Prof. Dr. Reinhard Herzog
0vv Die Argumente von Banken und Sparkassen klingen überzeugend: Professionell gemanagt, eine breite Risikostreuung und nicht zuletzt die Möglichkeit, sich auch mit kleinen Anlagebeträgen an den internationalen Kapitalmärkten zu engagieren, sind zweifellos Vorteile, die für die Fondsanlage sprechen. Doch die Realität sieht anders aus. In den vergangenen Jahren ist es den Managern deutscher Investmentfonds selten gelungen, mit der Performance ihrer Fonds die Wertentwicklung maßgeblicher Indizes zu übertreffen. Gerade in der Finanzkrise haben sich manche Fondsmanager sogar übel „verzockt“ und ihren Anlegern weitaus höhere Verluste beschert als man aufgrund der jeweiligen Meßlatte hätte erwarten können. Und dies traf längst nicht nur Aktienfonds, bei denen eine hohe Volatilität zum Alltag gehört: Um die Rendite attraktiv zu halten, haben auch Manager einiger – als sicher geltender – Geldmarktfonds in hochspekulative Papiere investiert. Im Ergebnis büßten einige Fonds zeitweise mehr als 20% ein – was als ernsthafte Krise anzusehen ist.Gutes Geld mit AktienMittlerweile hat sich die Lage wieder etwas entspannt. An der Aktienbörse waren 2009 wieder deutliche Gewinne zu erzielen, von denen auch die Fondsbranche profitieren konnte. Vergleichsweise gut gelaufen sind auch Festverzinsliche Wertpapiere, wobei Unternehmensanleihen nach dem vorangegangenen Kurssturz jetzt wieder nachhaltig zulegen konnten. Dies schlägt sich auch in der Performance der darauf spezialisierten Rentenfonds nieder, die meist deutlich zweistellige Plusraten erreichten Lediglich der Geldmarktbereich bleibt angesichts der niedrigen Zinsen weiterhin ein „Sorgenkind“ unter den Anlageprodukten und auch die entsprechenden Fonds konnten erneut keineswegs überzeugen.Doch betrachten wir die Bereiche im Einzelnen: In seiner jährlichen Performance-Übersicht weist der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) für Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland ein respektables Plus von 27,3% auf. Damit wurde – erstmals seit langem wieder – nicht nur der Deutsche Aktienindex DAX „geschlagen“, der rund 20% gewinnen konnte, sondern auch der HDAX, in dem die 110 Spitzenwerte des deutschen Marktes enthalten sind und der rund 25% zulegen konnte. Die guten Kurzfrist-Ergebnisse relativieren sich allerdings in den längerfristigen Vergleichen: In fünf Jahren errechnet der BVI ein Plus von 27,5%, während der HDAX immerhin rund 37% Zuwachs brachte. Im 10-Jahres-Rückblick lag die Fonds-Performance mit 13,1% im Minus, der Gesamtmarkt jedoch nur rund 6,0%. Wer jedoch sehr langfristig investiert ist, kann zufrieden sein: Das Kapital hat sich in 30 Jahren fast verzwölffacht, was einer jährlichen Rendite von immerhin 8,5% entspricht.Ein ähnliches Bild ergibt sich bei europäischen Aktien. Hier wurde im 12 Monaten ein durchschnittliches Plus von 29,9% erreicht, der Vergleichsindex Dow Jones Stoxx-600 brachte es indes „nur“ auf 26,9%. In allen längeren Perioden ist der Gesamtmarkt jedoch der jeweiligen Fondsperformance mehr oder minder deutlich überlegen.Dass deutsche Fondsmanager international nicht unbedingt „ein gutes Händchen“ haben, zeigt ein Blick auf die Performance der weltweit investierten Aktienfonds. Hier wurde für 2009 ein Plus von 27,3% ausgewiesen. Der Dow Jones World Stoxx Index brachte es jedoch bereits auf stolze 35%. Auch in längeren Perioden wurden die Entwicklung des Gesamtmarktes nicht erreicht: In fünf Jahren waren es beispielsweise 6,0% (Index: 9,1%), in zehn Jahren minus 33,3% (Index: minus 5,0%). Allerdings können Anleger mit einer 30-Jahre-Rendite von 7,7% auch hier zufrieden sein.Stolz präsentiert der BVI in diesem Jahr erstmals eigene Zahlen für Aktienfonds mit Schwerpunkt Osteuropa, Emerging Markets und Rohstoffe. Verwunderlich ist dies jedoch nicht, sind die Ergebnisse von plus 80,8, plus 68,3 bzw. plus 63,0% doch in der Tat beeindruckend. Gerade hier sollte jedoch kein Anleger den Fehler begehen, die Werte in die Zukunft fortschreiben zu wollen. Denn schließlich war 2009 für diese zuvor massiv eingebrochenen Papiere ein Jahr der Erholung. Jederzeit sind neuerliche Abstürze möglich und ein Blick auf die Wertentwicklung über zehn