US-Dollar

Absturz oder Comeback?


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Zum Jahreswechsel 2008/09 glänzte er durch auffallende Stärke, mittlerweile ist er wieder auf Talfahrt: Der US-Dollar entwickelt sich gegenüber dem Euro zunehmend zu einer „Weichwährung“. Doch gerade daraus können sich auch Chancen ergeben.

Aus charttechnischer Sicht erscheint alles klar: Nachdem der Dollar im Frühjahr 2009 seinen temporären Anstieg erst einmal beendet hat, sind die Gefahren eines länger­fristigen Verfalls deutlich gestiegen. Und dabei ist nicht einmal sicher, ob die Rekord-Tiefststände von Anfang 2008 bei 1,60 Dollar je Euro nicht noch einmal unterboten werden könnten, liegen die charttechnischen Widerstandsmarken doch mittlerweile in ganz anderen Regionen.

Einer der wichtigsten Gründe für diese Entwicklung ist die Rolle des Dollars als „sicherer Hafen“. Im zweiten Halbjahr 2008 standen die Märkte ganz im Zeichen der Finanzkrise. Viele Anleger, aber auch Notenbanken strebten nach einem Maximum an Sicherheit, das sich auch in Krisenzeiten bewährt hat. Und hierzu zählt nun einmal der US-Dollar, selbst wenn auch seine Rolle angesichts des aus­ufernden Staatsdefizits und der schlechten Wirtschafts­lage in den USA durchaus hinterfragt werden kann. Der Kurs stieg und bald schon lag die Notierung bereits bei 1,30 Dollar je Euro.

Im Frühjahr 2009 erwachte dann jedoch wieder die Risikobereitschaft der Investoren. Gerade nach der Absenkung der Leitzinsen in den USA rückten nunmehr wieder verstärkt Euro-Anlagen ins Visier der internationalen Klientel. Aber auch bei manchen Notenbanken stellte man sich zwischenzeitlich die Frage, ob nicht ein breiteres Engagement auch in anderen Währungen ein „Mehr“ an Sicherheit bedeuten könnte. Entsprechend schwächte sich der Greenback wieder ab und heute werden rund 1,50 Dollar für den Euro bezahlt.

Asien gewinnt an Bedeutung

Nun stellt sich die Frage nach der künftigen Entwicklung. Viele Marktbeobachter rechnen derzeit mit einem weiteren Rückgang des Dollarkurses. Sie begründen dies zum einen mit der Tatsache, dass die Konjunktur in den USA bisher noch alles andere als robust und die Krise damit längst nicht ausgestanden ist. Zum anderen sehen sie aber auch eine weiter schwindende Bedeutung der amerikani­schen Devise als weltweite Reservewährung. Hier sollten kurzfristig renommierte Währungen wie der Euro oder der Schweizer Franken an Beliebtheit gewinnen. Langfristig werden aber auch die asiatischen Staaten mitmischen wollen.

Andere Analysten sehen darin eher eine temporäre Entwicklung. Sie verweisen darauf, dass etwa in Europa die Konjunktur noch weitaus größere Probleme aufweist als in den USA. Zudem sehen sie angesichts der jüngsten Hausse an den asiatischen Wert­pa­piermärkten den Aufbau einer neuen Spekulations­blase, deren Platzen zu er­heblichen Turbulenzen an den Devisenmärkten führen könnte. Aber auch Berechnungen des fairen Werts – etwa auf Basis der Handelspreise – signalisieren ein gewisses Potenzial, wird hier der Wechselkurs doch je nach Rechengrundlage auf 1,15 bis 1,30 Dollar je Euro taxiert.

Dies zeigt jedoch: Der Dollar sollte derzeit keinesfalls aus den Anlageüberlegun­gen ausgeklammert werden. Gerade in Zeiten großer Unsicherheit hat es sich stets bewährt, einen gewissen Anteil eines Portefeuilles auch in Fremdwährung anzulegen. Und hier bietet sich der US-Dollar derzeit geradezu an, nachdem andere Anlagewährungen wie etwa der Australische Dollar oder der Neuseeland-Dollar im bisherigen Jahresverlauf zum Teil mehr als 20% zugelegt haben und daher jetzt ein gewisser Korrekturbedarf besteht.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(23):16-16