Prof. Dr. Reinhard Herzog
Umwandlung bei Knock-in
Die Problematik liegt allerdings im „Kleingedruckten“. So erfolgt die Wertberechnung nur einmal monatlich. Sollte der Index also zunächst stark zulegen, vor dem Stichtag jedoch wieder zur Schwäche neigen, profitiert der Anleger nicht von dem zwischenzeitlich erreichten Höchststand. Noch gravierender kann sich jedoch die sogenannte Knock-in-Schwelle auswirken, die bei diesem Papier bei 1.160,40 Indexpunkten festgeschrieben wurde: Falls der aktuelle Indexstand dieses Niveau erreicht, wird das Papier zu einem klassischen Indexzertifikat, d.h., der Anleger wird in vollem Umfang am Verlust beteiligt. Zumindest momentan scheint der Sicherheitspuffer zwar durchaus ausreichend, doch hat die Börse in den vergangenen zehn Jahren bereits zweimal gezeigt, dass ein Rückgang um 50% und mehr innerhalb kurzer Zeit keineswegs auszuschließen ist. Zudem ist zu bedenken, dass es sich bei dem gewählten Basiswert um einen Kursindex handelt, der – etwa im Gegensatz zum DAX – keine Dividendenzahlungen enthält.
Unser Urteil: Allzeithoch-Zertifikate können eine interessante Bereicherung einer indexorientierten Geldanlage darstellen. Attraktiv sind insbesondere Papiere mit häufigen Bewertungsstichtagen und längeren Laufzeiten sowie Knock-in-Schwellen weit unter dem aktuellen Indexstand. Als Basiswert zu bevorzugen sind – sofern verfügbar – Performance-Indizes, die auch Dividendenzahlungen berücksichtigen. In jedem Fall sollte die Partizipation an Kursveränderungen des Basiswerts bei 100% liegen, die teilweise angebotenen niedrigeren Beteiligungsquoten zehren am Erfolg. Grundsätzlich sollten Sie entsprechende Papiere nur dann kaufen, wenn Sie von einer eher positiven Wertentwicklung des Basiswerts ausgehen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(04):13-13