Ute Jürgens
Gemeinsam ist allen Techniken das Verknüpfen vom jeweiligen Stoff mit Assoziationen. Diese können aus kleinen Geschichten, Buchstaben, mit denen man dann Worte bildet oder Spaziergängen in unserer Wohnung bestehen. Je absurder dabei die Ideen und Bilder sind, die wir uns ausdenken, desto besser behalten wir alles im Gedächtnis. Zudem hilft die ständige Wiederholung, insbesondere kurz nach dem Einprägen, dann nochmals nach 10 und 20 Minuten. Und, wie immer: Übung macht den Meister!
Einprägen entscheidet
Ob Erinnerung gelingt, entscheidet sich im Moment des Einprägens, nicht beim Abrufen. Eine „Prägetechnik“ ist die bekannte Kettenmethode: Hierbei verbinden Sie z.B. einzukaufende Dinge in einer verrückten Geschichte mit-einander. Einen anderen Weg bietet die Loci-Methode: Dabei gehen Sie im Geiste durch die Apotheke oder durch Ihre Wohnung. Die zu merkenden Dinge liegen jeweils an einem bestimmten Ort, auf der Lampe, in der Kaffeemaschine etc. Vorher legen Sie mit einer genauen Route fest, welchen Punkt Sie in welchem Zimmer aufsuchen. Dieser Weg ist immer derselbe.
Wenn Sie sich z.B. die Gliederung Ihres Vortrags über Ernährung merken möchten, können Sie sich folgenden Weg vorstellen: In der Offizin liegen Grundlagen auf der Fußmatte, Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, am besten in Form entsprechender Lebensmittel. Auf dem Bildschirm an der Kasse tanzen %-Zeichen herum: Sie möchten den Zuhörern die gesunde Mischung erläutern. Weiter geht’s in die Rezeptur, auf dem Wasserbad stehen viele Flaschen – Sie gehen im Vortrag auf das Thema Trinken ein. Ihre nächste Station beim Rundgang: die Alkoholstandgefäße – ein Wort zum täglichen Glas Wein vielleicht? Mittlerweile sind Sie am Kopierer, darauf liegt ein Fischkopf und starrt Sie aus müden Augen an: Wieso sind Omega-3-Fettsäuren so wertvoll? Auf diese Weise wandern Sie Ihre gesamte Gliederung ab. Sind Sie oft genug gewandert, fällt Ihnen im Vortrag alles in der richtigen Reihenfolge ein. Dabei gilt: je wilder der Ablageort, desto besser merkbar.
„Dreimal täglich 30 Tropfen“ merken
Wie oft nimmt man ein seit einiger Zeit sehr gängiges Erkältungsmittel ein? Der Papateufel hat drei Krallen und dreißig Haare auf der Nase: Erwachsene dreimal 30 Tropfen am Tag. Suchen Sie sich die gängigsten Arzneimittel aus und finden Sie Bilder, eigene Ideen kann man meist besser behalten als vorgegebene. Genauso können Sie auch bei Arzneimittelnamen und Inhaltsstoffen verfahren.
Namen sind mehr als Schall und Rauch
Wenn Sie krampfhaft versuchen, sich an einen Namen zu erinnern, ist das so, als ob Sie eine Tür aufmachen möchten, aber schieben, anstatt zu ziehen. Besser ist, das zu dieser Person vorhandene Wissen abzurufen: Wo sie wohnt, was häufiger verordnet wird oder andere Details – oft taucht dabei auch plötzlich der Name auf. Wenn Sie einen Namen zum ersten Mal hören oder lesen, wiederholen Sie ihn im Geiste ein paarmal, zum Beispiel während Sie zur Schublade gehen, um das Verordnete zu holen. Vielleicht fällt Ihnen eine Eselsbrücke ein. Im Gespräch nennen Sie dann mehrfach den Namen, so prägt er sich besser ein und der Kunde empfindet Ihr Verhalten zudem als besonders höflich und zugewandt. In besonders schwierigen Fällen zeichnen Sie später eine kleine Skizze mit Symbolen für typische Merkmale.
