Bankdienste

Nicht jede Plastikkarte sichert die Bargeldversorgung


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Ob in München oder Sydney: Die VISA-Kreditkarte mancher Direktbanken sichert weltweit die kostenlose Bargeldversorgung. Doch zu Hause versagt das Plastikkärtchen oftmals kläglich, denn Genossenschaftsbanken und Sparkassen wehren sich gegen die Konkurrenz.

Wer mit der Kreditkarte einen Geldautomaten nutzt, muss sich üblicherweise auf erhebliche Kosten einstellen: Bis zu 4% werden verlangt, auch Mindestgebühren von 10€ und mehr sind keine Seltenheit. Erfolgt die Abhebung gar außerhalb der Eurozone, erhöhen sich die Kosten noch durch das „Auslandsein­satzentgelt“, das weitere 1,5% bis 2,0% betragen kann. Hingegen fallen beim traditionellen Einsatz der Karte – der bargeldlosen Bezahlung von Waren und Dienstleistungen – mit Ausnahme einer eventuellen Fremdwährungsgebühr meist keine Kosten an.

Chance zur Neukunden­gewinnung

Doch nicht alle deutschen Kreditinstitute wollen sich am munteren Abkassieren beteiligen. Direktbanken wie die DKB oder Cortal Consors haben in der Bargeldversorgung per Kreditkarte eine Chance zur Neukundengewinnung erkannt. Die von ihnen ausgegebene VISA-Karte ist nicht nur kostenfrei, sondern bietet auch eine für den Kunden weltweit kostenlose Bargeldversorgung – unabhängig vom genutzten Geldautomaten und der ab­gehobenen Summe. Nur bei der Umrechnung von Fremdwährungen in Euro fallen manchmal moderate Spesen an, teilweise eingerechnet in den Wechselkurs.

Kostenfrei ist die Nutzung jedoch nur für den Kunden: Der Automatenbetreiber berechnet Entgelte, die aber der Kartenemittent übernimmt. Dieser wiederum spart sich dafür das Aufstellen und die Wartung eigener Geld­automaten und kann dennoch seinen Kunden ein hohes Maß an Servicefreundlichkeit bieten.

Die kostenfreie Bargeldversorgung ist allerdings insbesondere den Sparkassen und Genossenschaftsbanken ein Dorn im Auge. Denn während sie ein bundesweit flächendeckendes Netz von Geldautomaten betreiben, haben die VISA-Emittenten oft keine oder nur sehr wenige Automaten aufgestellt. Bereits vor über zwei Jahren reagierten daher einige Au­tomatenbetreiber mit der Sper­re ihrer Geräte für VISA-Karten bestimmter Banken, für alle VISA-Karten oder sogar für alle Kreditkarten. Zumindest die selektive Sperre ließ sich jedoch juristisch nicht durchsetzen. Das Oberlandesgericht München verurteilte die Sparkasse Ingolstadt dazu, ihre Geldautomaten auch für die VISA-Karten fremder In­stitute zu öffnen (Urteil vom 17. Juni 2010, Aktenzeichen U (K) 1607/10), der Bundesgerichtshof wies die Beschwerde dagegen per Nichtzulassungsbeschluss zu­rück (Beschluss vom 28. Juni 2011, Aktenzeichen KZR 82/10).

Allerdings ist damit längst noch kein bundesweit kostenfreier Zugriff auf das Kartenkonto möglich: Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sieht das Gerichtsurteil als „Einzelfallentscheidung“ ohne Wirkung auf andere Institute, bei den Genossenschaftsbanken wird die VISA-Karte oft generell abgelehnt – was urteilskonform, aber keineswegs kundenfreundlich ist. Erst mittelfristig wird damit gerechnet, dass die bisherigen VISA-Gegner ihre starre Haltung aufgeben, möglicherweise sogar aufgrund weiterer Gerichtsurteile.

Keine Verluste für Betreiber

Dennoch sind kostenfreie VISA-Karten von Direktbanken eine interessante Alternative für alle, die oft unterwegs sind. Aber auch, wenn die Hausbankfiliale in der Nachbarschaft wegen Spar­maßnahmen geschlossen wurde, kann sich eine solche Karte aufgrund der flexiblen Einsatzmöglichkeiten lohnen. Im Übrigen entstehen den Automatenbetreibern keine Verluste: Eine Bargeldauszahlung verursacht durch­schnittlich 0,60€ bis 0,80€ an Kosten, der VISA-Emittent erstattet aber pauschal 1,74€.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(17):16-16