Prof. Dr. Reinhard Herzog
Ob neues Auto, der Umbau des eigenen Hauses oder aber der finanziell sorglose Lebensabend – Gründe zum Sparen gibt es viele. Und gerade heute hat der Anleger die Qual der Wahl, denn zum Vermögensaufbau stehen zahlreiche Wege offen. Die Palette reicht von schlichten Tagesgeldkonten über Aktiensparpläne bis zu staatlich geförderten Riester- oder Rürup-Vorsorgeprodukten. Gemeinsam ist ihnen, dass Zins und Zinseszins auch kleine monatliche Sparbeträge zu stattlichen Summen anwachsen lassen. Voraussetzung jedoch: Die Verzinsung ist so attraktiv, dass dieser Effekt überhaupt erreicht werden kann.
Die ersten Überlegungen sollten gar nicht dem Produkt gelten. Vielmehr ist es wichtig, sich zunächst über zwei Kriterien im Klaren zu sein: die (angestrebte oder maximale) Höhe der Sparraten und die Ziele, die damit erfüllt werden sollen. Hinsichtlich der monatlichen Einzahlungen spielen psychologische Effekte eine besondere Rolle: Selbst manche Haushalte mit überdurchschnittlichen Einkünften kommen finanziell – auch ohne Sparvorgang – gerade so über die Runden. Von dem wenigen auch noch Sparraten von 50, 100 oder mehr Euro abzweigen zu wollen, erscheint auf den ersten Blick unmöglich. Doch die Erfahrung zeigt, dass meist durchaus ein gewisser Spielraum besteht. Werden die Sparraten regelmäßig zu einem festen Termin überwiesen, kommt es meist bereits nach wenigen Monaten zu einem Gewöhnungseffekt.
Die Produktauswahl sollte hingegen in erster Linie von den Zielen abhängen. Im Fall vergleichsweise kurzfristiger Pläne – etwa beim Autokauf – ist es nicht sinnvoll, dafür langfristige Sparpläne abzuschließen. Aber auch riskante Produkte etwa in Form von Aktien gilt es aufgrund der bestehenden Risiken zu vermeiden. Bei einer langfristigen Anlageperspektive hingegen sollte auch ein angemessener Aktienanteil zum Tragen kommen.
Sparschwein bringt keine Zinsen
Die zweifellos einfachste Form der Rücklagenbildung stellt das schlichte Sparschwein bzw. der heimische Tresor dar. Der Nachteil: Es gibt keine Zinsen, auch die Diebstahlrisiken sollte man nicht außer Acht lassen. Aus diesem Grund muss sich ein solcher Sparvorgang auf Kleinstbeträge beschränken. Wer z.B. regelmäßig kleine Münzen aus seiner Geldbörse in ein Sparschwein wirft, kann sich nach einiger Zeit über einen stattlichen Betrag freuen.
Für alle größeren Summen stellen Spar- bzw. Tagesgeldkonten die bessere Lösung dar. Hier ist die Verzinsung momentan zwar extrem gering, jedoch besteht zumindest ein gewisser Verhandlungsspielraum. Zudem ist man flexibel: Angelegte Beträge können meist kurzfristig abgehoben werden, sodass sie nahezu ebenso liquide sind wie Bargeld. Hier bieten sich dann nach dem Ansammeln einiger tausend Euro Umschichtungen etwa in festverzinsliche Wertpapiere an.
Flexibilität geht zulasten der Rendite
Andererseits ist gerade die Flexibilität der „Feind“ jedes auf Dauer angelegten Sparvorgangs. Herrscht im Geldbeutel gerade Ebbe, wird eben das Tagesgeldkonto angezapft. Allein schon aus psychologischen Gründen ist daher eine gewisse Bindung zu befürworten. Dies gilt etwa bei Banksparplänen: Grundsätzlich hat der Anleger hier zwar meist die Möglichkeit, schnell über sein Geld zu verfügen. Marktgerechte Erträge gibt es jedoch nur bei einer entsprechend längerfristigen Bindung. Die Konstruktion der meisten Banksparpläne basiert auf einem Sparkonto mit Bonuszahlung: Das angelegte Geld wird mit einem variablen Prozentsatz verzinst, hinzu kommt für jedes abgeschlossene Laufzeitjahr ein festgelegter Bonus. Entscheidend dabei ist die Gesamtrendite, die sich in einer Größenordnung bewegen sollte, die maximal 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte unter der Rendite vergleichbarer Anleihen liegt.
