Finanzkrise

Das „Spiel mit dem Giftmüll“ beginnt wieder


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Sie gelten als Auslöser der Finanzkrise und trieben zahlreiche Banken in die Insolvenz: Collateralized Debt Obligations gelten als „Giftmüll“ der Bankenwelt. Doch nun regt sich erneut In­ter­esse an ihnen und sie werden wohl bald auch wieder privaten Anlegern offeriert werden.

Notenbank verkauft

Doch mittlerweile kehren sich die Geschäfte um. Die amerikanische Notenbank hat mit dem Verkauf der als Sicherheit eingezogenen Forderungen begonnen und plant, die Gesamtkosten der Rettungsaktion bis zu den Präsidentschaftswahlen im November wieder hereinzuholen. Käufer sind insbesondere die „Global Player“ unter den Banken, die seinerzeit von der Notenbank-Rettung profitiert hatten, also u.a. Goldman Sachs, Credit Suisse und die Deutsche Bank. Auch wenn Kritiker bemängeln, dass die Risiken in der Krise auf die Öffentlichkeit abgewälzt wurden, während man jetzt die neuen Chancen zu eigenen Gewinnen nutzen will, ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren wieder verstärkt ent­sprechende Forderungen in den Handel gebracht werden.


Dabei werden die Geschäfte längst nicht allein unter Banken abgewickelt. Bereits jetzt steigt die Zahl der börsennotierten Bank­schuldverschreibun­gen mit Nachrang-Klausel, die im Falle einer Insolvenz erst dann bedient werden, wenn alle anderen Gläubiger befriedigt wurden. Und da derzeit risikoreichere Papiere gefragt sind, liegt die Rendite derartiger Titel oft nur zwischen 4,0% und 6,0% – was das Risiko kaum adäquat berücksichtigt. Daneben findet man auch schon wieder die ersten Papiere, deren Rückzahlung direkt an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, z. B. den Fortbestand der Zahlungsfähigkeit mehrerer Länder.

Gut beraten sind Anleger, wenn sie beim Anleihenkauf auf das „Kleingedruckte“ achten. Auf den Kursseiten von Banken und Börsen, z.B. der Börse Stuttgart (www.boerse-stuttgart.de), findet man zu entsprechenden Titeln meist Hin­weise auf Sonderbedingungen, oft ergänzt mit Links zu den Emissionsprospekten. Gerade Hinweise auf Nachrangigkeit oder spezielle Regelungen bei der Rückzahlung sollten als Warnung gesehen werden. Investments in diese Papiere sind allenfalls vertretbar, wenn sie wirklich trans­parent sind und die Rendite in angemessenem Verhältnis zum Risiko steht – wobei stets auch von einem neuerlichen Aufflammen der Finanzkrise als „Worst Case“ ausgegangen werden muss.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(17):15-15