Guido Michels
Aus der Natur des Einzelunternehmens Apotheke ergibt sich, dass fast immer alle Fäden beim Inhaber zusammenlaufen. Er ist der alleinige Verantwortliche, hat den Überblick über die wirtschaftliche Situation, über Verträge und Vereinbarungen. Die Angehörigen bzw. die Erben stehen beim Ausfall des Inhabers oft vor dem Problem, sich einen Überblick über die wirtschaftliche Lage und die Rechtsbeziehungen der Apotheke verschaffen zu müssen, aber weder wichtige Unterlagen noch eingeweihte Mitarbeiter vorzufinden. Denn dritte Personen haben – wenn überhaupt – nur einen partiellen Einblick in die Verhältnisse des Betriebs. Die Mitarbeiter kennen zwar die Kunden und die Organisation der Apotheke, wissen aber wenig über die Geschäftslage. Den größten Kenntnisstand hat noch der Steuerberater: Er überblickt die wirtschaftliche Situation und weiß über die betrieblichen und privaten Vermögensverhältnisse Besche
Notfallplan erstellen
Der verantwortungsvolle Apotheker sollte daher zu Lebzeiten eine Liste der wichtigsten Unterlagen für den Notfall anfertigen. Ziel des „Notfallplans“ ist es, den Angehörigen oder Erben den schnellen Zugriff auf alle wichtigen, den Betrieb betreffenden Unterlagen zu ermöglichen. Welche Angaben in den Plan – der regelmäßig aktualisiert werden sollte – gehören, zeigt die Checkliste unten. Auch sollte man sicherstellen, dass eine Vertrauensperson weiß, wo der Leitfaden aufbewahrt wird.
Diese Vorbereitung lohnt: Es geht immerhin um das eigene Lebenswerk, das auch nach dem Tod des Inhabers nicht vollkommen „kopflos“ dastehen soll. Besitzt einer der Erben die Approbation und will die Apotheke weiterführen, so kann dieser sich dank der vorbereiteten Unterlagen schnell in den Betrieb einarbeiten. Die Übernahme gestaltet sich so reibungsloser. Muss die Apotheke verkauft oder verpachtet werden, helfen die Informationen bei der Ermittlung eines angemessenen Kaufpreises.
Testament und Erbe
Wer sichergehen will, dass sein Vermögen auch nach dem Tod in die richtigen Hände gelangt, muss ein Testament oder einen Erbvertrag verfassen. Denn werden zu Lebzeiten keine Regelungen getroffen, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Diese kann zu Ergebnissen führen, die nicht im Sinne des Verstorbenen sind.
Bei der gesetzlichen Erbfolge erben regelmäßig die Verwandten des Verstorbenen, wobei es verschiedene Ordnungen gibt. Der Ehe- bzw. Lebenspartner, der mit dem Verstorbenen ja nicht verwandt ist, erhält eventuell nur Teile des Erbes, abhängig vom erbberechtigten Personenkreis und dem Güterstand.
Doch das Testament dient nicht nur der Absicherung des Ehepartners. Es hilft auch, die Nachfolge in einem Unternehmen zu regeln oder eine unwirtschaftliche Verteilung des Nachlasses unter einer Vielzahl von Erben zu verhindern. Durch die Festlegung, welche Person welchen Besitz erhalten soll, kann Streit zwischen den Erben vermieden werden. Sind nämlich mehrere Erben vorhanden und hat der Verstorbene per Testament keinen Einfluss auf die Verteilung des Erbes genommen, bilden alle Erben zunächst eine Erbengemeinschaft. Diese erhält den Nachlass und verwaltet ihn gemeinschaftlich. Schon hierbei kann es zu Streit kommen, da jeder Miterbe entsprechend seinem Erbteil Einfluss nehmen, nicht aber über konkrete Gegenstände oder Werte verfügen kann.
Um aus der gemeinsamen Nachlassverwaltung herauszukommen, kann jeder Erbe die Auseinandersetzung – also die Aufteilung – des Erbes verlangen. Auch hier muss man sich einigen, wer konkret was aus dem Besitz erhält. Für nicht-teilbare Güter, z.B. Grundstücke oder die Apotheke, erfolgt die „Teilung“ durch Verkauf und anschließende Aufteilung des Erlöses. Könnte ein Apotheker aus einer Erbengemeinschaft den Betrieb übernehmen, so müsste dieser unter Umständen andere Erben auszahlen. In beiden Fällen muss eine Feststellung des Wertes der Apotheke erfolgen.
Eingeschränkt wird die Testierfreiheit jedoch dadurch, dass per Gesetz nächste Angehörige durch den Pflichtteil immer am Erbe beteiligt werden, d.h. nicht einfach „enterbt“ werden können. Um gültig zu sein, muss ein Testament ferner bestimmten Vorgaben genügen. Aufgrund der verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten rund um das Thema Erbrecht und Testament sollte man auf eine Beratung beim Rechtsanwalt oder Notar nicht verzichten. Ratsam ist auch, einen Steuerberater hinzuzuziehen, vor allem wenn eine Apotheke zur Erbmasse gehört.
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Rechtzeitige Nachfolgeplanung
Viele der beschriebenen Unsicherheiten können durch eine rechtzeitige Nachfolgeplanung oder Übergabe der Apotheke an kommende Generationen vermieden werden. Denn die Perspektiven für einen geordneten Übergang sind umso besser, wenn dieser zu einem frühen Zeitpunkt in die Wege geleitet wird. Durch rechtzeitiges Handeln behält man selber das Heft in der Hand, kann Zeitpunkt und Formalitäten der Nachfolge selber bestimmen.
Bei der Suche nach einem Nachfolger ist es zweckmäßig, zunächst angestellten Approbierten oder Kollegen die Apotheke anzubieten bzw.über Marktpartner und Vermittler nach Interessenten zu suchen. Unter anderem führt die Treuhand Hannover, Steuerberatungsgesellschaft, mit der „Apotheken-Börse“ Interessenten und Anbieter unterschiedlichster Objekte aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen.
Bei der Übergabe innerhalb der Familie entfällt die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Hier ergeben sich allerdings verschiedene Alternativen der Übergabe mit unterschiedlichen wirtschaftlichen und steuerlichen Auswirkungen. So kann etwa im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge die Apotheke als Schenkung oder mit Gegenleistung (z.B. Versorgungsleistung) übertragen werden. Auch ein Verkauf wie unter Fremden ist denkbar. Diese Variante wird häufig gewählt, wenn noch Geschwister vorhanden sind. Als Übergangslösung kann die Verpachtung oder die Gründung einer OHG infrage kommen.
In allen Fällen müssen sich der Abgebende und der Übernehmende auf einen Kaufpreis einigen. Ohne die Einschaltung von Unternehmen, die den Kauf und Verkauf von Apotheken begleiten, läuft man Gefahr, wirtschaftliche Nachteile zu erleiden. Zu den wichtigen Leistungen gehören dabei die gutachterliche Ermittlung des marktüblichen Kaufpreises, die Darstellung steuerlicher und wirtschaftlicher Auswirkungen und Gestaltungsmöglichkeiten sowie die Unterstützung bei Verhandlung und Vertragsgestaltung.
Guido Michels, Diplom-Ökonom,
TREUHAND HANNOVER GmbH,
Steuerberatungsgesellschaft,
30519 Hannover,
E-Mail: guido.michels@treuhand-hannover.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(19):8-8