Neue Anlageformen

Dividendenzahlungen auf Zertifikate


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Gleich vier neuartige Zertifikate hat die HypoVereinsbank, eine Tochtergesellschaft der italienischen UniCredit, aufgelegt: Sie beteiligen den Anleger nicht nur an dividendenstarken Ak­tien aus Deutschland bzw. Europa, sondern sehen auch jährlich zwei Barausschüttungen vor.

Dividendenrendite findet wenig Beachtung

Im Bereich der Indexzertifikate spielt die Dividendentheorie bisher noch eine sehr untergeordnete Rolle. Angeboten wird zwar eine Vielzahl von Papieren, die z.B. die Kursentwicklung des Deut­schen Aktienindex DAX oder des europäischen Spitzenwerteindex Dow Jones Euro-Stoxx-50 widerspiegeln, bei Dividenden­indizes ist die Auswahl aber ge­‑ring. Doch jetzt hat die HypoVereinsbank neue Papiere aufgelegt, die auf vier Indizes mit dividendenstarken Wertpapieren setzen:

  • Der DJ Europe Select Dividend 30 Distributing Index enthält die 30 dividendenstärksten Unternehmenswerte aus Europa,
  • der DJ Eurozone Select Dividend 30 Distributing Index bezieht sich auf die 30 dividendenstärksten Werte der Eurozone,
  • der DJ Germany Select Dividend 20 Distributing Index spie­gelt die 20 dividendenstärksten deutschen Papiere wider und
  • der DJ France Select Dividend 20 Distributing Index setzt auf die 20 Unternehmenswerte aus Frankreich mit der höchsten Dividendenrendite.


Gemeinsam ist allen vier Indexpapieren eine unbegrenzte Laufzeit, die Einführung an der Börse und ein sehr geringer Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreisen von gerade einmal 0,3%. Auch eine Managementgebühr wird vom Emittenten – dies findet man nicht allzu oft – derzeit nicht verlangt. Im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Papieren basieren die neuen Zertifikate jedoch auf Kursindizes, die allein die Kurs­entwicklung der Basiswerte widerspiegeln. Die von den Unternehmen geleisteten Dividendenzahlungen werden in einem Topf gesammelt, mit dem EONIA-Satz verzinst und zweimal jährlich im Juni und Dezember an die Anleger ausgeschüttet. Zwischen den Ausschüttungsterminen erhöht sich der Anteilswert automatisch, am Ausschüttungstermin wird der Kurs um die erfolgte Zahlung ermäßigt.

Als vorteilhaft werden insbesondere die regelmäßigen Erträge gesehen, die das Investment mit einer Aktienanlage vergleichbar machen. Dem steht als Nachteil die fehlende Wiederanlage gegenüber: Bei Papieren ohne Ausschüttung erfolgt sie direkt durch den Emittenten, hier muss sie – sofern erwünscht – vom Anleger selbst vorgenommen werden. Positiv ist hingegen die Zusammenfassung von dividendenstarken Aktien etwa der Eurozone oder aus Frankreich. Sie ermöglicht es dem Anleger, die Dividendenstrategie auch außerhalb Deutschlands zu nutzen, ohne sich z.B. mit den un­ter­schiedlichen Quellensteuerbedin­gungen befassen zu müssen.

Unser Urteil: Die neuartigen Zertifikate eignen sich insbesondere für Anleger, die mit deutschen, französischen oder europäischen Werten auf die Dividendentheorie setzen und zugleich regelmäßige attraktive Ausschüttungen erzielen möchten. Sie stellen daher eine durchaus in­teressante Depot-Diversifikation mit Langzeitcharakter dar. Mangels Wiederanlage der Erträge bieten die Papiere allerdings keinen Zinseszinseffekt, sodass entsprechender Handlungsbedarf für den Anleger besteht.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(23):12-12