Prof. Dr. Uwe May
Die nachfolgenden Marktdaten von IMS HEALTH stellen die Entwicklung des Arzneimittelmarktes in Deutschland von Januar bis März 2010 dar. Die Umsatzdaten beziehen sich auf Endverbraucherpreise und beruhen ebenso wie die Mengenangaben auf Apothekenabverkäufen. Aufgrund der gestiegenen Bedeutung des Versandhandels weist IMS Health die Daten nun unter Einbeziehung des deutschen Versandhandels aus.
Rx-Sektor: weniger Packungen, mehr Umsatz
Die Anzahl der im ersten Quartal 2010 abgegebenen Packungen rezeptpflichtiger Arzneimittel war mit 173,0 Millionen Einheiten um 3,3% geringer als im Vorjahreszeitraum. Der mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in der Apotheke erzielte Umsatz belief sich auf 8,220 Mrd. € und lag um 3,5% über dem Vorjahreszeitraum. Das Umsatzwachstum hat sich damit gegenüber dem Jahresverlauf 2009 (+2%) etwas beschleunigt.
Der Umsatz und die Zahl der auf klassischem Apothekenweg abgegebenen verordneten rezeptfreien Arzneimittel haben sich mit knapp –10% bzw. knapp –15% in drastischer Weise zurückentwickelt. So belief sich die Menge der verordneten rezeptfreien Arzneimittel auf 35,4 Millionen Einheiten im Wert von 344 Mio. €.
Einen ebenfalls deutlichen Einbruch verzeichnete die Selbstmedikation in der Apotheke. Auf Basis eines gut 7%igen Mengenrückgangs kam es zu einem Umsatzrückgang von knapp 5%. Die 165,3 Millionen Packungen rezeptfreier Arzneimittel hatten einen Umsatzwert von 1,248 Mrd. €. Mit 18,5 Millionen verkauften Einhei- ten wurde bereits mehr als jedes zehnte OTC-Präparat auf dem Wege des Versandhandels abgegeben. Insbesondere im Vergleich zu der Entwicklung in der „Vor-Ort-Apotheke“ stellt sich der Mengenzuwachs im OTC-Versandhandel mit +23,7% als dramatisch dar. Die Umsätze im Versandhandel lagen mit 175 Mio. € um 12,4% über dem Vorjahreszeitraum.
Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) sieht die zunehmende Abwanderung der OTC-Produkte aus dem Einflussbereich und der persönlichen Beratung der Apotheken kritisch. Nach Ansicht des BAH trägt der Verlust der persönlichen Beratungsmöglichkeit und die Abkehr von der „Vor-Ort-Apotheke“ der Tendenz nach zu einer Bagatellisierung der OTC-Arzneimittel bei und ist aus Gründen des Verbraucherschutzes nicht wünschenswert.
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Dr. Uwe May, Bundesverband
der Arzneimittel-Hersteller
e.V. (BAH), Abt. Gesundheits-
ökonomie/Grundsatzfragen
Selbstmedikation, 53173 Bonn,
E-Mail: May@bah-bonn.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(10):8-8