Verbriefungen

Neue Geschäfte mit „toxischen“ Papieren


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Sie gelten als Auslöser der Finanzkrise: Nach dem Kollaps des amerikanischen Immobilienmarktes sorgten „verbriefte Kredite“ für Milliardenverluste. Nach zwei Jahren Pause sind mittlerweile wieder Bestrebungen zum Neuaufbau des Marktes erkennbar.

Entstanden sind „verbriefte Kredite“ Mitte der 1990er-Jahre: Banken und Sparkassen bündelten mehrere Hundert oder sogar Tausend ausge­gebene Darlehen zu Paketen und verkauften sie als Ganzes an interessierte Investoren. Damit schafften sie sich Liquidität für neue Finanzierungen und die Ausweitung des Geschäftsvolumens. Kamen die Darlehensschuldner ihren Verpflichtungen nach, erhielten die Investoren planmäßig ihr Geld. Gewisse Ausfälle waren in der Rechnung ein­kalkuliert und wurden über einen entsprechenden Mehrzins ausgeglichen. Manche Investoren wiederum refinanzierten die angekauften Kreditpakete über die Ausgabe festverzinslicher Wertpapiere, die vorrangig an andere institutionelle Anleger, zum Teil aber auch an private Sparer ver­kauft wurden.

Hohe Ausfallrate führte zum Kollaps

Das Geschäft funktionierte, solange sich die Ausfallrate bei den Krediten im Rahmen der Kalkulation bewegte. Die Probleme begannen, als der bis dahin boomende amerikanische Immobilienmarkt kollabierte. Immer mehr Darlehensnehmer konnten ihre Schulden nicht mehr bedienen, Zwangsversteigerungen der finanzierten Immobilien brachten weitaus weniger als bei der – großzügigen – Darlehensvergabe kalkuliert. Innerhalb weniger Monate brach der Markt der „verbrieften Kredite“ komplett zusammen: Viele Titel wurden kaum noch bedient, kein Neuinvestor wollte sich in diesen „toxi­schen Papieren“ engagieren. Und obwohl sich die Ausfälle bei deutschen Kreditverbriefungen im niedrigen einstel­ligen Prozentbereich beweg­ten, fanden sich auch hier keine Käufer für diese Art der Geldanlage. Gerade einmal 10 Mrd. € wurden 2010 verbrieft, zudem lief das Geschäft ausschließlich zwischen Finanzinvestoren ab, nicht jedoch bei Privatkunden.

Unterschiedliche Tranchen

Die Zeiten des ausgetrockneten Marktes könnten bald ihrem Ende zugehen, denn die staatliche KfW-Bankengruppe will mit der Plattform „True Sales Initiative“ (TSI) das Geschäft fördern. Klare Regeln sollen helfen, dem Markt einen soliden Anstrich zu geben. Dazu zählt beispielsweise die Aufteilung des Vo­lumens einer Emission in mehrere Tranchen: Die Bandbreite reicht dabei von Tranchen mit erstklassigen Krediten mit geringster Ausfallwahrscheinlichkeit bis hin zu Tranchen mit eher zweifelhaften Forderungen. Entsprechend gestaffelt ist die Verzinsung: je höher das Risiko, umso höher auch der Zins.

Eine solide Konstruktion einer solchen Verbriefung lässt sich daran erkennen, dass die rangniedrigste Tranche beim Initiator bleibt, also der finanzierenden Bank. Nur so ist ein eigenes Interesse am Eintreiben aller Forderungen sichergestellt. Vermieden wird damit auch, dass die Banken ihre Kredite aufgrund des fest eingeplanten Verkaufs allzu freigiebig ausgeben.

Während sich das Geschäft vorerst nur zwischen institutionellen Investoren abspielt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch für private Anleger entsprechende Produkte aufgelegt werden. Dabei dürfte der Erfindungsreichtum der Produktentwickler – wie bereits vor vier Jahren – keine Grenzen kennen. Bei neu angepriesenen Anleihen sollten Anleger daher sehr genau darauf achten, ob dahinter nicht „verbriefte Kredite“ stehen. Renditemäßig können solche Papiere zwar durchaus interessant sein, die Risiken sind jedoch nicht zu unterschätzen.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(10):15-15