Prof. Dr. Reinhard Herzog

Das Unternehmen
Gegründet wurde die Deutsche Bank im Jahr 1870 in Berlin. Im Zuge der Industrialisierung verzeichnete das Institut ein schnelles Wachstum. Schon früh begann die Deutsche Bank mit dem Aufbau eines Beteiligungsportefeuilles. 1883 erwarb das Unternehmen Anteile an der Northern Pacific Railroad Company, 1887 an der AEG und 1888 erhielt das Institut eine Konzession für Bau und Betrieb der Anatolischen Eisenbahn in der Türkei. 1916 übernahm die Bank Anteile an der Deutschen Ozean-Reederei und der Eisenbahngesellschaft Mitropa. Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurde die Deutsche Bank in zehn regionale Teilinstitute zerschlagen, aus denen 1952 die drei Aktiengesellschaften Norddeutsche Bank, Rheinisch-Westfälische Bank und Süddeutsche Bank hervorgingen. 1957 konnten diese Teilinstitute wieder zur Deutschen Bank AG zusammengefasst werden. Es folgten zahlreiche weitere Übernahmen im In- und Ausland, etwa der britischen Morgan Grenfell Group 1989 oder des belgischen Crédit Lyonnais 1998. Im Jahr 2006 wur- den die Berliner Bank und die norisbank übernommen. Seit 2009 kooperiert die Deutsche Bank mit der Postbank, hier wurde die Beteiligung mittlerweile auf über 50% aufgestockt und den Postbank-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet, finanziert durch eine massive Kapitalerhöhung von über 10 Mrd. €.
Die Geschäftstätigkeit der Deutschen Bank gliedert sich in mehrere Sparten: „Private & Business Clients“ richtet sich vornehmlich an vermögende Privatkunden sowie kleinere und mittlere Unternehmen, „Private Wealth Management“ an vermögende Privatkunden und Familien sowie ausgewählte Institutionen. „Asset Management“ befasst sich mit der Fondsverwaltung, „Global Markets“ mit Handels- und Analyseaktivitäten sowie „Global Banking“ mit Unternehmensübernahmen und internationalen Finanzierungen. Von über 80.000 Mitarbeitern und fast 2.000 Niederlassungen in 72 Ländern werden sämtliche Finanzdienstleistungen angeboten.
Fundamentale Daten
Nach einem schwachen Jahr 2008 konnte die Deutsche Bank 2009 bereits wieder einen Jahresüberschuss von 5,0 Mrd. € erwirtschaften (Vorjahr -3,9 Mrd. €). Vor Steuern verdiente das Institut 5,2 Mrd. € (-5,7 Mrd. €) und das Ergebnis je Aktie verbesserte sich von minus 6,94 € auf plus 6,93 €. Während der Zinsüberschuss mit 12,5 Mrd. € nahezu auf Vorjahresniveau verharrte und die Risikovorsorge von 1,1 Mrd. € auf 2,6 Mrd. € erhöht werden musste, verbesserte sich das Ergebnis aus Vermögenswerten von minus 10,0 Mrd. € auf plus 7,1 Mrd. €. Die Aufwendungen stiegen von 18,3 Mrd. € auf 20,1 Mrd. €, wobei insbesondere ein wieder deutlich höherer Personalaufwand ausgewiesen wurde.
Im Jahr 2010 wurde eine solide Fortentwicklung verzeichnet. Im 3. Quartal konnte das Insti-tut einen Gewinn nach Steuern von 1,1 Mrd. € ausweisen. Daneben ist allerdings eine Belastung von 2,3 Mrd. € für den Postbank-Anteil zu berücksichtigen, sodass der Quartalsverlust nach Steuern bei 1,2 Mrd. € lag – und damit nur leicht über den Erwartungen der Analysten. In den ersten neun Monaten 2010 erwirtschaftete die Bank ohne Berücksichtigung der PostbankBelastungen einen Gewinn nach Steuern von 4,1 Mrd. € nach 3,6 Mrd. € im Vorjahreszeitraum. Bezieht man die Postbank-Beteiligung ein, lag der Nach-Steuer-Gewinn bei 1,7 Mrd. €. Vor Steuern verdiente das Institut 5,6 Mrd. € nach 4,4 Mrd. €.
Analysten bewerten die jüngste Entwicklung durchweg positiv, wobei die Kursziele zwischen 47 € und knapp 60 € je Aktie liegen. Große Hoffnun-gen werden insbesondere in das Effizienzprogramm des Instituts gesetzt, das den Vorsteuergewinn 2011 um 500 Mio. € steigern soll. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob die Deutsche Bank die Postbank sinnvoll eingliedern und vom neuen Kundenpotenzial profitieren kann. Denn schließlich hat die Deutsche Bank mit der Ausgliederung des Privatkundengeschäfts im Jahr 1995 (Bank 24) gezeigt, dass auch hoch bezahlte Manager vor Fehlentscheidun-gen nicht geschützt sind.
Charttechnische Daten
In den Jahren 2003 bis 2007 entwickelte sich die Deutsche Bank-Aktie besser als der Gesamtmarkt und im Mai 2007 wurde mit – bereinigt – über 107 € ein Allzeit-Höchststand erreicht. Bedingt durch die Finanzkrise, die auch der Deutschen Bank schwer zu schaffen machte, stürzte der Kurs dann jedoch auf nur noch rund 15 € ab. Relativ schnell kam es aber zu einer Erholung auf zunächst mehr als 30 € und nach zeitweiligen Schwankungen hat sich mittlerweile im Bereich knapp unter 40 € ein Boden herausgebildet. Aus charttechnischer Sicht besteht entsprechendes Steigerungspotenzial, wenn dieser Boden gehalten werden kann und es der Aktie zudem gelingt, sich wieder über den Gleitenden 200-Tage-Durchschnitt zu verbessern.
Gesamtmarkttrend
Der deutsche Aktienmarkt präsentierte sich in den vergangenen Monaten in einer ausgesprochen stabilen Verfassung. Ausschlaggebend hierfür waren insbesondere die unerwartet starke Konjunkturerholung und die kräftigen Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen. Zwar notiert der Deutsche Aktienindex derzeit am oberen Bereich des Aufwärtstrendkanals, sodass eine temporäre Reaktion nicht auszuschließen ist, dennoch besteht gutes Potenzial für einen neuen Anlauf in Richtung früherer Höchstkurse.
Fazit
Die Deutsche Bank-Aktie kann als solides Basisinvestment im Finanzwertebereich gesehen werden, wobei derzeit ein gewisses Nachholpotenzial erkennbar ist.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(24):13-13