Ute Jürgens
Dabei lautet die erste große Frage: Wie viel Zeit und Geld sind zu investieren? Das können Sie sich regelrecht aussuchen: Es gibt Briefkarten in jeder Preislage und das Alter, ab dem den Kunden geschrieben wird, entscheiden Sie nach der zur Verfügung stehenden Zeit und dem Budget.
Die Kundendatei verrät Ihnen in der Statistik, wie viele Kunden ab 60, 65 oder 70 Jahren vorhanden sind. Danach findet die erste Vorauswahl statt: Wie viele Geburtstagskarten schaffen wir pro Monat ohne Stress und mit Freude? 20? 30?
Ein weiteres Auswahlkriterium ist die Kundentreue, gemessen an der Häufigkeit der Besuche oder am Umsatz. Sie haben die Wahl, auch hier leistet das Statistikprogramm Hilfe. Schreibt man nun nur denen, die besonders treu sind, oder absichtlich – als Erinnerungshilfe – auch seltenen Besuchern, um auf sich aufmerksam zu machen?
Falls sich einige Kunden beklagen, dass sie keine Karte bekommen hätten, gibt es einen Grund mehr, sich in die Kundendatei eintragen zu lassen. Bei der Gelegenheit kann der jeweilige Mitarbeiter die Vorzüge des Systems erläutern und auf die oftmals bestehenden Ängste vor dem „Registriertwerden“ eingehen. Nach einigen Befragungen habe ich übrigens erfahren, dass sich im Allgemeinen jüngere, noch im Berufsleben stehende Kunden längst nicht so für die Aufmerksamkeit begeistern wie Ältere, bei denen schon viel – manchmal zu viel – Ruhe eingekehrt ist. Die Jüngeren empfinden die Aktion häufiger als reine Werbemaßnahme.
Die Gestaltung
Im Fachhandel oder in Bürobedarfsabteilungen von Märkten bekommen Sie neutrale Bild- oder Geburtstagskarten ab 50 Cent pro Stück.
Druckereien bieten verschiedene Motive an, Sie suchen sich ein schönes aus, lassen den Text ganz oder teilweise eindrucken und bestellen den Jahresbedarf. Geburtstagskarten im Digitaldruck kosten beispielsweise cirka 40 bis 50 Cent pro Karte zzgl. MwSt., Sie müssten dann nur noch persönlich unterschreiben.
Alternativ schneidet man festes DIN-A4-Papier mit zum Beispiel 160er-Grammatur halb durch, faltet es und klebt Fotos von Pflanzen, Landschaften der Gegend oder aus dem Urlaub auf. Diese Aufgabe kann z.B. vom Boten oder vom Schulpraktikanten übernommen werden. Das Motiv nutzt man ein Jahr lang. Karten und Umschläge kön-nen weiß oder den Photofarben angepasst sein. Falls ein Teammitglied malt, bieten sich Fotos von den Bildern bzw. Ausschnitten davon an. Oder das ganze Team kann posieren bzw. Einzelne bei der Ausübung ihrer Arbeit. Engagiert sich die Apotheke im Verbund mit Vereinen beim Nordic Walking oder bei Kochkursen, nutzt man – das Einverständnis der abgelichteten Personen vorausgesetzt – Schnappschüsse und fördert so auch gleich die Kursnachfrage bei den Empfängern.
Das Innere der Briefkarten gestaltet man mit einem Sinnspruch und dem eigentlichen Glückwunsch auf der anderen Seite. Anregungen finden Sie im Internet unter www.aphorismen.de, www.spruecheportal.de und auf ähnlichen Seiten. Im Buchhandel gibt es ebenfalls zahlreiche Zitatensammlungen, z.B. aus dem Dudenverlag (siehe Buchtipp).
Die Sprüche sollten so kurz sein, dass man sie schnell mit der Hand schreiben kann – auch dies wird erfahrungsgemäß honoriert. Viele Geburtstagskinder kommen extra in die Apotheke, um sich persönlich für die Aufmerksamkeit zu bedanken. Meistens kaufen sie auch gleich dabei ein. Manchmal entspinnt sich ein Gespräch über das Motiv oder den Spruch. Die freudige Überraschung beim Empfänger ist Ihnen im ersten Jahr auf jeden Fall sicher.
