Binäre Optionen

Geheimnisvolle Geldquellen – nur für Zocker


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Ein neuer Begriff macht seit einigen Monaten die Runde unter Geldanlegern: Der „Binary Co­de“ sei der Schlüssel zu schnellem Reichtum. Endlich könnten auch private Anleger – so wird sug­geriert – rentable Geschäfte wie Großbanken machen. Doch die Risiken sind erheblich.

Dubiose Gewinnversprechen

Denn auch die Gewinnversprechen halten einer genaueren Betrachtung kaum Stand. Investiert man z. B. 1€ und macht damit – wie versprochen – an jedem Börsentag 81 % Gewinn, verfügt man nach einer Woche bereits über knapp 20€. Nach einem Monat wären dies bereits über 300.000€ – dass dies nicht funktioniert, wird auch dem Laien schnell klar sein. Die Frage ist zudem, wie die Anbieter daran ver­dienen. Bei seriösen Banken sind es insbesondere Transaktionskosten und Spread zwischen An- und Verkaufspreis der Papiere. Im Übrigen ist das Chance-Risiko-Verhältnis durch die weit­gehend fairen Kursfeststellungen vergleichsweise ausgeglichen. Bei den Binary Options lassen jedoch allein schon die versprochenen Gewinnchancen darauf schließen, dass dem auch entsprechend große Risiken gegenüberstehen – wobei die Preisangaben von keiner regulierenden Stelle geprüft werden. Manche Experten gehen sogar davon aus, dass etliche Anbieter sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden werden, wenn sie erst ausreichend Anlegergelder eingesammelt haben.

Unser Urteil: Binäre Optionen sind ein reines Glücksspiel. Die Chancen auf Gewinne sind zwar grundsätzlich größer als etwa beim Roulette, entscheidet doch letztlich der Börsentrend über den Erfolg. Die Abwicklung ist allerdings kaum kontrollierbar, auch die Bonität der Anbieter erscheint oft wenig vertrauenerweckend.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(11):12-12