Jahre zeigt, dass auch hier „nur mit Wasser gekocht“ wird.Rentenfonds legen zuInsgesamt erfreulich war die Entwicklung bei Rentenfonds im vergangenen Jahr: Während der REX-Performance-Index 2009 lediglich rund 4,4% brachte, erzielten Rentenfonds immerhin 6,2%. Deutlich überdurchschnittlich war die Performance der – erstmals separat ausgewiesenen – Fonds für Unternehmensanleihen, die im vergangenen Jahr satte 21,5% zulegen konnten. Andererseits ist eine durchschnittliche Wertentwicklung von gerade einmal 2,0% pro Jahr (5-Jahres-Zeitraum) bzw. 2,8% pro Jahr (10-Jahres-Zeitraum) gerade angesichts der hier bestehenden Risiken keineswegs attraktiv. Hier haben die Fondsmanager zunehmend unter den niedrigen Kapitalmarktzinsen zu leiden: Solange mit Anleihen noch bis zu 6,0% Rendite zu erzielen waren, schlugen sich die Fondskosten von durchschnittlich 1,0% nur unwesentlich im Fondsergebnis nieder. Wenn jedoch die Kapitalmarktzinsen lediglich 3,0% betragen, wird allein durch die Fondsspesen bereits ein Drittel davon aufgezehrt. In den kommenden Jahren ist daher mit deutlich niedrigeren Ergebnissen zu rechnen, insbesondere, da auch Kursgewinne infolge eines Anstiegs der Kapitalmarktzinsen wegfallen.Weiterhin mager waren die Ergebnisse der Geldmarktfonds, die damit nach wie vor keine sinnvolle Alternative zu komfortablen Tages- und Festgeldanlagen darstellen. Aber auch die Performance der Offenen Immobilienfonds lag mit 2,5% deutlich unter dem Wert des Vorjahres von immerhin 4,7%. Gerade hier sehen Experten zudem die Gefahr weiterer notwendiger Preiskorrekturen, sollten sich die Gewerbeimmobilienmärkte nicht in absehbarer Zeit wieder deutlich erholen können. Ohnehin sind auch die BVI-Zahlen nicht kritiklos zu sehen: Sie eignen sich zwar für den Wertvergleich von Fonds untereinander, nicht jedoch als Spiegel für eine tatsächliche Anlage. Denn schließlich berücksichtigen sie weder den Ausgabeaufschlag noch evtl. Depot- oder Verwaltungskosten des Anlegers, die die Rendite deutlich mindern können.Anfügen am Ende statt letztem SatzOhnehin dürfen alle diese Zahlen nicht kritiklos hingenommen werden. Die regelmäßig abgedruckte Fußnote „berechnet nach der BVI-Methode“ gilt erfahrenen Investoren als Hinweis darauf, dass die Zahlen zwar durchaus für den Vergleich mehrerer Fonds untereinander geeignet sind, jedoch keineswegs dem Ergebnis einer tatsächlich in der jeweiligen Periode getätigten Geldanlage entsprechen. Denn der BVI geht bei seinen regelmäßig publizierten Informationen stets von „Idealvorstellungen“ aus. Die errechneten Zahlen berücksichtigen zwar die dem Fondsvermögen belasteten Verwaltungskosten, Transaktionsspesen und Depotgebühren, nicht jedoch den Ausgabeaufschlag und eventuelle Depotgebühren des Anlegers.Allein schon der Ausgabeaufschlag wirkt sich oftmals bereits entscheidend aus. Er beträgt bei Aktien- und offenen Immobilienfonds effektiv meist 5,26%, im Einzelfall auch bis zu 8,5%. Bei Rentenfonds berechnen die Fondsgesellschaften meist 3,0, im Einzelfall aber bis zu 5,5% Ausgabeaufschlag. Lediglich die so genannten „No-Load-Fonds“, auch als „Trading-Fonds“ vermarktet, sehen zwar keinen Ausgabeaufschlag vor. Dafür sind jedoch die laufenden Verwaltungskosten umso höher, beinhalten sie doch auch eine Vertriebsprovision für den Anbieter bzw. den Vermittler.Besonders deutlich wird die Differenz zwischen den BVI-Zahlen und den tatsächlichen Ergebnissen, wenn eine sehr kurze oder eine sehr lange Anlagedauer zugrunde gelegt wird. Bei einjähriger Laufzeit reduziert sich beispielsweise ein Wertzuwachs von 27,3% bei 5,25% Ausgabeaufschlag auf 20,94%. Kam es gar – wie 2008 – zu einem Verlust „nach BVI“ von 43,6%, hat der Anleger ein reales Minus von 46,4% erzielt. Der Fonds muss im Folgejahr um satte 86,6% zulegen, damit der Anleger allein plus/minus null abschließt. Ähnliches gilt bei besonders langen Laufzeiten: Legt man eine 20-jährige Anlagedauer zugrunde, wird ein Ertrag von beispielsweise 800% infolge des Zinseszins-Effekts allein durch den Ausgabeaufschlag auf eine reale Rendite von 750% reduziert.
Nur im Ein-Jahres-Vergleich haben Investmentfonds die jeweiligen Indizes übertroffen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(04):15-15