Inwieweit Sie als Apothekenleiter Einfluss auf Details nehmen oder die ganze Sache dem Team überlassen, ist eine Frage Ihres Vertrauens. Je selbstständiger die Angestellten arbeiten dürfen, desto höher ist ihre Motivation für das neuen Projekt.
Wer schreibt?
Hier bieten sich einige Varianten an. So kann der ausgewählte Spruch von einem Mitarbeiter mit besonders schöner Handschrift geschrieben werden. Oder man teilt die Karten im Team auf, sodass jeder nur wenige beschriften muss. Den Glückwunsch fügt entweder dieselbe Person hinzu oder der Apothekenleiter, dieser setzt auch seine Unterschrift darunter. Alternativ unterschreibt man z.B. mit „Ihr Löwen-Apotheken-Team“. Für 30 Stück braucht man vom Herstellen der Karten bis zum Versand ab Apotheke ungefähr 1,5 Stunden.
Natürlich kann man das Ganze auch mit dem PC drucken. Wenn Sie diesen (zumindest theoretisch) schnelleren Weg gehen möchten, fangen Sie am besten gleich so an. Für manche Kunden könnte es sonst eine Enttäuschung sein, wenn sie dann später statt „persönlicher Handarbeit“ und Zuwendung auf einmal eine standardisierte Karte bekommen.
Der Versand
Auch die Adressen schreibt man entweder per Hand oder man bedruckt Etiketten mit den fertigen, aus der Datei übernommenen Anschriften. Steckt man die Umschläge selbst in den Drucker, ist dies anfangs etwas „fummelig“, aber letztlich die schnellste Variante, zudem kann die Apotheke als Absenderin gleich mit aufgedruckt werden.
Wenn man immer eine „Monatsration“ an Karten auf einmal produziert, notiert man am besten in einer Ecke des Umschlags das Datum des Geburtstags und sortiert die Briefe entsprechend. Entweder trägt der Bote die Glückwünsche aus oder der Versand findet per Post statt.
Mit dem Auswählen der „Glückwunsch-Kunden“ ist übrigens ein weiterer Vorteil verbunden: Die Datei wird regelmäßig aktualisiert. Verstorbene und Kunden, die umgezogen sind oder aus anderen Gründen nicht mehr kommen, werden so nach einiger Zeit ganz gelöscht.
Insgesamt gesehen ist das Schicken von Geburtstagsgrüßen für Stammkunden ein gerne genossener Service der Apotheke, man hebt sich etwas von der Konkurrenz ab und erntet Anerkennung und weiterhin treue Kunden. Dasselbe gilt für Weihnachtspost, die allerdings alle Dateikunden bekommen sollten.
Für einige Angestellte ist die Produktion von Glückwünschkarten eine willkommene Abwechslung, sie freuen sich, wenn sie endlich einmal ihre Kreativität im Beruf einsetzen dürfen. Hier muss man als Apothekenleiter darauf achten, dass nicht zu viel Arbeitszeit verwendet wird. Andere lehnen das Ganze ab, ihnen liegt es gar nicht, auf diese Weise „Zeit zu verschwenden“ und mit den entsprechenden Utensilien zu hantieren. Auch hier bestätigt sich wieder: Nur ein gemischtes Team ist ein gutes Team. Sind dagegen alle gleich „gepolt“, lassen sich manche Dinge schwer oder gar nicht umsetzen.
Ute Jürgens,
Kommunikationstrainerin und Einzelcoach,KomMed,
28865 Lilienthal,
E-Mail: KomMed@freenet.de
Buchtipp
Duden, Die herzlichsten Glückwünsche, Zitate und Gedichte für jeden Anlass, Dudenverlag, 2011, 7,95 € Nina Pohlmann: Gratulieren mit Stil, Formvollendete Glückwünsche – von klassisch bis modern, Verlag Gräfe und Unzer, 2010, 9,99 € zu beziehen über den Deutschen Apotheker Verlag (Telefon: 0711/2582 341, Telefax: 0711/2582 290, E-Mail: service@deutscher-apotheker-verlag.de)
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(10):10-10