Depotabsicherung

Geldwerter Schutz im Traumurlaub


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Überraschend schnell konnten sich die weltweiten Aktienmärkte nach der letzten Baisse erholen, auch festverzinsliche Wertpapiere brachten solide Gewinne. Mehr denn je lohnt sich eine laufen-de Beobachtung des Depotbestands – ein Erfordernis, das im Urlaub zum Problem werden kann.

Stop-Loss sichert Gewinne

Liegt ein Wert bereits auf attraktivem Niveau und möchte man das Engagement im Interesse weiterer Chancen beibehalten, hat sich das Stop-Loss-Limit bewährt, das ca. 10% bis 20% unter dem aktuellen Kurs oder – wenn dieser höher war – unter dem Einstandspreis angesiedelt wird. Sollte die Notierung während der Reise deutlich fallen, wird die Aktie nach Erreichen des Limits zum nächsten verfügbaren Kurs automatisch verkauft. Selbst im Fall eines Börsencrashs kann der Anleger auf diese Weise sein Verlustrisiko in überschaubarem Rahmen halten und dieses beispielsweise auf 10% des aktuell in Ak­tien investierten Geldes begrenzen.

Gerade der Höhe des Stop-Loss-Limits kommt dabei erhebliche Bedeutung zu. So hat es sich bewährt, ein Limit im Bereich charttechnischer oder psycho­logischer Widerstandsmarken zu setzen. Hat sich die Notierung beispielsweise monatelang über 100€ behauptet und fällt sie danach für mehrere Tage unter diese Marke zurück, ist die Wahrscheinlichkeit eines Verfalls auf 90€ oder noch weniger sehr groß. Vorsichtige Anleger setzen daher ein Limit z.B. bei 98€, risikofreudigere Investoren werden die Grenze bei 94€ bis 96€ ziehen, um allzu große Verluste auf jeden Fall auszuschließen.

Denn ein zu knapp bemessenes Limit (hier z.B. bei 99€) birgt stets die Gefahr, dass die Aktie nur kurz den angegebenen Kurs erreicht, daraufhin verkauft wird und der Kurs danach wieder ansteigt. Der Anleger wird also – wie es in der Fachsprache heißt – „ausgestoppt“ mit der Folge, dass die Papiere in der Regel unter Wert veräußert werden. Vorsicht ist in diesem Zusammenhang insbesondere bei marktengen Werten geboten. Da Börsenprofis Möglichkeiten haben, das Orderbuch der Börse mit allen erteilten Aufträgen einzusehen, sind für sie entsprechende Kursmanipulationen ein Leichtes.

Daneben bietet die Börse für zahlreiche Werte Absicherungsmöglichkeiten über Termingeschäfte, etwa über Verkaufsoptionen: Hier bezahlt der Anleger die Optionsprämie dafür, das Papier in jedem Fall zu einem festen Preis (Basispreis) verkaufen zu können – ganz gleich, wie sich sein Börsenkurs entwickelt. Damit ist der Erlös sichergestellt, einen Kursverfall muss der An­leger nicht mehr befürchten. Der bezahlte Optionspreis ist dann nichts anderes als die „Versicherungsprämie“, die den Basispreis garantiert, ohne dass sich der Anleger die Chancen weiterer Kurssteigerungen vergibt. Über die Wahl des passenden Basispreises lässt sich das potenzielle Verlustrisiko steuern: Je näher der Basispreis am Marktkurs liegt, umso sicherer, aber auch umso teurer ist diese Strategie. Ein deutlich unter dem Tageskurs liegender Basispreis schützt indes recht preiswert vor größeren Verlusten. Notiert eine Aktie z.B. bei 100€, kostet die Absiche­rung eines Verkaufspreises von beispielsweise 96€ an der Börse rund 2,50€ pro Aktie. Wird hingegen ein Verkaufspreis von z.B. nur 80€ gewählt, schlägt das „Sicherungsnetz“ lediglich mit rund 0,75€ zu Buche – „versichert“ dafür aber auch nur Kursverluste von mehr als 20%.

