Wertpapier im Test

Rückblick auf 2011


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Mit Aktien kann viel Geld verdient, aber auch viel Geld verloren werden. Das ist das Fazit des Börsenjahrs 2011, in dem sich der August zu einem „Crashmonat“ entwickelt hat. Dennoch konn­ten die meisten unserer „Kandidaten“ aus dem „Wertpapier im Test“ die Erwartungen erfüllen.

Aktien im Abwärtssog

Gerade zu dem Zeitpunkt, als manche Probleme gelöst schienen, ließ die Ratingagentur Stan­dard&Poor‘s „die Bombe platzen“: Die Bonität der USA wurde Anfang August von der bisherigen Höchstnote AAA (Triple-A) auf nur noch AA+ heruntergestuft. Auch wenn dies von Standard&Poor‘s bereits im April 2011 signalisiert und letztlich von den meisten Anlegern erwartet worden war, sorgte die Meldung für ein Kursdebakel an den Börsen. Offenbar aufgrund frühzeitig durchgesickerter Informationen kam es bereits kurz vor der Herabstufung zu massiven Kursverlusten, nach Bekannt­gabe der Abwertung kannten die Börsen kein Halten mehr. Elf Handelstage in Folge verzeichnete der DAX Verluste. Gegenüber seinen Höchstständen vom April büßte er in der Spitze 32% ein.

Solide Zuwächse bei Rentenwerten

Dass sich die Diversifizierung der Geldanlagen lohnt, hat der Rentenmarkt eindrucksvoll unter Beweis gestellt, denn hier entwickelten sich die Kurse nahezu exakt gegenläufig zum Aktienmarkt: In den ersten Monaten gaben die Notierungen infolge eines markanten Zinsanstiegs nach, um in der Folgezeit kräftig zulegen zu können. An­leger, die – wie von uns immer wieder empfohlen – den Schwerpunkt ihres Depots auf festverzinsliche Wertpapiere gelegt und gleichzeitig auf eine gut sortierte Aktienauswahl geachtet hatten, sind damit letztlich recht gut gefahren und konnten auch angesichts dieser schwierigen Börsenlage meist mit soliden Zuwachsraten abschließen.

Eine Hilfestellung hat dabei auch in diesem Jahr wieder unsere Serie „Wertpapier im Test“ geboten, in der wir schwerpunktmäßig Aktien vorstellen, gelegentlich aber auch andere Wertpa­piere unter die Lupe nehmen. Allerdings sind diese Vorstellungen bewusst nicht als konkrete Anlageempfehlung formuliert, vielmehr wollen wir Ihnen mit einer detaillierten Gegenüberstellung von positiven und ne­gativen Aspekten Hilfen bei Ihren eigenen Investitionsentscheidungen bieten. Und so ist es auch nicht unser Ziel, „Geheimtipps“ der Börse zu präsentieren, sondern Papiere vorzustellen, die – z.B. aufgrund einer gesteigerten Medienpräsenz – gerade besonders interessant sind, die Nachholpotenzial haben, die man auf die Beobachtungsliste setzen sollte oder von denen eher abgeraten werden muss. Die Palette reicht dabei von recht konservativen Papieren bis hin zu sehr spekulativen Titeln. Unverzichtbar ist es dabei in jedem Fall, gekaufte oder ins Auge gefasste Papiere laufend zu beobachten und ggf. schnell zu entscheiden.

Wie jedes Jahr werfen wir auch diesmal wieder einen Blick zurück und betrachten nachfolgend die Wertentwicklung der Aktienporträts des abgelaufenen Jahres.

So starteten wir im Februar mit der Aktie der comdirect bank, die seinerzeit bei rund 8€ notierte. In den Folgewochen konnte das Papier rund 10% zulegen; erst danach folgte es – wenn auch in wesentlich gemäßigterem Umfang – der allgemeinen Schwäche der Bankaktien. Heute liegt die Notierung immer noch vergleichsweise stabil knapp unter dem Ausgangsniveau, wobei Experten weiterhin interessante Langfrist-Chancen sehen.

Günstig zu rund 14,40€ kaufen konnten Leser die im März un-ter spekulativen Aspekten vorgestellte Kuka-Aktie. Bereits nach zwei Monaten lag das Papier bei über 20€, was einem Zuwachs von fast 40% entspricht. Im Juli zeichnete sich jedoch allein schon aus charttechnischer Sicht eine Abschwächung ab, die einen Verkauf sinnvoll werden ließ. Mittlerweile gab die Aktie nach und liegt im Bereich des Ausgangsniveaus.

