Claudia Mittmeyer
Zunächst brauchen wir wei-terhin Geschlossenheit innerhalb des Berufsstandes, um unsere Interessen auch künftig mit einer Stimme zu vertreten. Mein Ziel ist es, dabei alle Apotheker gleichermaßen mit einzubinden, egal ob sie in der öffentlichen Apotheke oder im Krankenhaus arbeiten, in der Forschung in Industrie oder Universität beschäftigt oder bei der Bundeswehr als Apotheker tätig sind.
Hinsichtlich der Arzneimittelversorgung setze ich auch in Zukunft auf die von freiberuflichen Apothekerinnen und Apothekern geführte Apotheke. Meine Auffassung wurde ja auch im Mai 2009 vom Europäischen Gerichtshof eindrucksvoll bestätigt. Und das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner jüngsten Entscheidung zur Abgabe von Arzneimitteln über Apothekenterminals ebenfalls die persönliche Verantwortung des freiberuflichen Apothekers wieder betont.
Unabhängige und persönliche Beratung und Information sind bei der Abgabe von Medikamenten kein Selbstzweck, sie dienen nicht dem Bestandsschutz einer Berufsgruppe. Sie dienen dem Patientenschutz! Für diese Überzeugung werde ich im Berufsstand werben und mich bei der Politik einsetzen. Denn nur eine in heilberuflicher Verantwortung geführte Apotheke ist in der Lage, die Herausforderungen, die der demografische Wandel in Zukunft an die Arzneimittelversorgung stellen wird, menschlich und trotzdem ökonomisch sinnvoll zu bewältigen.
Mit Blick nach Berlin möchte ich unterstreichen, dass der Qualitätsanspruch in der Apotheke auch weiterhin erhalten bleiben muss – zum Schutz unserer Patienten. Ob durch QMS, Fort- oder Weiterbildung, wir Apotheker sind gerne bereit, unseren bereits hohen Standard noch weiter zu verbessern. Allerdings müssen dafür auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden! Die Politik kann nicht fortwährend die Qualitätsforderungen nach oben schrauben und gleichzeitig bei den Apothekern als Leistungserbringern einsparen – sei es über den Kassenabschlag oder indirekt über die Absenkung der Großhandelsspanne. Wenn wir unsere Verantwortung weiterhin so ernst nehmen sollen, müssen wir auch wirtschaftlichen Handlungsspielraum haben.
Ähnliches gilt beim Thema Versandhandel: Für uns Apotheker ist die Beratung zum Arzneimittel eine zentrale Aufgabe, die wir gerne erfüllen. Um aber einen fairen Wettbewerb zu garantieren, müssen alle Marktteilnehmer von der gleichen Ausgangsposition starten. Das bedeutet, dass für öffentliche Apotheken und andere Vertriebswege gleiche Anforderungsprofile gegeben sein müssen. Die Politik muss hier langfristige Rahmenbedingungen schaffen und klare, verlässliche Aussagen treffen!
Hier setze ich auf die Vorteile der Apotheke vor Ort: Unsere Präsenz in der Fläche ist ebenso entscheidend wie die sofortige Lieferfähigkeit. In der öffentlichen Apotheke erhält der Kunde die meisten seiner Medikamente sofort. Das ist im Wettbewerb mit Versandapotheken oder Pick-up-Modellen ein bedeutender Pluspunkt für uns.
Das wichtigste Argument für mich ist jedoch die ehrliche, unabhängige, qualitativ hochwertige Beratung und Betreuung der Patienten und Kunden durch die Apotheke vor Ort. Meine Erfahrung ist, dass Kunden sehr wohl merken, ob eine Beratung ihrem Wohl oder lediglich kommerziellen Interessen dient. Und auch das Abraten von nicht geeigneten OTC-Präparaten oder sogenannten „Wundermitteln“ wird in den meisten Fällen honoriert und trägt zur Kundenbindung bei. Hierbei spielt natürlich auch die Qualität der Beratung eine zentrale Rolle. Nur durch ein breites Angebot an Fort- und Weiterbildungsseminaren sowie durch seriöse Qualitätsmanagementprogramme können wir die Grundlage schaffen, um die bereits hohe Qualität in unseren Apotheken noch weiter zu steigern. In Bayern sind wir mit über 400 Veranstaltungen pro Jahr und weit über 20.000 Fortbildungsteilnehmern in diesem Punkt gut aufgestellt.
Im reinen Preiswettbewerb werden die Apotheken vor Ort gegen Versandapothe- ken auf Dauer nicht bestehen können. Ich befürchte zudem, dass durch die im Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) vorgeschlagene Kürzung der Großhandelsvergütung die öffentlichen Apotheken noch einmal zusätzlich im Wettbewerb gegenüber Versandapotheken benachteiligt werden. Unser Schwerpunkt muss deshalb ein anderer sein – ich setze ganz klar auf hohe Qualität und patientenindividuelle Betreuung.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(14):3-3