Prof. Dr. Reinhard Herzog
Darlehen ablösen
Basis jeder entsprechenden Strategie ist die Frage nach dem „Wohnen“. Stehen größere Beträge zur Verfügung, sollten eventuell noch bestehende Immobiliendarlehen oder andere Fremdfinanzierungen abgelöst werden – zumindest soweit dies aufgrund eingegangener Zinsbindungsverpflichtungen möglich ist. Gegebenenfalls eignen sich die Gelder aber auch zur Investition in eine neue Immobilie, die dann z.B. als Altersruhesitz dienen kann.
Ist diese Frage geklärt, folgt die finanzielle Bestandsaufnahme für die Zeit nach Ruhestandseintritt. Welche monatlichen Zahlungen – z.B. aus dem berufsständischen Versorgungswerk oder Miet- bzw. Pachteinnahmen – stehen zur Verfügung? Welche Kosten müssen für einen angemessenen Lebensstandard kalkuliert werden? Gilt es, eine bestehende oder sich abzeichnende Versorgungslücke abzudecken?
Besteht zumindest prinzipiell kein zusätzlicher regelmäßiger Bedarf, kann das Geld langfristig angelegt werden, auch die Vermögensübertragung an die nachfolgende Generation ist unter steuerlichen Aspekten eine Überlegung wert. Ist jedoch eine Versorgungslücke erkennbar, sollten freie Gelder so investiert werden, dass sie ab Ruhestandsbeginn einen angemessenen Lebensstandard ermöglichen. Wichtig ist dabei insbesondere der „Komfort“ der Geldanlage: Je unproblematischer Anlage-, Anspar- und späterer Auszahlungsvorgang ablaufen, umso sorgloser kann der Anleger letztlich in die Zukunft blicken.
Hierzu offerieren die Finanzdienstleister unterschiedliche Modelle. Banken und Sparkassen bieten eine Reihe festverzinslicher Geldanlagen, von Kontensparen mit Bonuszahlung bis zu Spar(kassen)briefen. Schon bei Vertragsabschluss kann vorgesehen werden, dass die Geldanlage ab einem bestimmten Termin in einen Rückzahlungsplan mit festen monatlichen Raten umgewandelt wird. Vorteile sind die einfache Handhabung, die praktisch absolute Sicherheit und die Kalkulierbarkeit. Nachteilig ist die feste Bindung, denn viele dieser Anlageprodukte erlauben keine oder nur sehr eingeschränkte außerplanmäßige Verfügungen. Nachteilig ist aber auch die meist extrem niedrige Verzinsung. Anleger sollten daher darauf achten, sich noch ein Mindestmaß an Flexibilität zu sichern, z.B. durch Verträge mit vorzeitigen Verfügungsmöglichkeiten. Auch sollte man die spätere Umwandlung in einen Rentenplan allenfalls optional vereinbaren. Im Übrigen bietet sich als Alternative die Anlage in festverzinslichen Wertpapieren mit vergleichbaren Restlaufzeiten an, wobei über die spätere Umwandlung in einen Rückzahlungsplan immer noch nachgedacht werden kann.
Teure Fondsanlage
Investmentgesellschaften sowie einige Lebensversicherungen setzen ganz auf Investment-Ansparkonten, verbunden mit späteren Rückzahlungsplänen. Dabei wird das Geld in Fondsanteile investiert und erwirtschaftet dort eine Rendite analog zur Wertentwicklung der jeweiligen Anlageprodukte. Vorteilhaft ist hier die große Flexibilität: Der Anleger kann sowohl Einmalzahlungen leisten als auch unregelmäßig oder regelmäßig Sparraten einzahlen und bei den Fonds von risikoarmen, rentenbasierten Produkten bis hin zu hochspekulativen Aktienfonds alles wählen, was der Markt zu bieten hat. Beginnt die Rückzahlungsphase, werden von der Kapitalanlagegesellschaft in regelmäßigem Turnus genau so viele Anteile verkauft, dass damit der Rückzahlungswunsch des Anlegers erfüllt werden kann. Auch hier besteht wieder Flexibilität bei der Festlegung der Raten, zudem ist das angelegte Geld trotz Anspar- oder Rückzahlungsplan meist jederzeit kurzfristig verfügbar. Ein weiterer Vorteil liegt in der grundsätzlich höheren Rendite als bei Bankprodukten, nachteilig sind die nicht unerheblichen Kosten, die insbesondere bei risikoarmen Anlagestrategien erhebliche Teile des Anlageerfolgs aufzehren können.
Versicherungsgesellschaften wiederum bieten Rentenversicherungen mit sofortigem oder aufgeschobenem Rentenbeginn an. Konkret wird das freie Kapital zunächst bei der Versicherung angelegt. Zum vereinbarten Termin erfolgt dann wahlweise eine Rückzahlung einschließlich der erwirtschafteten Erträge oder aber eine monatliche Rentenzahlung, die z.B. stets in gleicher Höhe oder auch angepasst an steigende Lebenshaltungskosten festgelegt werden kann. Vorteilhaft ist zum einen die einfache Handhabung, muss sich der Anleger doch lediglich beim Abschluss für eine bestimmte Tarifvariante entscheiden, zum anderen aber auch die Tatsache, dass die Renten lebenslang fließen, also auch im hohen Alter gezahlt werden, ohne dass eine Wiederanlage oder Vermögensumschichtung erforderlich wird. Auch die Besteuerung – steuerpflichtig ist nur der Ertragsanteil, der sich nach dem Alter des Versicherten zu Beginn der Auszahlung richtet – begünstigt die Rentenversicherung gegenüber anderen Anlageformen.
Gute Rendite nur bei langer Lebensdauer
Nachteilig ist die enge Bindung an die versicherte Person: Das angelegte Kapital verfällt in den meisten Fällen ersatzlos, wenn der Versicherte in der Auszahlungsphase stirbt und bei Vertragsabschluss keine Rentengarantiezeit vereinbart wurde. Eine akzeptable Rendite wird im Übrigen meist nur bei Erreichen eines hohen Lebensalters erwirtschaftet.
Als Alternative zu einem derart vorgefertigten Modell bietet sich in jedem Fall die eigene Anlage an. Bewährt hat sich dabei die Aufteilung fälliger Gelder in verschiedene Instrumente – sofern der jeweilige Bereich nicht ohnehin bereits durch andere Anlageformen abgedeckt ist:
- Als Liquiditätskomponente dient dabei eine Anlage von 10% bis 20% des Kapitals beispielsweise auf einem Geldmarktkonto.
- Die Sicherheitskomponente, die je nach Höhe der erforderlichen regelmäßigen späteren Entnahmen zwischen 40% und 70% des Kapitals betragen sollte, besteht aus festverzinslichen Wertpapieren mit unterschiedlichen Laufzeiten.
- Die Renditekomponente in Form des verbleibenden Rests fließt in ausgewählte Wachstums- und Qualitätsaktien, die eine hohe Rendite bringen und vergleichsweise kursstabil sein sollten.
Vorteilhaft sind zum einen die geringen Kosten, fallen doch nur niedrige Kauf- bzw. Verkaufsspesen an. Zum anderen ist die Flexibilität zu nennen, da die Eigenanlage jederzeit auch größere Kapitalverfügungen oder -umschichtungen erlaubt, z.B. im Rahmen einer Vermögensübertragung an die Nachkommen. Nachteilig sind jedoch der sicherlich größere Verwaltungsaufwand sowie das grundsätzlich größere Risiko, das insbesondere mit der Renditekomponente eingegangen werden muss.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(06):14-14