Prof. Dr. Reinhard Herzog
Keine Transparenz
Die Praxis zeigt jedoch: Mit der Transparenz ist es nicht weit her. Beispiel Autoversicherung: Die Vergleichsportale fragen zwar unterschiedlichste Kriterien ab – von Anzahl und Alter der Fahrer bis zur Absicherung gegen Wildunfälle. Der Tarifdschungel der Versicherungen ist jedoch so groß, dass die Ranglisten dennoch höchst unterschiedlich ausfallen. Selbst bei identischen Vorgaben werden für dieselbe Versicherung verschiedene Preise angegeben – die sich nochmals von den von der jeweiligen Versicherungsgesellschaft auf ihrer Homepage veröffentlichten Tarifen unterscheiden können.
Das größere Problem ist jedoch, dass die meisten Portale keine vollständige Übersicht bieten. Denn schließlich muss jedes Unternehmen, das hier gelistet werden will, zumindest für eine Vertragsvermittlung eine Provision an den Portalbetreiber zahlen – bei Kfz-Versicherungen meist zwischen 50€ und über 100€. Gesellschaften wie die HUK24 verweigern daher häufig die Teilnahme an solchen Preisvergleichen, sodass deren – oft besonders preisgünstige – Tarife gar nicht erst gelistet werden.
Wer jedoch die Versicherungsprämie statt bei CHECK24 bei transparo abfragt, bekommt sehr wohl die HUK24-Preise genannt – und dies meist an führender Rangstelle. Transparo wird allerdings von Aspect Online betrieben, einer Tochtergesellschaft der HUK-Versicherungen. Hier fehlen aber die Prämien etwa von der ERGO und der AachenMünchener. Portale können letztlich also nur einen Orientierungspunkt darstellen, der den Weg zum preiswertesten Anbieter aufzeigt.
Noch gravierender ist allerdings die Frage nach Service und Kulanz. Gerade in der Kfz-Versicherung wechseln manche Kunden bereits ihren Vertragspartner, wenn sie lediglich 30€ oder 40€ pro Jahr sparen können. Im Schadensfall müssen sie sich dann jedoch möglicherweise mit dem Callcenter einer namenlosen Direktversicherung herumschlagen, während der Vertreter der heimischen Versicherung längst einen entsprechenden Scheck ausgestellt hätte.
Aber auch im Kleingedruckten gibt es oft erhebliche Unterschiede. Müssen z.B. im Strom- oder Gasbereich Leistungen vorausbezahlt werden, kann die Insolvenz des Anbieters – siehe Teldafax – zu hohen Verlusten führen.
Etwas weniger riskant sind Wareneinkäufe über Internetportale wie guenstiger.de oder idealo.de: Hier werden die Händler gelistet, die Produkte – von Fernsehapparaten bis hin zu Medikamenten – besonders kostengünstig offerieren. Dabei liegt die Problematik meist in der Lieferbarkeit, aber auch in der Zuverlässigkeit der Anbieter. Käufer sollten daher darauf achten, ob das gewünschte Produkt in der vorgegebenen Form auch wirklich schnell lieferbar ist oder ob es sich um ein Lockvogelangebot handelt. Darüber hinaus sollte ein Blick auf die Bewertungen geworfen werden, die der Händler erreicht hat. Im Zweifelsfall ist hier ein etwas teurerer, aber dafür seriöser Anbieter stets die bessere Wahl.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(03):16-16