Fremdwährungsanlagen

Strategien in der Euro-Krise


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Heute Griechenland, morgen Italien und nächste Woche Spanien oder auch Belgien – die Euro-Staaten stecken in einer tiefen Krise. Immer mehr Anleger suchen daher ihre Chancen in Ländern außerhalb der Währungsunion. Doch nicht jedes Investment lohnt sich wirklich.

Reiches Deutschland

Allerdings muss man sich dabei vor Augen führen, dass sich die damaligen Entwicklungen grund­legend von der heutigen Euro-Krise unterscheiden. So war die Währungsreform 1923 – 1925 die Folge einer Hyperinflation, ausgelöst durch die Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg. Dem enorm gewachsenen Bargeldumlauf standen bei Weitem nicht genügend Waren gegenüber, die Preise stiegen, und als selbst ein Laib Brot für Milliardensummen gehandelt wurde, musste man einen Schnitt machen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren in erster Linie die Warenverknappung und die damit verbundene geringe Zahlungskraft der Reichsmark dafür verantwortlich, dass eine Umstellung erforderlich wurde.

Heute ist Deutschland aber keineswegs bettelarm, sondern vielmehr eines der reichsten Länder der Welt mit einer erstklassigen Wirtschaft, zudem eng verzahnt mit allen anderen Industrie­nationen. Selbst im sehr unwahrscheinlichen Fall, dass der Euro einer Währungsreform unterzogen werden müsste und/oder die Währungsgemeinschaft auseinanderfällt, ist ein Umtausch des deutschen Euro-Vermögens im Verhältnis 1:1 in die dann neue Währung durchaus realisierbar. Dass man aber auch ohne derart drastische Maßnahmen der Schuldenkrise Herr werden kann, hat etwa das Beispiel Schweden gezeigt. Selbst die Türkei, vor zehn Jahren noch als „kranker Mann am Bosporus“ betitelt, verzeichnet heute eine überaus expansive und erfolg­reiche Entwicklung.

Breite Streuung empfehlenswert

Verbindliche Garantien für den Fortbestand des Euros in seiner heutigen Form gibt es jedoch nicht und so sollte nicht nur bei Aktien- und Anleiheinvestments, sondern auch hinsichtlich der Währung auf eine gewisse Diversifizierung geachtet werden. Es kann nicht schaden, aktuell – je nach Risikobereitschaft – zwischen 20% und 40% außerhalb des Euros anzulegen, wobei hier eine breite Streuung durchaus sinnvoll ist.

Zu den wichtigsten Alternativen zählt trotz aller Schulden- und Konjunkturbedenken nach wie vor der US-Dollar, der gerade momentan wieder einmal im Fokus der Spekulation steht. Maßgeblich für seine Kursentwicklung sind derzeit weniger fun­damentale Daten, sondern u.a. charttechnische Faktoren. Und hier sieht es gar nicht so schlecht aus: Nach dem jüngsten Kurs­anstieg hat sich der leichte Aufwärtstrend bestätigt und es bestehen durchaus Chancen, dass der Eurokurs von aktuell rund 1,35 US-Dollar in absehbarer Zeit auf 1,20 US-Dollar zurückgehen könnte. Damit sollte dem Dollar ein Schwerpunkt bei jeder gut sortierten internationalen Anlagestrategie eingeräumt werden.

Wer etwas mehr Sicherheit sucht, kann sich beim kanadischen Dollar umsehen. Sein Wert stieg Anfang 2010 gegenüber dem Euro um rund 20% , seitdem hält er sich vergleichsweise stabil. Nachdem entsprechende Geldanlagen sogar etwas höher verzinst werden als im US-Dollar, stellt er in jedem Fall eine interessante Alternative dar.

Wie groß die Furcht mancher Anleger vor einem Euro-Verfall ist, hat sich in den vergangenen drei Jahren beim Schweizer Franken gezeigt. Die eidgenössische Währung, vor über 250 Jahren eingeführt und bis heute beibehalten, konnte seit 2009 in der Spitze um mehr als 40% zulegen. Erst ein Machtwort der Regierung Anfang September 2011, man toleriere keinen weiteren Anstieg, ließ den Frankenkurs wieder kräftig nachgeben. Kostete ein Euro im Sommer gerade einmal 1,03 Franken, so werden jetzt wieder rund 1,23 Franken für die Gemeinschaftswährung gezahlt. Die meisten Experten gehen davon aus, dass dieses Niveau vorerst beibehalten werden kann. Andererseits ist zu bedenken, dass der Franken jeden spekulativen Reiz zumindest vorerst verloren hat. Entsprechend ist auch ein Rückgang nicht auszuschließen, sodass ein Franken-Investment derzeit nicht unbedingt Priorität hat.

