Gesundheitspolitik

Drei Fragen an Barbara Steffens


Dr. Christine Ahlheim

Barbara Steffens ist Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen.

?Wie könnte die von Ihnen vorgeschlagene neue Verteilung der Aufgaben von Arzt und Apotheker konkret aussehen?

Generell sollte es ein engeres Miteinander der Ärztinnen und Ärzte und Apothekerin­nen und Apotheker geben. Der Fokus sollte sich hier auch stärker auf die Prävention richten. Beispielsweise mit weiteren und differenzierten Präventionsangeboten durch Apotheken.

Dabei denke ich an unterschiedliche Formen von An­geboten zu Verhaltensänderungen, etwa zur Raucherentwöhnung, Stressbewältigung oder zum Bewegungsver­halten. Ebenso wichtig sind Schulungen für Diabetiker und Asthmatiker sowie In­formationen zur gesunden Lebensführung in Kindergärten, Schulen und Senioren­einrichtungen. Auch wäre ein Medikationsmanagement insbesondere für ältere Menschen angebracht. Oder eine Versorgung in Altenpflegeeinrichtungen.

Bei chronisch Kranken müssen neben der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt auch die Apothekerinnen und Apotheker mehr Verantwortung für die Therapietreue übernehmen.

Gibt es in abgelegenen Orten noch Ärztinnen und Ärzte, aber keine Apotheken, bietet sich die Arzneimittelver­sorgung mittels einer Rezeptsammelstelle an. Warum sollte man hier nicht auch über eine „mobile Apotheke“ nachdenken?

?Welche Änderungen im Gesundheitswesen und speziell auf dem Arzneimittelsektor würden Sie bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen auf Bundes­ebene anstreben?

Zuallererst sollte wieder der Mensch im Mittelpunkt des Gesundheitswesens stehen. Leider ist das im Moment nicht der Fall. Der Bundes­gesundheitsminister verliert sich eher im Klein-Klein, als dass er die Belange der Menschen in den Fokus seines Handelns rückt.

Was den Arzneimittelsektor betrifft, würde ich mich konkret für ein Pick-up-Verbot in allen Bereichen, in denen die Arzneimittelqualität und die Sicherheit der Bevölkerung leiden könnten, einsetzen. Wir brauchen Verbesserungen bei Hol- und Bring­service-Angeboten, verbunden mit Verbesserungen bei der Beratung in Pflegeein­richtungen und bei ambulan­ten Diensten. Wichtig ist auch die Erhöhung der Sicherheit und der Kontrolle im Versandhandel, besonders dem Internethandel – da dieser nicht verhindert werden kann. Weitere Schritte wären die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems in Apotheken, die unabhängige Überprüfung der Beratungsqualität in Apotheken mit der Möglichkeit, die Ergebnisse auch in der Apotheke sichtbar zu machen. Damit Patientinnen und Patienten erfahren können, wo sie gut beraten werden. Ein weiterer Punkt ist die Sicherstellung einer verbesserten Qualität der in Apotheken hergestellten Arzneimittel.

Insgesamt muss das Ziel sein, dass Patientinnen und Patienten Medikamente mit erwiesenem (Zusatz-)Nutzen erhalten und nicht unnötig Geld für teure, neue aber nicht bessere Arzneimittel ausgeben.

?Inwieweit ist Ihre – für die Apotheker durchaus erfreuliche – Unterstützung der inhabergeführten Apotheke innerhalb Ihrer Partei mehrheitsfähig?

Anders als in der Bundes­partei ist das bei uns in Nord­rhein-Westfalen schon immer die Position unserer Partei gewesen.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(06):3-3