Prof. Dr. Reinhard Herzog
Der Bundesschatzbrief steht bei deutschen Anlegern hoch im Kurs: Rund 10 Mrd. € haben Bundesbürger in dieses Produkt aktuell investiert. Doch während die Zinsen in den vergangenen Jahren im Vergleich etwa zu Bankanlagen immer noch als attraktiv einzustufen waren, setzt der Emittent – die „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“ – momentan auf Sparkurs. Gerade einmal 0,25% werden im ersten Jahr bezahlt, auch die 1,0% im zweiten Anlagejahr sind alles andere als attraktiv. Und selbst wenn Finanzminister Schäuble den Anlegern im sechsten bzw. siebten Jahr immerhin 4,0% bewilligt, liegt die Rendite nur bei 2,16% für die sechs- bzw. bei 2,45% für die siebenjährige Tranche.
Bereits vor einigen Jahren haben die ersten Finanzdienstleister Alternativen auf den Markt gebracht, meist in der Konstruktion einer Inhaberschuldverschreibung oder eines Zertifikats. Minuspunkte dabei: Die Vertragsbedingungen waren oftmals alles andere als transparent, zudem handelte es sich bei vielen Emittenten um hierzulande eher unbekannte Adressen – was gerade in der momentanen Finanzkrise ein nicht unerhebliches Risiko darstellt.
Mit der Allianz Bank ist jetzt jedoch einer der großen Finanzdienstleister aktiv geworden: Der „Sparschatz“ zielt insbesondere auf Anleger, die ein vergleichsweise hohes Maß an Sicherheit in Verbindung mit einer marktgerechten Verzinsung suchen. Bereits der Name lässt dabei die Nähe zum staatlichen Bundesschatzbrief erkennen, jedoch gibt es auch einige Unterschiede.
Dies beginnt beim Mindestanlagebetrag von 1.000 € (Bundesschatzbrief: 52 €) und der Laufzeit von 5 Jahren (Bundesschatzbrief: 6 bzw. 7 Jahre). Der Anleger kann – wie beim Bundesschatzbrief – im ersten Jahr nicht über sein Geld verfügen. Ab dem zweiten Jahr ist eine Verfügung in unbegrenzter Höhe nach Einhalten einer dreimonatigen Kündigungsfrist
Steigende Zinsstaffel
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Verzinsung: Bereits im ersten Jahr erhält der Anleger bei der Allianz immerhin 1,5% (Zinsansammlung wie beim Bundesschatzbrief Typ B), im zweiten Jahr sind es 1,9%, im dritten Jahr 2,1%, im vierten Jahr 2,3% und im letzten Laufzeitjahr immerhin 3,3%. Allianz-Kunden, die beim Unternehmen mindestens zwei Versicherungsverträge unterhalten, bekommen einen zusätzlichen Bonus von 0,5%, sodass sich die Rendite per Endfälligkeit auf rund 2,3% bzw. 2,8% stellt.
Unser Urteil: Der Allianz Bank Sparschatz ist eine durchaus überlegenswerte Alternative zu Bundesschatzbriefen. Die vergleichsweise hohe Verzinsung zu Beginn relativiert sich jedoch durch den eher niedrigen Zins zum Laufzeitende, sodass sich das Produkt insbesondere für die vorübergehende Geldanlage auf Sicht von zwei bis maximal drei Jahren eignet, aber auch für Allianz-Versicherungskunden.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(07):16-16