Stufenzinsanleihen

Ausstieg wider Willen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Die niedrigen Kapitalmarktzinsen machen den Sparern zu schaffen: Renditen von 1,0% auf Tages- und Festgelder sowie 2,5% auf Anleihen sind – insbesondere nach Steuern – wenig attraktiv. Mit Stufenzinspapieren sollen jetzt neue Anlegerkreise erschlossen werden.

40 Jahre ist es her, dass die damalige Bundesschuldenver­waltung, heute: „Bundesre­publik Deutschland – Finanz­agentur GmbH“, mit dem Bundesschatzbrief ein neuartiges Anlageinstrument auf den Markt brachte. Ausgegeben wur­den und werden zwei Tranchen: Beim Bundesschatzbrief Typ A werden die Zin­sen jährlich ausgezahlt, beim Typ B erfolgt eine Zinsansammlung, sodass auch der Zinseszinseffekt genutzt wird. Gemeinsam ist beiden ein Jahr für Jahr steigender Zins. Damit erhalten Anleger einerseits eine vergleichsweise flexible Anlage, können Bundesschatz­briefe doch nach dem ersten Laufzeitjahr jederzeit in einem Volumen von bis zu 5.000 € pro Monat zurückgegeben werden. Der Preis ist exakt festgeschrieben, Kursrisiken gibt es keine. Andererseits bieten Bun­desschatzbriefe die Chance auf eine marktgerechte Rendite, wenn die gesamte Laufzeit durchgehalten wird.

Schnell wurde dieses Konzept von Banken und Sparkassen übernommen. Angeboten wer­den Sparformen auf Konto­basis mit einem festen Basiszins plus einem jährlich steigenden Bonus. Während bei Bundesschatzbriefen nur eine sechs- (Typ A) bzw. siebenjährige (Typ B) Laufzeit vorgesehen ist, offeriert die Kreditwirtschaft entsprechende Verträge mit Laufzeiten von bis zu 25 Jahren. Der Ausstieg ist meist nicht an eine Höchstsumme gebunden, jedoch muss der gewünschte Betrag üblicher­wei­se drei Monate vor dem Auszahlungstermin gekündigt werden.

Magere Renditen

Gut verzinst wird derzeit freilich keine dieser Anlagefor­men: Die Zinsstaffel der Bundesschatzbriefe beginnt bei lediglich 0,5% p.a. und reicht bis 4,25%, sodass sich per Endfälligkeit eine Rendite von 2,45% (Typ A) bzw. 2,74% (Typ B) ergibt. Auf ähnlich niedrigem Niveau liegen die Renditen von Banksparplänen – wobei hier zumindest die Chance besteht, im Falle eines Renditeanstiegs am Kapitalmarkt mit höheren Zinsen rechnen zu können.

Alternativ bieten mittlerweile einige Geldhäuser Stufenzins­anleihen an. Die Laufzeit beträgt meist vier bis sieben Jahre, vorgesehen ist ein regelmäßig steigender, oft recht attraktiver Zins. Darüber hinaus erfolgt manchmal auch noch eine Koppelung der Rückzahlung an die Wertentwicklung bestimmter Aktien, nicht selten verbunden mit einer Kapitalgarantie. Die Werbeaussage klingt dabei simpel: „Steigende Zinsen, Chancen auf Zusatzertrag und 100%ige Sicherheit.“

Vorzeitige Kündigung

Immer mehr Emittenten bauen sich mittlerweile jedoch ein „Hintertürchen“ in Form eines Kündigungsrechts in die Vertragsbedingungen ein. Versprochen wird z.B. eine Zinsstaffel, die bei 1,5% im ersten Jahr beginnt und auf über 6% im siebten Jahr ansteigt. Damit erscheint das Papier zunächst attraktiv, errechnet sich doch eine Rendite von mehr als 4,5%. Nach ein bis zwei Jahren kommt dann jedoch häufig das böse Erwachen: Der Emittent macht von seinem Kün­digungsrecht Gebrauch und zahlt das Pa­pier zurück; der Anleger hat somit nur den Niedrigzins der Startphase erhalten. Darüber hinaus zeigt die Erfahrung, dass gekoppelte Aktienkörbe oftmals mit Papieren ausgestattet werden, die einen Zusatzertrag zunichtemachen.

Unser Urteil: Stufenzinsanlagen sind nur dann eine überlegenswerte Alternative, wenn der Emittent kein Kündigungsrecht hat. Ansonsten sind normalverzinste Papiere meist die bessere Lösung.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(21):14-14