Weiterentwicklung des Apothekerberufs

Drei Fragen an Erika Fink


Dr. Christine Ahlheim

Erika Fink ist Präsidentin der Bundesapothekerkammer, der Landesapothekerkammer Hessen und Inhaberin der Grüneburg-Apotheke in Frankfurt.

? Welche Schwerpunkte wollen Sie bei Ihrer Tätigkeit als Präsidentin der Bundesapothekerkammer setzen?

Der Schwerpunkt meiner Arbeit wird sein, dass der Apothekerberuf in der Öffentlichkeit stärker positiv wahrgenommen wird als bisher. Es ist doch paradox: Die Apotheken werden von ihren Kunden in allen Meinungsumfragen gut beurteilt und das Vertrauen der Patienten in die Apotheken ist groß. Das steht im drastischen Widerspruch zu Testkäufen von Fernsehsendern, bei denen immer wieder einzelne Apotheken vorgeführt werden, weil dort nicht kompetent beraten wurde. Dadurch leidet das Ansehen des ganzen Berufsstands. Ich werde mich dafür einsetzen, dass in Zukunft kein Apothekenkunde mehr eine Apotheke ohne ein Beratungsangebot verlässt. Jeder Kollege und jede Kollegin kann täglich eini­ges dafür tun, dass die öffentliche Wahrnehmung durchgehend positiv wird. Wir müssen aber auch neue Wege gehen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Projekt „Apotheke macht Schule“, das bereits mehrere Apothekerkammern anbieten. Ich werde mich als Präsidentin der Bundesapothe­kerkammer dafür einsetzen, dass diese Vorträge bundesweit angeboten werden. Des Weiteren werden wir die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesapothekerkam­mer noch weiter ausbauen.

Der zweite Schwerpunkt meiner Arbeit ist der gelebte Verbraucherschutz. Arzneimittel sind ein besonderes Gut und wir Apotheker sind für unsere Patienten verantwortlich. Dazu gehört für mich in der Selbstmedikation, dass zum Beispiel über Anwendungsbeschränkungen informiert wird. Außerdem muss auch klar sein, wann der Patient an den Arzt verwiesen wird. Rezeptfrei heißt nicht harmlos, das müssen wir in den Köpfen unserer Patienten verankern. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten kann der Apotheker mit patientengerechten Informationen zur Anwendung den Therapieerfolg deutlich verbessern. Stichworte hierzu sind Einnahmehinweise zur Vermeidung von Wechselwirkungen oder Schulung der Patienten zur richtigen Anwendung von Arzneimitteln. Wir müssen Patienten, ebenso wie Vertragspartnern, eine gleichbleibend hohe Qualität garantieren können.

Mein dritter Schwerpunkt ist der „Apotheker als Gesundheitsmanager“. Die Apotheken beschäftigen hoch qualifiziertes Personal. Zudem haben wir von den Patienten mit deren Einverständnis viele Daten, denken Sie nur an die Medikationsdateien bei Stammkunden. Diese Daten müssen wir zusammenführen und uns stärker als bisher um eine umfassende Betreuung unserer Patienten kümmern. Dazu gehört natürlich auch die Prävention.

? Mit welchen Maßnahmen kann aus Ihrer Sicht die Qualität der Beratung in den öffentlichen Apotheken verbessert werden?

Fortbildung ist und bleibt das A und O für eine qualitativ hochwertige Beratung. Um hier neue Wege zu beschreiten, hat die Bundesapothekerkammer eine innovative Form von Seminaren entwickelt. Die erforderlichen Beratungsinhal­te werden anhand von Fallbeispielen vermittelt. Welche Fragen muss ich einem Patienten stellen, der mit der Eigendiagnose Kopfschmer­zen in die Apotheke kommt? Wonach fragt der Apotheker einen Patienten mit Spannungskopfschmerz, welche Hinweise sind bei der Abgabe eines Triptans wichtig? Ich hoffe, dass das Lernen am Fallbeispiel die Beratung noch weiter verbessern wird. Die Bundesapothekerkammer hat diese neue Art der Fortbildung in Train-the-Trainer-Seminaren bereits an die Apothekerkammern weitergegeben, damit diese ihre Mitglieder und auch das nicht approbierte Personal fortbilden können. Jeder Kollege hat jetzt die Möglichkeit, diese Angebote wahrzunehmen.

Daneben sollen die Pseudo- Customer-Besuche die Beratungsbereitschaft der Kollegen verbessern. Ich weiß, dass das alles für viele Kollegen nicht leicht ist, besonders weil ausreichend Personal kaum zu finanzieren ist, aber man kommt auch mit kleinen Schritten voran – auch das wird mir von Kollegen immer wieder berichtet.

? Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass zukünftig apothekerliche Leistungen auch jenseits der Versorgung mit Arzneimitteln honoriert werden?

Es gibt heute bereits Leistungen, die von den Krankenkassen separat honoriert werden. Bundesapothekerkammer und Deutscher Apothekerverband arbeiten dabei Hand in Hand. Ein Beispiel ist der Vertrag mit der Barmer Ersatzkasse zur Blutzuckerselbstmessung. Der­zeit werden neue Dienstleistungen erarbeitet, die über unser Kerngeschäft der Arzneimittelversorgung hinausgehen und die der Deutsche Apothekerverband mit den Krankenkassen verhandelt. Auch wenn es im Detail schwierig ist, bin ich optimistisch, wir Apotheker können viele Leistungen anbieten, die über unseren Versorgungsvertrag hinausgehen, von denen aber die Patienten mit einem Mehr an Gesundheit und Lebensqualität profitieren.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(16):3-3