Klaus Hölzel
Der Jahreswechsel eignet sich zur Inventur – nicht nur bei der Geschäftsbilanz, sondern auch in Bezug auf eigene Gewohnheiten im Beruf oder Privatleben. Manche Gewohnheiten erweisen sich als lästig oder ungesund oder sie lassen uns in einer öden Routine erstarren. Andere Gewohnheiten grenzen uns ein und verhindern eine Weiterentwicklung unserer Person. Also fassen wir wieder einmal gute Vorsätze: Wir wollen eine oder mehrere Gewohnheiten „aussortieren“ getreu dem Motto „Ab 2011 werde ich ...“.
Der halbautomatische Alltag
Doch es gibt kaum etwas Schwierigeres, als Gewohnheiten abzulegen. Sie sind in der Regel nützliche Verhaltensweisen, die uns das Leben leichter machen: Sie entlasten uns vom permanenten Entscheidungszwang, sie geben uns Sicherheit und machen uns für andere berechenbar. Bis zu 90% unseres Alltags laufen halbautomatisch ab.
Einige Beispiele für gute Vorsätze: Der Apothekenleiter nimmt sich für 2011 fest vor, wenigstens einen freien Tag pro Woche zu realisieren. Die HV-Mitarbeiterin will 2011 endlich mehr für Fortbildung und Kommunikation tun, um den stagnierenden Korbumsatz zu verbessern. Und die PTA möchte 2011 endlich einmal vier Wochen Urlaub am Stück nehmen. Nach der Erfahrung früherer Jahre wird keiner sein Ziel zu 100 Prozent erreichen – manche kommen sogar keinen einzigen Schritt weiter. Selbstveränderung ist schwieriger, als die meisten Menschen glauben. Sie ist selbst dann schwer, wenn es um Leben und Tod geht: 90 Prozent aller Herzinfarktpatienten schaffen es nicht, ihren Lebensstil dauerhaft zu verändern, um länger und gesünder zu leben.
Voraussetzung: Langsam ändern
Soll der freie Tag für den Chef Realität werden, bedeutet das Willen, Energie und Durchhaltevermögen. Das ist ganz ähnlich wie beim Wunsch nach zehn Kilo weniger Gewicht. Gehirnforscher meinen, es würde viele Monate dauern, um einen neuen „Gewohnheitspfad“ im Kopf zu etablieren. Abnehmen in zehn Tagen bringt also keinen Erfolg.
Die Ursachen für eine misslungene Verhaltensänderung sind vielfältig: Zuallererst fehlt es an Selbstdisziplin. Sie wird vom Willen gesteuert – und dieser lässt eben immer wieder einmal nach. Wie schafft es der Apothekenleiter dennoch, sich 2011 einen freien Tag pro Woche zu nehmen? „Selbstveränderung ist möglich. Wir brauchen dazu Wissen und Mut. Zunächst gilt es zu lernen, nach welchen Mechanismen unser Denken, Fühlen und Handeln funktioniert. Und wir brauchen Entschlossenheit, uns neu zu erfinden“, so der Emotionsforscher und Pädagoge Rolf Arnold.
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Zum Motivationskern vorstoßen
Je besser sich ein guter Vorsatz mit einem eigenen, tiefer verankerten Wunsch deckt, desto lohnender ist es, um seine Verwirklichung zu kämpfen. Der freie Tag sollte dem tiefen Bedürfnis nach Entspannung und Beschäftigung mit der Familie entspringen und nicht dem Neid auf Kollegen, die schon immer einen Tag zu Hause bleiben. Der Kontrollverlust („Ich bin nicht in der Apotheke“) darf ebenfalls kein Hindernis beim Wunsch nach einem freien Tag werden. Auch muss die Bereitschaft vorhanden sein, Verantwortung zu delegieren. Das wiederum setzt voraus, dass es im Team genügend Personen gibt, die diese Verantwortung auch übernehmen können und vor allem wollen. Ein Indikator mangelnder Bereitschaft, größere Aufgaben zu übernehmen, ist etwa die Tatsache, dass sich oft kein Filialleiter aus dem eigenen Team finden lässt.
