Prof. Dr. Reinhard Herzog
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Das Unternehmen
Die Wincor Nixdorf AG gilt als eines der führenden Unternehmen im Bereich der Bankautomation (Beratungsterminals, Geldautomaten), Kiosksysteme und POS-Kassensyteme sowie Leergutautomaten. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1952 zu- rück, als der Computerpionier Heinz Nixdorf erste Anwendungen für die elektronische Datenverarbeitung entwickelte.
Mit der Aufrüstung auf die elektronische Zahlungsverkehrsabwicklung bei Banken und Sparkassen erlebte das damals bereits erstmals börsennotierte Unternehmen in den 1970er- und 1980er-Jahren eine erste Blüte. Nixdorf wurde zum viertgrößten Computerkonzern Europas und nahm in vielen Bereichen eine technologische Vorreiterrolle ein. Mit dem Tod des Unternehmensgründers im Jahr 1986 begann allerdings eine schwierige Zeit und 1990 übernahm der Siemens-Konzern die Firma als „Siemens NixdorfInformationssysteme AG“.
Die beiden Geschäftsfelder „Lösungen für den Einzelhandel“ und „Lösungen Banken“ wurden in die Siemens-Organisation integriert und das Produkt- und Serviceangebot nachhaltig erweitert. 1999 verkaufte der Siemens-Konzern seine Anteile an die Kapitalgesellschaften von Kohlberg Kravis Roberts und Goldman Sachs Capital Partners. 2004 wurde das Unternehmen nach Rückführung der Verschuldung und Stärkung der finanziellen Flexibilität wieder an die Börse gebracht. Ausgegeben wurden rund neun Millionen Aktien zum Emissionspreis von – bereinigt – 20,50 €.
Die Geschäftstätigkeit gliedert sich heute in die beiden Bereiche „Banking“ (Umsatzanteil 1. Halbjahr 2008/09: 69,7%) sowie „Retail“ (30,3%), wobei Wincor Nixdorf so- wohl die Hardware als auch die Software weitgehend im eigenen Haus entwickelt. Produziert wird außer in Deutschland in Singapur, in Brasilien, in China sowie in der Schweiz.
Fundamentale Daten
Die Wincor Nixdorf AG verzeichnet bereits seit vielen Jahren einen kontinuierlichen Umsatz- und Ertragsanstieg und konnte sich auch in jüngster Vergangenheit besser behaupten als der Wettbewerb. Im Geschäftsjahr 2007/08 (30. September) stieg der Umsatz um 8% auf 2,3 Mrd.€. Bereinigt um Wechselkurseffekte wurde ein Plus von 11% erreicht. Insbesondere der starke Anstieg des Auslandsumsatzes war maßgeblich für diese positive Entwicklung. So sind etwa die Erlöse in der Region Asien/ Pazifik/Afrika auf Dollar-Ba-sis um 34% gegenüber dem Vorjahreswert gestiegen. Auch in Amerika wurde ein Plus von 27% erreicht.
Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITA) stieg um 11% und erreichte 206 Mio. €. Die EBITA-Rendite verbesserte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 8,9%. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 20 Mio. € auf 181 Mio. € (plus 12%) und das Periodenergebnis stieg um 17% auf knapp 127 Mio. €.
In den ersten neun Monaten 2008/09 verzeichnete Wincor Nixdorf beim Umsatz einen Rückgang von 1% auf 1,7 Mrd. €. Überdurchschnittlich entwickelte sich allerdings diesmal das Deutschland-Geschäft mit einem Plus von 17%, während die Region Europa (ohne Deutschland) 13% unter dem Vorjahreswert lag. In der Region Asien/Pazifik/Afrika wurde ein Plus von 13% erreicht, in Amerika lagen die Umsätze um 1% über dem Vergleichswert des Vorjahres. Stärker unter Druck stand der Ertrag: Das EBITA verringerte sich um 9% auf 138 Mio. €. Das Periodenergebnis sank um 6% auf 87 Mio. €.
Kurzfristig gehen Analysten davon aus, dass die Wirtschaftskrise auch bei Wincor Nixdorf zu einem zurückhaltenden Investitionsverhalten der Kunden führen wird. Andererseits besteht nach wie vor ein großer Bedarf an den vom Unternehmen angebotenen Lösungen, die vielfach auch zur Kostensenkung beitragen können. Bereits ab dem kommenden Jahr wird daher wieder mit einer deutlichen Belebung gerechnet, von der auch Anleger profitieren sollten.
Charttechnische Daten
Nach dem Börsengang im Jahr 2004, aber auch nach unserer erstmaligen Vorstellung im AWA vom 15. November 2005 (Nr. 22/2005), machte die Wincor Nixdorf-Aktie den Anteilseignern viel Freude und der Kurs konnte sich in der Spitze mehr als verdreifachen.
Ab Mitte 2007 sorgte allerdings die Wirtschaftskrise für erhebliche Unsicherheiten und der Kurs gab von fast 75 € auf unter 30 € nach. Mittlerweile hat sich jedoch wieder eine Stabilisierung herausgebildet, wobei das doch deutliche Überschreiten des Gleitenden 200-Tage-Durchschnitts als Kaufsignal zu werten ist.
Gesamtmarkttrend
Die deutsche Börse profitiert derzeit zwar von der enormen Liquidität, jedoch erscheint nicht sicher, ob der DAX die 5.000er-Marke bereits nachhaltig überschritten hat. Nachdem von der Konjunkturfront aber erste Signale einer Belebung kommen, bestehen gute Aussichten auf eine Fortsetzung des Kursanstiegs im Herbst 2009. Allerdings sind auch die Risiken nicht zu unterschätzen, falls die Wirtschaftskrise erneut stärker aufflammt.
Fazit
Die Wincor Nixdorf-Aktie kann als eher konservativer Wert gesehen werden, der – gerade angesichts des erreichten niedrigen Kursniveaus – langfristig interessante Chancen hat. Erheblichen Einfluss hat vorerst jedoch weiterhin die Entwicklung im Umfeld der Wirtschaftskrise, die den Kurs nochmals unter Druck setzen könnte.
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Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(16):12-12