Falls Sie in der Offizin hören, wie eine Angestellte einen Kunden mit Namen anspricht, begrüßen Sie diesen ebenfalls mit Namen – entweder im Geiste oder auch laut, wenn es gerade ins Gespräch passt. Helfen Sie Neuen im Team, indem Sie deren Kunden mit Namen anreden. Damit können Sie dem jeweiligen Mitarbeiter zugleich signalisieren, dass der Kunde in der Kundendatei gespeichert ist.
Der Gedächtnisexperte Bernhard Wolff nennt einige Assoziationshilfen für Nachnamen. Bei bestimmten Namen können Sie sich die Person bildlich vorstellen. Herr Becker steht schwitzend in der Backstube mit den Händen im Brotteig, aus dem sich sein ACE-Hemmer hervorstülpt. Herr Groß stößt bei Ihnen an die Decke und kann Ihnen gerade das Rezept reichen, ohne dass er sich bücken muss. Herr Harz rodelt und Frau Zazinski isst immer Zaziki.
Eine andere Hilfe besteht darin, äußere Merkmale oder Gewohnheiten in die Assoziation einzubeziehen. Frau Bikubeit mit Brille merken Sie sich als „Blicktsoweit“ und der immer Kaugummi kauende Herr Naumann wird als „Kau Mann!“ in einer Karikatur abgespeichert – je verrückter die Idee, desto haltbarer.
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Zahlen ohne Qualen
Auch zum Merken von Zahlen gibt es viele Hilfen. Man kann Symbole wie eine Kerze für die Eins, einen Schwan für die Zwei usw. setzen und hieraus kleine Geschichten bilden. Oder man verknüpft Konsonanten mit Ziffern, durch das Einfügen von Vokalen bildet man Merksätze. Dabei ist die Zwei ein n, die Drei ein m, die Vier ein r usw. Eine PIN-Nummer 4423 wird so zu „rar an Moo(s)“. PIN-Nummern kann man sich auch gut am Weg merken, den man auf der Tastatur zurücklegt.
Bernhard Wolff gibt in seinem Buch „Denken hilft – Frische Ideen für Gedächtnis und Kreativität“ sieben „Merkwirkstoffe“ als Anleitung für starke Assoziationen an (siehe Checkliste oben). Eine Übung hierzu: Stellen Sie sich vor, Sie möchten Kunden die Aktionsthemen dieses Jahres – Heuschnupfen, Reisen mit Kindern, Fußpilz, Altershaut, Impfungen und Organspende – nennen, ohne auf die Planungsliste zu schauen. Ihre Bilder: Kunden laufen ununterbrochen niesend am HV-Tisch vorbei (Aktion). Das rhythmische Niesen treibt eine Lokomotive an (Neues), auf der Kinder klettern. Die Kinder sind nur so groß wie junge Katzen (Extreme) und blinken am linken Zeh (Effekte). Ihr inneres Bild zeigt Ihnen jetzt Pilze, die jeweils beim Blinken wachsen und schrumpfen, gleichzeitig sehen Sie noch die Lokomotive und die Offizin voller Kunden im Kopfkino (Intensität). Sie nehmen alle Geräusche und Gerüche wahr (Sinnesfülle). Ihre Kunden altern plötzlich im Zeitraffer und sind voller Runzeln. Sie stoppen ihren Lauf kurz bei Ihnen und betrachten die gigantische Impfspritze in Ihrer Hand. Bevor die Senioren die Apotheke verlassen, legen sie vibrierende Organmodelle ins Regal.
Ute Jürgens, Kommunikations-
trainerin und Einzelcoach,
KomMed, 28865 Lilienthal,
E-Mail: KomMed@freenet.de
Buchtipp
Wolff, Bernhard: Denken hilft –
Frische Ideen für Gedächtnis
und Kreativität.
Heyne, 2009, 18,- €
zu beziehen über den Deut-
schen Apotheker Verlag
(Telefon: 0711/2582 341,
Telefax: 0711/2582 290,
E-Mail: service@deutscher-apotheker-verlag.de)
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(04):11-11