Neue Anlageformen

Der Kapitalschutz „kostet“ die Dividende


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Deutsche Anleger sind nach wie vor ausgesprochen risikoscheu und bevorzugen niedrig verzinste Bundeswertpapiere. Der Derivatespezialist Macquarie Oppenheim hat mit „Kapitalschutz 100 Anleihen“ jetzt eine Alternative auf den Markt gebracht.

Die Finanzkrise steckt vielen Anlegern immer noch in den Knochen: Nicht nur Aktien verzeichneten 2007 und 2008 massive Verluste, auch viele Anleihen büßten innerhalb weniger Monate 20%, 30% oder mehr ein. Und wer in den vorangegangenen Boomzeiten gar auf Zertifikate gesetzt hatte, sah sich manchmal sogar mit einem Totalverlust konfrontiert.

Produkte mit Kapitalgarantie gefragt

Hochkonjunktur haben seitdem Finanzprodukte, die zumindest den Kapitalerhalt garantieren. Zwei Nachteile sind damit allerdings verbunden: Zum einen kostet die Garantie Geld, d.h., die Rendite der meisten Produkte liegt deutlich unter dem Ertragspotenzial des jeweiligen Marktsegments. Zum anderen ist aber auch eine Kapitalgarantie zum Ende einer z.B. sechsjährigen Laufzeit nur ein mageres Versprechen. Denn schließlich bringt jede grundsolide Bankanlage wie etwa ein Spar­kassenbrief zumindest einen festen Basisertrag.

In großformatigen Zeitungsanzeigen bewirbt jetzt Macquarie Oppenheim, so der neue Name der früheren De­rivatesparte von Sal. Oppenheim nach der Übernahme durch den australischen Finanzdienstleister Macquarie, die „Kapitalschutz 100 Anleihe“. Die erste Tranche (Werbeslogan: „Die Rundum-Sorglos-Anlage“) umfasst fünf Papiere mit jeweils drei- bis fünfjähriger Laufzeit. Ihre Konstruk­tion ist vergleichsweise einfach: Zum einen wird der Anleger an einer positiven Wertentwicklung der zugrunde liegenden Aktie beteiligt, zum anderen gibt der Emittent eine Kapital­garantie ab, d.h., die Papiere werden in jedem Fall mindestens zu 100% zurückgezahlt. Zur Auswahl stehen Anleihen auf die Aktien von RWE, E.ON, Deutsche Telekom, Münchener Rückver­sicherung sowie Allianz SE.

Dividende bleibt beim Anleihe-Emittenten

Konkret sieht beispielsweise die Anleihe auf die Allianz (ISIN: DE000MQ1FXQ0) einen Basispreis von 94,00 € für die Allianz-Aktie vor. Kostet das Allianz-Papier zur Fälligkeit weniger als diese 94,00 €, erfolgt die Rückzahlung der Anleihe zu 100%. Hatte der Anleger das Papier zu 100% erworben, hat er also nichts verdient, aber auch nichts verloren. Kostet die Allianz-Aktie hingegen z.B. 125,00 € (Kurs­anstieg: 33%), wird die Anleihe zu 133% zurückgezahlt. Obergrenzen gibt es dabei – im Gegensatz zu ähnlichen Produkten – nicht.

Der Nachteil jedoch: Die während der Laufzeit fälligen fünf Dividendenzahlungen der Allianz bleiben beim Emittenten der Anleihe. Behält die Allianz also die Dividende von 4,50 € in dieser Höhe in den kommenden Jahren bei, verdient Macquarie Oppenheim allein damit immerhin 22,50 € pro Basiswert. Gerade angesichts der aktuell weiterhin positiven Markt­erwartungen ist es daher vergleichsweise einfach, den Kapitalerhalt per Endfälligkeit zu garantieren. Im Übrigen muss sich der Anleger auch der Tatsache bewusst sein, dass es sich bei den Papieren um Inhaberschuldverschreibungen handelt, deren Rückzahlung im Fall einer Schieflage des Emittenten gefährdet sein kann.

Unser Urteil: Die „Kapitalschutz 100 Anleihen“ bieten auf den ersten Blick zwar eine solide Möglichkeit, auf steigende Kurse des Basiswerts zu setzen. Der Verlust der Dividendenerträge ist jedoch ein Nachteil, den man mit einer Direktanlage in der jeweiligen Aktie vermeiden kann.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(10):14-14