Als konservative Basisanlage stellten wir im April die 5,5%-Anleihe von FMC Finance mit Laufzeit bis 2016 vor. Dieses Papier konnte per saldo viel Freude machen: Trotz niedriger Marktzinsen brachte es eine laufende Verzinsung von 5,2%, hinzu kam ein leichter Zuwachs beim Kurs. Kurzfristig orientierte Anleger, die das Papier im Oktober verkauft haben, erzielten insgesamt sogar einen Wertzuwachs von 10%.

Überaus erfreulich entwickelte sich die im Mai präsentierte BMW-Aktie. Kaufen konnten AWA-Leser das Papier zu 56€, bereits nach zwei Monaten wurden mehr als 73€ dafür an der Börse bezahlt – ein Plus von 30%. Unser Hinweis, den Chart genau zu beobachten, bestätigte sich dann jedoch: Der Kurs gab wie bei allen DAX-Titeln nach, wobei er heute immer noch im Bereich des Ausgangsniveaus notiert.

Erneut einen Rentenwert stellten wir im Juni mit einer nachrangigen Anleihe der Münchener Rück vor, die noch bis Juni 2013 mit 6,75% und danach variabel verzinst wird. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Da der Kurs nahezu unverändert blieb, konnten Anleger die laufende Verzinsung von knapp 6,5% p.a. ungeschmälert einnehmen.

Aufgrund von Leseranfragen nahmen wir im Juli die Aktie von Aurubis unter die Lupe, früher bekannt als Norddeutsche Affine­rie. Bewusst wiesen wir dabei auf den spekulativen Charakter hin und in der Tat kam es in den folgenden Monaten – nicht zuletzt bedingt durch die sinkenden Rohstoffpreise – zu erheblichen Kursschwankungen. Mit circa 42€ notiert die Aktie heute wieder auf Ausgangsniveau.

Als „soliden Basiswert“ stuften wir im August die Aktie der Deutschen Post ein, die seinerzeit zu rund 10€ gekauft werden konnte. Bedingt durch die Börsenschwäche verlor das Papier anfangs zwar noch rund 8%, erholte sich dann aber wieder auf knapp 12€. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Marktentwicklung erscheint dieses Plus von rund 15% durchaus erfreulich.

Ein voller Erfolg wurde auch die Ahlers-Vorzugsaktie, die im September auf den Prüfstand gestellt wurde. Kostete das Papier anfangs noch 8,80€, so wurden in der Spitze nahezu 11€ erreicht – ein Plus von 25% in wenigen Wochen. Erst in den vergangenen Tagen sorgten Diskussionen um eine erwartete Konjunktureintrübung für zeitweilige Unsi­cherheiten, jedoch erscheint das Unternehmen in Hinblick auf die Kapitalausstattung auch für eine Krise gut gerüstet.

Nicht minder positiv entwickelte sich die Aktie des Modekonzerns Gerry Weber, die wir im Oktober bei einem Kurs von 20,40€ vorstellten: Bis Anfang Dezember kletterte der Kurs auf 23,30€ (+14% in sechs Wochen), aktuell notiert er bei 25,40€.

Bei der im November präsentierten Aktie der Drägerwerk AG wiesen wir darauf hin, dass die Unsicherheiten vorerst noch anhalten dürften, das Papier jedoch durchaus Potenzial habe. An dieser Einschätzung hat sich zunächst nichts geändert; der Kurs liegt nahe dem Ausgangsniveau bei Erscheinen der betreffenden November-Ausgabe des AWA.

Zum Problem wurde schließlich die Solon-Aktie, vorgestellt im Dezember. Bewusst hatten wir einen – so unser Text – „extrem spekulativen“ Wert ausgewählt, der sowohl überdurchschnittliche Chancen wie auch das Risiko eines Totalausfalls beinhaltete. War zu Redaktionsschluss noch damit zu rechnen, dass die Refinanzierung nach dem Einstieg des erfahrenen Sanierers Alvarez&Marsal zustande kommt, ist sie letztlich an einer starren Haltung der Banken gescheitert. Einen Tag vor Veröffentlichung der betreffenden AWA-Ausgabe musste die renommierte Solar­firma Insolvenz beantragen, der Kurs stürzte um rund 60% ab. Nun versucht das Management, zumindest Teile des Unternehmens zu retten. Die Aktie bleibt weiterhin börsennotiert, an unserer Einschätzung als extrem spekulativer Titel hat sich nichts ge­ändert.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(02):12-12