Prof. Dr. Uwe May
Die nachfolgenden Marktdaten von IMS HEALTH stellen die Entwicklung des Arzneimittelmarkts in Deutschland von Januar bis März 2011 dar. Die Umsatzdaten beziehen sich auf Endverbraucherpreise und beruhen ebenso wie die Mengenangaben auf Apothekenabverkäufen.
Im Markt rezeptpflichtiger Arzneimittel wurde mit dem Verkauf von 174 Mio. Packungen ein Umsatz von 8,25 Mrd. € erzielt. Beide Werte liegen knapp über den Werten des Vorjahreszeitraums.
Mit einem 5%igen Plus deutlich über Vorjahresniveau lag die Zahl von 37,2 Mio. Packungen verordneter rezeptfreier Arzneimittel. Auch das entsprechende Umsatzvolumen (352 Mio. €) verzeichnete ein Plus von 2,7%. Diese Zuwächse sind insofern bemerkenswert, als dieser sog. OTX-Markt seit dem weitgehenden OTC-Erstattungsausschluss im Jahr 2004 praktisch durchweg eine rückläufige Tendenz aufweist. Lediglich im ersten Quartal 2009 gab es ein – allerdings schwächer ausgeprägtes – Umsatz- und Absatzplus. Ursächlich für die Wachstumsimpulse waren damals wie heute saisonale Effekte, die vor allem das größte Teilsegment des rezeptfreien Markts, den Erkältungsmarkt, betrafen.
Im klassischen Selbstmedikationsgeschäft schlug dieser Effekt nicht in Form steigender Verkaufszahlen durch, jedoch fiel der Umsatzrückgang mit –0,2% und der Absatzrückgang mit –1,5% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (–4,9/–7,1%) deutlich moderater aus.
Der annähernd zweistellige Zuwachs bei den versendeten OTC-Packungen sowie der knapp 8%ige Umsatzzuwachs lassen darauf schließen, dass ein Teil des saisonal bedingten Wachstums zulasten des Apothekenhandverkaufs über den Versand abgewickelt wurde.
Im Jahr 2009 hatte der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) in einer groß angelegten Initiative das Grüne Rezept als Medium zur Stärkung von OTC- Arzneimitteln und deren Anbindung an die Apotheke gefördert. Ein neues Projekt zielt unter dem Namen „Selbstmedikationsbudget“ nun darauf ab, die finanzielle Hürde der Verbraucher beim Selbstkauf von Arzneimitteln zu reduzieren. Die Idee ist, dass den Verbrauchern ein Teil ihrer Selbstmedikationsausgaben seitens der Krankenkasse erstattet wird, um dadurch den bei geringfügigen Gesundheitsstörungen häufig medizinisch wie ökonomisch sinnvollen Weg der Selbstmedikation zu fördern.
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Dr. Uwe May, Bundesverband
der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH),
Abt. Gesundheitsökonomie/Grundsatzfragen
Selbstmedikation,
53173 Bonn,
E-Mail: May@bah-bonn.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(10):9-9