Prof. Dr. Reinhard Herzog
Gefragte Raritäten
Und in der Tat haben Armbanduhren Sammlern in den vergangenen Jahrzehnten viel Freude gemacht: Schon fast legendär sind Geschichten wie die des Patek-Philippe-Chronografen mit wasserdichtem Stahlgehäuse, der 1961 gerade einmal rund 800€ gekostet hatte und heute bei Auktionen nahezu eine halbe Million Euro erwarten lässt.
Allerdings haben die Hersteller in den letzten Jahren bereits auf den Boom edler Zeitmesser reagiert und die Preise entsprechend heraufgesetzt. Kommen diese Uhren nach einigen Jahren auf den Markt, mangelt es ihnen aber noch an „Historie“. Die Folge: Erlöse, die je nach Marke und Erhaltungszustand oftmals um mehr als 50% unter dem ursprünglichen Kaufpreis liegen. Doch auch unter längerfristigen Gesichtspunkten stellt sich die Frage nach dem Wertsteigerungspotenzial. Zwischen den 1940er- und 1970er-Jahren konnte sich kaum jemand eine Armbanduhr als Geldanlage leisten. Entsprechend gering waren die Auflagen und entsprechend teuer sind erstklassig erhaltene Exemplare aus dieser Zeit. Heute werden jedoch von jedem neuen Modell vergleichsweise hohe Stückzahlen abgesetzt. Eine wirkliche Seltenheit ist kaum noch gegeben und Experten warnen davor, dass ein Abflachen des „Uhren-Booms“ dazu führen könnte, dass insbesondere die derzeit mittelpreisigen Produkte zu Ladenhütern werden könnten und allenfalls auf Sicht von 50 Jahren und mehr ein gewisses Wertsteigerungspotenzial haben. Positiver werden hier lediglich die aktuell schon teuersten Uhren der Edelmanufakturen eingestuft, die sich nur noch sehr wenige Sammler leisten können.
Wird unter dem Gesichtspunkt der Geldanlage gekauft, sollten auch weitere Aspekte beachtet werden: Es muss sich um zweifelsfrei echte Exemplare mit den entsprechenden Papieren handeln und der Erhaltungszustand muss erstklassig sein. Ob dann jedoch eine mögliche Preisverdoppelung auf Sicht von 20 oder mehr Jahren wirklich eine angemessene Rendite darstellt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(16):16-16