Vier Schritte helfen, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen.
Schritt 1: Vorfreude
Auf welchen Wegen gelingt es, Vorsätze zu realisieren? Erfolgversprechender als das Betonen von Verboten ist die Vorfreude auf die positiven Seiten des Vorsatzes. „Wenn ich die nächsten Tage alles richtig organisiere, kann ich mich am Freitag ganz der Familie widmen“, formuliert es der Apothekenleiter.
Schritt 2: Einfachheit
Es ist wichtig, das Programm der Selbstveränderung zunächst auf nur ein Ziel und auf überschaubare, einfache erste Schritte zu begrenzen – und diese ständig zu wiederholen, um möglichst schnell eine neue Routine zu bekommen. Für den Apothekenleiter heißt das: „Das Jahr 2011 wird eines sein, in dem ich kontinuierlich einen freien Tag haben werde.“ Schritt 2 kann ruhig in Etappen zurückgelegt werden, weil es nicht jede Woche klappt, einen Tag ganz wegzubleiben. Aber man wiederholt das Vorhaben so oft, bis das Ziel erreicht ist. Das entspricht dem „Kaizen“, der japanischen Strategie der regelmäßigen, täglichen kleinen Verbesserungen. Und „Kaizen“ verschafft sofort Erfolgserlebnisse. Das Selbstvertrauen wächst und damit die Zuversicht, den „ganzen Weg“ gehen zu können.
Schritt 3: Kein Grübeln
Sollte das Ziel der Veränderung wieder einmal nicht erreicht sein, bringt die endlose Analyse der Gründe nicht viel weiter. Man muss dann möglichst schnell vom „Warum“ auf das „Was wäre maximal möglich“ umschalten. Konkret heißt das für den Chef: lieber einen halben Tag frei als endloses Grübeln und Diskutieren, warum es nicht der ganze Tag geworden ist.
Schritt 4: Nicht aufschieben
Der Vorsatz ist gefasst, eigentlich könnte es nun losgehen. Aber heute passt es gerade nicht. Morgen! Oder besser nächste Woche. Sobald ich den Kopf wieder frei habe, bestimmt! „Aufschieberitis“ heißt der Todfeind aller guten Vorsätze. Um sie zu überwinden, muss das emotionale Gehirn „umgepolt“ werden. Denn wenn es endlich losgehen soll, flüstert es uns zu: „Diese Woche darfst Du keinesfalls fehlen, weil wichtige Gespräche anstehen und eine PTA Urlaub macht.“
Gegen die vernünftigen Pläne und Entschlüsse mobilisiert das limbische System Bilder von Nachteilen und Risiken. Um also gute Vorsätze in die Tat umzusetzen, müssen wir das Neue „positiv aufladen“, es kompatibel mit vorhandenen Erfahrungen machen. „Die Abwesenheit im Urlaub war doch auch kein Problem in der Apotheke. Da wird es doch einmal pro Woche ebenfalls funktionieren“, sagt sich der Apothekenleiter.
Dipl.-Volkswirt Klaus Hölzel,
Apotheken Management-
Institut GmbH, 65375 Oestrich-Winkel,
E-Mail: sekretariat@apothekenzukunft.de
Buchtipps
Ludwig Wiesenbauer: Wir schaffen das! – Veränderungen erfolgreich in Gang setzen, Beltz, 2009, 29,95 €
Rolf Arnold: Seit wann haben Sie das? – Grundlinien eines Emotionalen Konstruktivismus, Carl-Auer-Systeme, 2009, 24,95 € Peter Sloterdijk: Du mußt dein Leben ändern, Suhrkamp, 2009, 24,80 €
alle zu beziehen über den Deutschen Apotheker Verlag (Telefon: 0711/2582 341, Telefax: 0711/2582 290, E-Mail: service@deutscher-apotheker-verlag.de)
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(23):8-8