Kfz-Versicherung

Rabatte für den Nachwuchs


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Die Versicherungen sind Führerscheinneulingen, die eine Police für ihr Auto abschließen wollen, wenig gewogen: Bis zu 260% der Basisprämie werden für die Absicherung des fahrbaren Untersatzes verlangt. Mit elterlicher Hilfe wird es jedoch billiger.

Zwischen den deutschen Kfz-Versicherern ist in den vergangenen Jahren eine Rabattschlacht entbrannt: Spielten früher allein die Basisprämie und der Schadensfreiheitsrabatt eine Rolle bei der Höhe des jährlichen Beitrags, so wird jetzt mit Rabatten für Frauen, Wenigfahrer, Garagen­parker und vielen anderen „Spezialitäten“ um Kunden geworben. Ein Schattendasein führen hingegen die Fahranfänger: Einstmals noch als „interessante Neukunden mit Potenzial“ bei der Assekuranz beliebt, werden sie heute oft mit weit überhöhten Prämien abgeschreckt. Fälle, in denen die Police für den Pkw des Nachwuchses das Zehnfache der Versicherungsprämie der Eltern kosten sollte, sind keine Seltenheit. Auch von Eltern, deren Kinder den Familien­wagen fahren wollen, wird inzwischen meist ein Zusatzbeitrag verlangt. Der Grund liegt in der hohen Schadenshäufigkeit, die weit über dem Durchschnitt aller Versicherungsnehmer liegt.

Doch es geht auch preiswerter. Zu den bekanntesten Lösun­gen zählt die Zweitwagenregelung: Hier wird das Fahrzeug des Kindes als Zweitwagen der Eltern angemeldet. Dies hat meist eine Versicherungseinstufung in der Schadensfreiheitsklasse 1/2 zur Folge, die je nach Gesellschaft zwischen 100% und 140% der Ba­sisversicherungsprämie kostet. Einige Gesellschaften bieten sogar eine Einstufung in die Prämienklasse des Erst­wagens an. Wenn man nach einigen Jahren der Versicherung erklärt, dass der Zweitwagen überwiegend von Sohn bzw. Tochter genutzt wurde, kann der dann aufgebaute Rabatt übernommen werden – allerdings maximal für den Zeitraum, in dem der Nachwuchs selbst einen Führerschein hatte. Eine interessante Alterna­tive kann der „Elternbonus“ sein. Wird das Fahrzeug des Kindes bei derselben Ver­sicherung angemeldet wie das der Eltern, winken oft erhebliche Preisnachlässe.

Training reduziert die Prämie

Da die Versicherungen in erster Linie daran interessiert sind, dass versicherte Fahr­anfänger keine teuren Unfälle verursachen, wird eine entsprechende Vorsorge meist gut honoriert. Rabatte lassen sich z.B. erzielen, wenn ein Fahranfänger ein Sicherheitstraining absolviert. Erhebliche Nachlässe werden auch Führerscheinneulingen gewährt, die am Modell des „Begleiteten Fahrens mit 17“ teilgenommen haben, ist hier doch die Schadenswahrschein­lichkeit – statistisch nachgewiesen – deutlich geringer.

Eine wichtige Rolle kann daneben der Zeitpunkt der Fahr­zeuganmeldung spielen: Erfolgt der Abschluss der Ver­sicherung im ersten Halbjahr, wird der Vertrag bereits ab dem nächsten Jahreswechsel in den nächstgünstigeren Tarif eingestuft. Wird die Police jedoch erst im zweiten Halbjahr aktiviert, dann erfolgt die Herabstufung erst zum übernächsten Jahreswechsel.

Sparen lässt sich auch mit der Fahrzeugwahl: PS-starke Renommiermarken sind in der Teil- bzw. Vollkaskoversicherung deutlich teurer als typi­sche Stadtautos. Ohnehin sollte überlegt werden, welche Versicherung neben der reinen Haftpflichtpolice überhaupt erforderlich ist. Ältere, billige Autos benötigen kaum noch einen Vollkaskoschutz, hingegen erscheint er bei teu­reren Wagen nahezu unverzichtbar. Ähnlich im Teilkaskobereich, der u.a. Diebstahlschäden abdeckt: Da billige Fahrzeuge ab einem bestimmten Alter kaum noch gestohlen werden und auch ein Hagelschaden verkraftet werden dürfte, ist der Versicherungsschutz oftmals verzichtbar.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(21):16-16