Höhere Erträge lassen sich mit langfristig angelegten Sparplänen erzielen, unter denen insbesondere das Investmentsparen heute eine wichtige Rolle spielt. Hier überweist der Anleger Monat für Monat einen festgelegten Betrag auf ein Investment-Ansparkonto. Die Fondsgesellschaft rechnet diesen Betrag in Anteile und Anteilsbruchstücke um und schreibt sie dem Fondskonto gut. Ausschüttungen des Fonds werden ebenfalls sofort wieder angelegt. Welchen Fonds der Sparer wählt, richtet sich in erster Linie nach den persönlichen Zielen und der Risikobereitschaft. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt beispielsweise Renten- oder Immobilienfonds, wer einen gewissen „Risikokick“ sucht, entscheidet sich für einen Aktienfonds. Aber auch Mischformen sind jederzeit möglich. Dabei fließen die Sparsummen in verschiedene Fonds, sodass sich Risikostreuung und Renditeorientierung optimieren lassen. In der Regel bieten Fondssparpläne zwar keine Kapitalgarantie, aber ein hohes Maß an Flexibilität, d.h., Sparraten können jederzeit ausgesetzt oder geändert werden, auch kurzfristige Verfügungen sind möglich.
Kosten berücksichtigen
Der große Nachteil liegt in den vergleichsweise hohen Kosten und dem vielfach nicht gerade professionellen Management mancher Fonds. Als Alternative kommen daher die inzwischen ebenfalls angebotenen Sparpläne auf Indexzertifikate bzw. Exchange Traded Funds (ETF) oder auch Aktien in Betracht. Von Vorteil sind insbesondere die oftmals geringeren Kosten für hohe Sparraten. Nachteilig ist jedoch, dass sich der Anleger selbst für ein einzelnes Produkt entscheiden muss und letztlich auch davon abhängig ist. Im Übrigen kann etwa mit einem Indexpapier – im Gegensatz zu einem aktiv gemanagten Aktienfonds – keine Mehrrendite gegenüber einem Index erwartet werden. Auch wer monatlich nur z.B. 25 € oder 50 € sparen kann, ist bei einem „klassischen“ Fonds hinsichtlich der Kosten oft besser aufgehoben.
Bausparen und Versicherungen
Direkt auf Langfristigkeit sind weitere Sparformen angelegt, etwa der Bausparvertrag. Das ursprüngliche Ziel dieser Anlageform war zwar, dass der Sparer zunächst einen angemessenen Betrag zu vergleichsweise niedrigen Zinsen anspart und damit das Recht auf ein zinsgünstiges Baudarlehen erhält. Mittlerweile gibt es jedoch eine große Vielfalt von Vertragsvarianten, die oftmals allein auf das Erzielen zuverlässiger Erträge ausgerichtet sind und bei denen manchmal – z.B. durch Vertragsabschluss auf die Kinder – auch noch Prämienvorteile gesichert werden können. Ob man den Anspruch auf günstiges Baugeld nutzt, kommt auf die eigene Situation und die aktuelle Lage an den Kapitalmärkten an.
Speziell für die Absicherung im Alter konzipiert und nach wie vor beliebt sind schließlich die Kapitallebensversicherung und die private Rentenversicherung. Beide basieren auf regelmäßigen Einzahlungen in der Ansparphase. Während jedoch die Lebensversicherung entweder dann in einer Summe zur Auszahlung kommt, wenn der Versicherte innerhalb der Ansparphase stirbt oder wenn die Police fällig wird, ist bei der Rentenversicherung eine meist lebenslange Leibrente vorgesehen. Alternativ ist aber auch hier eine Kapitalzahlung möglich. In beiden Fällen bieten die Policen bei entsprechender Gestaltung steuerliche Vorteile. Vorzeitige Verfügungen sind zwar auch hier generell möglich, jedoch mit erheblichen finanziellen Nachteilen verbunden. Daher sollte gerade bei solchen Policen – die auch in Verbindung z.B. mit der Riester- oder Rürup-Förderung angeboten werden – sorgfältig geplant werden, eine „Überversicherung“ ist wenig sinnvoll.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(09):14-14