Interessanter erscheint da die norwegische Krone, schließlich erfreut sich das Land grundsolider Staatsfinanzen und die Erdölförderung bringt Milliardenerlöse. Allerdings sollten Anleger hier eher langfristig denken. Aktuell befindet sich der Kurs der Krone zwar in einem soliden leichten Aufwärtstrend. Der Markt ist jedoch vergleichsweise eng, was die Währung anfällig für Spekulationen macht. Bestes Beispiel ist das Jahr 2008, als der Kurs infolge der Finanzkrise binnen weniger Wochen rund 10% verlor. Alternativ bietet sich die schwedische Krone an, die ebenfalls von einer vergleichsweise gesunden Wirtschaft profitiert und im Bereich ihrer langjährigen Durchschnittskurse zum Euro notiert. Der Hinweis auf den engen Devisenmarkt gilt aber auch hier, zudem sind Schweden-Investments in Deutschland derzeit nur schwer zu bekommen.

Osteuropäische Devisen als Depotbeimischung

Stark an Bedeutung gewonnen haben in den vergangenen Jahren die Währungen Osteuropas. Vergleichsweise solide entwickelte sich dabei insbesondere die tschechische Krone, deren Kurs seit der Euro-Einführung rund 50% zulegen konnte. Allerdings kam es während der Finanzkrise 2008 zu erheblichen Turbulenzen, die die Krone zeitweise um mehr als 20% innerhalb weniger Wochen einbrechen ließen. Auch in den ver­gangenen Wochen gab der Kurs wieder deutlich nach. Zumin­‑dest einen gewissen Nachholbedarf räumen Experten dem polnischen Zloty und dem unga­rischen Forint ein. Beide Währungen haben seit dem Sommer 2011 gegenüber dem Euro leicht verloren, konnten sich aber inzwischen wieder stabilisieren. Generell sollten osteuropäische Devisen jedoch nicht übergewichtet werden.

Fast 50% Plus gegenüber dem Euro verzeichnete der australische Dollar in den vergangenen drei Jahren. 2011 ist der Anstieg zwar zum Stillstand gekommen, dennoch notiert die Währung des fünften Kontinents nahe ihren Höchstständen. Die Kernfrage gilt hier der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft. Als rohstoffreiches Land konnte Australien zuletzt von der enormen Nachfrage aus China profitieren. Eine Abschwächung der Konjunktur könnte jedoch erhebliche Rückschläge bei der Währung zur Folge haben. Dies gilt mit Einschränkungen auch für den Neuseeland-Dollar, der seit 2009 rund 40% Gewinn gegenüber dem Euro verzeichnete. Im Gegensatz zur Währung aus dem Nachbarland liegt er allerdings immer noch im Bereich des langfristigen Durchschnitts. Sinkende Rohstoffpreise dürften der Währung weniger anhaben als eine rückläufige Konjunktur, die den Kurs durchaus unter Druck setzen könnte.

Geht es um spekulative Anlagewährungen, steht der südafrikanische Rand nach wie vor im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Zwischen 2008 und Anfang 2011 verzeichnete er einen Zuwachs von rund 30%, mittlerweile neigt er jedoch wieder zu einer gewissen Schwäche. Da er als eine der wenigen international beliebten Währungen aber recht gut verzinst wird, könnte sich ein längerfristiges Engagement durchaus rechnen.

Kaum diskutiert, aber nicht weniger interessant sind die Währungen Südamerikas. Einen vergleichsweise guten Namen hat sich hier mittlerweile der brasi­li­anische Real gemacht, der nach seinem massiven Absturz zwischen 1998 und 2002 seit dem Jahr 2003 ein nur kurzzeitig unterbrochenes Wachstum aufweist. Auch aktuell kann er als recht interessante Depotbeimischung gesehen werden, zudem sind die Zinsen vergleichsweise attraktiv. Mehr Vorsicht ist hingegen beim mexikanischen Peso geboten. 2010 kräftig im Plus, hat im laufenden Jahr eine Gegenbe­wegung begonnen. Investments sind nur dann über­legenswert, wenn sie überdurchschnittlich gut verzinst werden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(23):13-13