Holz-Investments

Renditeversprechen aus dem Regenwald


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Nachhaltige, ökologisch korrekte Geldanlagen stehen in Deutschland derzeit hoch im Kurs. Doch die Risiken sind nicht zu unterschätzen: Für die gerade besonders populären Holz-Fonds gibt es weder Erfahrungswerte noch tragfähige Garantien.

Das Angebot klingt verlockend: Eine Woche Costa Rica zum Sonderpreis, Besichtigung ökologisch geführter Be­triebe jenseits der touristisch ausgetretenen Pfade und nicht zuletzt eine Geldanlage, die bis zu 12% Ertrag abwerfen soll – und dies Jahr für Jahr bis 2031. Die Offerte stammt von einer Fondsgesellschaft, die sich auf Investitionen in die Aufforstung des mittelamerikanischen Regenwalds spezialisiert hat. Mit dem Geld der Anleger sollen entsprechende Grundstücke erworben und zu jeweils 50% mit Teakbäumen und Mischwald bepflanzt werden. Nach etwa 20 Jahren – in den Tropen wächst Holz weitaus schneller als in Mitteleu­ropa – ist die Ernte geplant, der Fonds wird aufgelöst und der Anleger erhält sein Geld zuzüglich des erwarteten Ertrags von einigen hundert Prozenten zurück.

Garantiert nachhaltig

Die Argumente klingen durchaus plausibel: In den vergange­nen Jahren hat sich der Holzmarkt als weitgehend stabil erwiesen, selbst wenn es zwischenzeitlich immer wieder einmal z.B. wegen eines Orkans zu einem massiven, jedoch stets nur kurz­zeitigen Preisverfall kam. Die Plantagen sind umfassend versichert, zudem sollen Zertifikate wie PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) oder FSC (Forest Stewardship Council) garantieren, dass die Grundsätze der Nachhaltigkeit befolgt werden. Denn wie jede ande­‑ re Plantagenbewirtschaftung birgt auch der „Holzanbau“ die Gefahr, dass er die Artenvielfalt verdrängt oder den Grundwasserspiegel belastet – was bei Objekten mit Zertifikaten nicht der Fall sein soll. Bedenken, dass das Investment gerade zu einer Zeit mit tiefen Holzpreisen ausläuft, werden mit dem Hinweis auf eine mögliche Laufzeitverlängerung zerstreut.

Hohe Risiken

Weniger gern wird allerdings über die Risiken einer solchen Geldanlage gesprochen. Unwetter können die Wälder vernichten, Schädlinge die Bäume befallen und Versicherun­gen die Leistung verweigern. Möglicherweise führt der Klimawandel dazu, dass die Bäume nicht in der erwarte­ten Form wachsen. Aber auch politische Risiken sind zu beachten: Mittelamerika ist zwar dem unsicheren Status der 1970er-Jahre entwachsen, plötzliche Enteignungen z.B. in Verbindung mit einem Staatsbankrott sind dennoch nicht auszuschließen.

Aber auch die Renditeprognosen gilt es zu hinterfragen: Niemand hätte z.B. vor 25 Jahren damit gerechnet, dass zwar die Lebenshaltungskosten in Deutschland deutlich steigen, viele Grundnahrungsmittel, z.B. Milch, davon jedoch ausgeschlossen sind. Auch beim Holz ist daher nicht zwingend mit Preissteigerungen zu rechnen, darüber hinaus bestehen Währungsrisiken. Nicht zuletzt hat es der Anleger im Regelfall mit einer ausländischen Fondsgesellschaft zu tun, deren Bonität er praktisch nicht einschätzen kann.

Wesentlich flexibler und – vor allem – sicherer sind dage­gen Alternativen wie Zertifikate auf den World Timber Total Return Index. Diese haben sich zwar nicht der Nachhaltigkeit verschrieben, können dafür aber jederzeit wieder verkauft werden. Hier sind beispielsweise die Papiere der Société Générale (ISIN: DE000SG0TBX1) oder der DWS (ISIN: DE000DWS0H49) zu nennen. Daneben bieten sich Aktien von holzverarbeitenden Firmen wie Pfleiderer oder Rayonier an. Und nicht zuletzt ist es eine Überlegung wert, den eigenen Kindern – wie früher durchaus üb­lich – ein Stück Wald zu kaufen, das zur Altersversorgung beitragen könnte.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(10):13-13