Dr. Christine Ahlheim
Dreyer: Ich sehe den Leitantrag der SPD, der auf eine bessere Vernetzung und Kooperation der Apotheken abzielt, als richtungsweisende Maßnahme. Dieser Antrag ist meines Erachtens in der Öffentlichkeit fehlinterpretiert worden als Vorschub zur Schaffung von Apothekenketten. Das ist jedoch nicht zutreffend! Die SPD steht sowohl auf Bundesebene als auch in Rheinland-Pfalz zur inhabergeführten Apotheke, das haben wir im Zusammenhang mit dem EuGH-Urteil zu DocMorris immer wieder betont!
AWA: Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Honorierung der Apotheker so zu gestalten, dass auch langfristig die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln gesichert ist?
Dreyer: Die Rahmenbedingungen und Standortfaktoren müssen stimmen, damit Apotheken auch in der Fläche weiterhin existieren können. Dies ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung entscheidend. Deshalb ist es wichtig, dass der einheitliche Abgabepreis für Rx-Arzneimittel erhalten bleibt, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Das gilt auch im Zusammenhang mit Apotheken, die verschreibungspflichtige Arzneimittel aus dem benachbarten Ausland nach Deutschland versenden. Deshalb ist der Vorstoß der Bundesregierung, mit der 16. Novellierung des Arzneimittelgesetzes hier gleiche Bedingungen im Wettbewerb zu schaffen, zielführend. Zusätzlich sollte die Bundesregierung prüfen, inwieweit der mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) erhöhte und bis 2013 gesetzlich fixierte Zwangsrabatt für Apotheken noch zeitgemäß ist. Dieser angehobene Rabatt stellt besonders für kleine Apotheken in der Fläche eine große Belastung dar.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(06):4-4