das Team zusammenschweißt und positive Erfahrungen schafft, ist möglich. Vielleicht auch ein gemeinsames Frühstück an einem der Tage mit niedriger Kundenfrequenz? Das alles muss Sie nicht gleich in den Ruin treiben! Blumen können Sie im eigenen Garten pflücken, Lob kostet Sie nur ein paar Überlegungen, der Betriebsausflug wird womöglich von Sponsoren aus der Industrie unterstützt und zum Frühstück bringt jeder etwas für alle mit. Vielleicht erlauben Sie auch den Verkauf von nicht mehr benötigten Büchern, Dekomaterial und anderen Kleinoden auf dem Flohmarkt und nutzen die Einnahmen entsprechend?
Sobald Menschen Bedrückendes benennen und sich darüber mit anderen austauschen, wird das Gehirn wesentlich stärker aktiviert, als wenn sie über ihren Kummer nur grübeln. Dies wiederum hat zur Folge, dass negative Emotionen schneller nachlassen und Lösungen aktiv gesucht werden. Das kennen Sie von Ihren Kunden – und dasselbe gilt auch für Sie und Ihre Mitarbeiter.
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Ute Jürgens, Kommunikations-
trainerin und Einzelcoach,
KomMed, 28865 Lilienthal,
E-Mail: KomMed@freenet.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(16):8-8