Weniger problematisch ist die Situation bei allen Papieren, die aus strategischen Gründen unter langfristigen Gesichtspunkten erworben wurden. Zu nennen sind dabei insbesondere festverzinsliche Wertpapiere, aber auch Indexpapiere und Fonds, deren Verkauf ohnehin nicht zur Disposition steht. Hier sollten Anleger vor dem Urlaub lediglich einen Blick auf die einzelnen Wertpapiere werfen und Chancen und Risiken gegeneinander abwägen. In den meisten Fällen wird die Entscheidung „halten“ lauten, lediglich bei kritischen Papieren kann der frühzeitige Ausstieg sinnvoll sein.

Viele Urlauber wollen allerdings auch unterwegs nicht „von der Börse lassen“. Hier bietet die moderne Mobiltelefongeneration eine breite Palette an Zugriffsmöglichkeiten. Zwei Punkte sind dabei von Bedeutung: Zum einen sollten eventuell notwendige Installationen bereits zu Hause erfolgen und ausgiebig getestet werden. Zum anderen gilt es, den Handytarif hinsichtlich der anfallenden Kosten am Reiseziel zu überprüfen. Denn sonst kann der Zugang zum Bankkonto schnell zum teuren Unterfangen werden, falls größere Datenpakete versandt und/oder empfangen werden. Gleiches gilt, wenn ein Notebook mittels Zugangsstick „internetfähig“ gemacht werden soll: Im Ausland fallen bei den in Deutschland gekauften Sticks oft ganz erhebliche Kosten an, die zudem nicht einmal transparent dargestellt werden.

„Transparentes“ WLAN

Mehr Kostentransparenz bietet daher für Urlauber mit Notebook die WLAN-Verbindung, die heute von den meisten Hotels kostenlos oder kostenpflichtig angeboten wird. Auch in Restaurants und Cafés findet man immer häufiger Hinweisaufkleber auf den verfügbaren „Hotspot“. Solange keine Kosten berechnet werden, muss man sich über den Zugangsweg keine Gedanken machen. Bei kostenpflichtigen Angeboten empfiehlt sich meist die (Voraus)zahlung per Hotelrechnung oder Kreditkarte: Die grundsätzlich oft angebotene Nutzung eigener Kennungsdaten, z.B. vom heimischen Telefonanschluss, kann vor allem im Ausland teuer und außerdem kompliziert werden.

Sicherer Zugang

Der Vorteil des Zugangs mit dem privaten Gerät ist die Sicherheit: Die Daten bleiben auf dem eigenen PC gespeichert. Wer zudem die mobile TAN nutzt oder Zugriff auf seine TANs hat, kann auch aus dem Urlaub Order er­teilen, die dann – wie von zu Hause gewohnt – in Sekundenschnelle ausgeführt werden. Bedenken sollte man jedoch, dass bei allen Arten von Funkverbindungen zumindest grundsätzlich die Gefahr besteht, dass Daten „mitgehört“ werden. Es empfiehlt sich daher eine selektive Nutzung der Dienste. Vorsichtige Bankkunden setzen zudem vor Urlaubsbeginn ein neues Passwort, das dann nach der Reise wieder zurückgestellt wird. Sinnvoll ist es schließlich auch, für unterschiedliche Datenbanken stets unterschiedliche Passwörter zu verwenden, um so den Missbrauch zu erschweren. Ein in­stallierter Passwortmanager im Notebook sollte in jedem Fall deaktiviert werden, wenn der Rechner unbewacht im Hotelzimmer verbleibt.

Noch kritischer ist die Situation bei allen öffentlichen Rechnern, z.B. in Hotelhallen oder Internetcafés. Hier hat zumindest der Laie keine Möglichkeit zu erkennen, welche Daten von ihm auf dem Rechner gespeichert werden. Als Vorkehrung sollte daher jeder Vorgang mit Löschen der Browser-History und einer ordnungsgemäßen Abmeldung abgeschlossen werden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(09):12-12