Prof. Dr. Reinhard Herzog
Die sinkende Arbeitslosenquote begünstigt die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien. Dieses Fazit zieht der Immobilienverband Deutschland (IVD) anlässlich der Vorstellung seines Gewerbepreisspiegels, dem die Daten für das zweite und dritte Quartal 2010 aus 360 Städten zugrunde liegen.
Mietanstiege verzeichnet der IVD vor allem bei Büros mit einfachem Nutzungswert in Geschäftsrandlage. Hier zog der durchschnittliche Quadratmeterpreis gegenüber dem Vorjahr von 4,44 € auf 4,50 € an. Die stärksten Mietpreisanstiege für Büros mit gutem Nutzungswert wurden vom IVD in Mülheim, Karlsruhe, Braunschweig, Hannover und Regensburg beobachtet, wo die Mieten um rund 11% stiegen.
In den 20 Topstädten lag der Mietpreisanstieg bei etwa 5,2%. Sehr gut entwickelte sich auch der Büroimmobilienmarkt in Städten zwischen 30.000 und 200.000 Einwohnern, in denen das Mietniveau zwischen 1,0% und 3,2% anzog. Damit wurden die teils erheblichen Rückgänge des Vorjahres in den meisten Fällen wieder ausgeglichen. Ein weiterer Effekt: Wachsende Leerstände werden von den dortigen Vermietern nach Angaben des IVD nun nicht mehr befürchtet.
München ist derzeit der Standort mit dem durchschnittlich höchsten Mietniveau im Bürosegment. Hier müssen Interessenten mit Mieten von etwa 27,50 € pro qm rechnen. Auf dem zweiten Platz folgen Frankfurt am Main und Düsseldorf mit durchschnittlich 18 € pro qm.
Steigende Preise meldet der IVD auch beim Bauland. Spitzenreiter sind Stuttgart mit 300 € bis 650 € je qm und Frankfurt mit 225 € bis 450 € je qm. Ursache für das hohe Niveau an diesen Standorten ist nach IVD-Angaben ein vergleichsweise geringes Angebot an attraktiven Flächen.
Positives Konsumklima
Deutsche Einzelhandelsimmobilien profitieren sowohl vom guten Konsumklima als auch von der starken Investorennachfrage. Das Gesamtinvestitionsvolumen des Vorjahrs wurde bereits im zweiten Quartal um 640 Mio. € überschritten. Laut IVD-Preisspiegel stiegen die Ladenmieten in den Ia-Lagen von Geschäftskernen in einer Spanne von 0,28% bis 0,78%, wobei auch Mietsteigerungen in den Ia-Lagen von sogenannten Nebenkernen abseits der Innenstädte zu beobachten waren. Die größten Zuwächse gab es in sogenannten B-Städten, die erst seit einigen Jahren wieder verstärkt im Fokus von Investoren und Einzelhandelsunternehmen stehen. Als Grund nennt der IVD das überdurchschnittliche Umsatzpotenzial in Städten mit 100.000 bis 300.000 Einwohnern (fast 27% über dem Bundesdurchschnitt). Bei Städten mit mehr als 300.000 Einwohnern liegt dieser Wert dagegen nur bei 20,4%.
Bei Ladenmieten ist München Spitze
Das stärkste Mietpreiswachstum gibt es nach Angaben des IVD in Aachen und Mannheim. Dort wurden bei den Einzelhandelsmieten Zuwächse von 18% beziehungsweise 16% beobachtet. Bei den absoluten Ladenmieten nimmt auch im Jahr 2010 München wieder den Spitzenplatz ein. In den Ia-Lagen innerhalb des Geschäftskerns sind hier laut IVD durchschnittlich 290 € je qm zu zahlen. Auf den weiteren Plätzen folgen Hamburg (220 €), Berlin (210 €), Frank-furt (165 €) und Stuttgart (150 €). Im Schnitt wurde in den 20 deutschen Top-Städten eine Quadratmetermiete von 125 € verlangt.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(24):16-16