Apothekenführung

Kostspielige Fehlentscheidungen vermeiden


Dr. Eva-Maria Stoya

Als Unternehmer müssen Sie täglich zum Teil sehr kostspielige Entscheidungen „zum Wohl der Apotheke“ fällen. Aber wie können Sie Fehlentscheidungen möglichst vermeiden? Und wie sollten Sie damit umgehen, wenn doch einmal eine falsche Entscheidung getroffen wurde?

Kein schwacher Trost: Auch andere irren sich

Und dies ist auch ein einfaches Rezept, wie kanadische Forscher herausgefunden haben, um das Bedauern und die Reue nach Fehlentscheidungen zu bekämpfen: Man sollte sich mit anderen vergleichen, denen es noch schlechter geht, empfehlen sie. Das klingt zwar hart, scheint aber zu helfen. Reue kostet Lebenszeit und -energie, raubt neue Tatkraft. Die negativen Gefühle lösen emotionalen Stress aus, der sogar das Immunsys­tem schwächen kann. Deshalb sollte das Bedauern so gering wie möglich gehalten werden, was durch Vergleich mit noch schlechter Dastehenden psychologisch gut gelingt. Dann heißt es, wieder nach vorn zu blicken, zu seinen Fehlern zu stehen, womöglich eine rationale Erklärung zu finden.

Folgen analysieren

Sobald eine Fehlentscheidung als solche erkannt wurde, sollte unverzüglich eine sorgfältige Analyse der Auswirkungen erfolgen. Dies ist die erste Bewährungsprobe für jede Führungskraft. Denn nur die letztlich Verantwortlichen verfügen in der Regel über den erforderlichen Überblick, um aus einer ersten Analyse die notwendigen Sofortmaßnahmen und weitere Schritte abzuleiten.

Im Falle einer Stellen-Fehlbesetzung heißt dies, schnellstmöglich alle Maßnahmen zu ergreifen, um eine adäquate Neubesetzung zu ermöglichen. In anderen Fällen sollten die betroffenen Mitarbeiter direkt hinzugezogen werden: Was ist genau schiefgelaufen? Welche Apothekenbereiche sind von dem Fehler berührt? Gibt es Lieferanten oder gar Kunden, die umgehend nach Erkennen des Fehlers in Kenntnis gesetzt werden müssen? Welche sofortigen Korrekturmaßnahmen sind bei den internen Abläufen erforderlich?

Offen agieren

Wenn Sie als Apothekenleitung falsch gehandelt haben, sollten Sie sich auch förmlich vor Ihrem Team zum Fehler bekennen. Dies erwarten Ihre Mitarbeiter von Ihnen – so wie Sie dies auch von Ihren Mitarbeitern erwarten. Stellen Sie anschließend Ihr Konzept zur Fehlerbewältigung vor. Sie beweisen dadurch Führungskraft und zeigen, dass Sie die Herausforderung im Griff haben.

Entschuldigung kann Wunder wirken

Ebenso sollten Sie Kontakt zu denjenigen aufnehmen, die von Ihrer Fehlentscheidung negativ betroffen sind. Manchmal wirkt schon eine Entschuldigung Wunder! Dadurch können Sie in den meisten Fällen nicht nur die Situation entkrampfen, sondern Sie zeigen auch Charisma. Außerdem erhalten Sie im persönlichen Gespräch mit den Leidtragenden eventuell nützliche Hinweise darauf, wie Sie derartige Fehlentscheidungen zukünftig vermeiden können.

Ansonsten gilt: Richtige Entscheidungen sind der Ursprung jedes Erfolgs und Misserfolgs. Doch was sind die Zutaten für gute Entscheidungen? Das Wort „Fehlentscheidungen“, das wir im allgemeinen Sprachgebrauch gerne einsetzen, wird von Psychologen sogar lieber gemieden, stattdessen eher von schlechten (bzw. guten) Entscheidungen gesprochen.

Das Geheimnis guten Entscheidens besteht darin, Gefühl und Verstand mitreden zu lassen: bei mehreren Alternativen also eine rationale Pro-und-Kontra-Liste anzulegen – und den Bauch trotzdem nicht zu ignorieren. Einfach ist dies, wenn eine Option klar besser erscheint als der Rest. Aber so leicht ist es nicht immer. Und jeder kennt auch das Gefühl, sich partout nicht entscheiden zu können. Dann ist es sinnvoll, die Wahl auf morgen zu vertagen und eine Nacht „drüber zu schlafen“. Studien konnten tatsächlich zeigen: Die bes­ten Entscheidungen trifft der Mensch im Schlaf.

Rezept für gute Entscheidungen

Deutschlands „erster Entscheidungserfolgscoach“, Kai-Jürgen Lietz, sieht für eine gute Entscheidung in einem systematischen Entscheidungsprozess zudem drei notwendige Hauptkomponenten:

  • Entscheidungsklarheit,
  • attraktive Alternativen
  • sowie Unterstützung für die Umsetzung.

Das klingt zunächst sehr ab­strakt. Aber ohne Entscheidungsklarheit, also ohne das genaue Wissen, welches Ziel Sie als Apothekenleitung verfolgen, was Sie wirklich erreichen wollen, können Sie keine ausgewogene Entscheidung treffen. Schon der römische Philosoph, Naturforscher und Staatsmann Seneca sagte: „Wenn man nicht weiß, welchen Hafen man ansteuert, ist kein Wind günstig.“

Attraktive Alternativen sind eine weitere Voraussetzung für eine gute Entscheidung. Denn was nutzt es, wenn man genau weiß, was man will, dies aber nicht bekommen kann? Gute Entscheider sehen es allerdings als Herausforderung an, die Lücke zwischen dem eigenen Bedarf und dem Angebot am Markt durch Entscheidungsalternativen zu schließen. Dazu existieren zwei Mittel: selbst Alternativen schaffen oder bestehende Alternativen optimieren.

Zur Problemlösung kann hier eine fokussierende Frage beitragen: „Wie schaffe ich es, dass…?“ oder „Wie erreiche ich, dass…?“ Also im Falle des Beispiels der Suche nach einer geeigneten Filialleitung: „Wie schaffe ich es, einen wirtschaftlich kompetenten, in Mitarbeiterführung bewanderten und im Kundenumgang brillierenden Apotheker zu finden? Was kann ich selbst tun und wo kann ich Hilfestellung erhalten, wenn die ‚eierlegende Wollmilchsau‘ nicht auf dem Arbeitsmarkt erhältlich ist?“

Zu guter Letzt ist die Sicherung der größtmöglichen Unterstützung für die Umsetzung einer Entscheidung wichtig. Selbst eine an sich gute Entscheidung könnte sich sonst ins Gegenteil verkehren. Denn nur wenn Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und Kapitalgeber in einem Boot sitzen, an einem Strang ziehen, kann sich eine Apotheke auf Dauer halten. Manchmal empfiehlt es sich deshalb auch, erst die Unterstützung der betroffenen Personengruppen einzuholen und dann zu entscheiden.

Fazit: Wer entspannt zu Patzern steht, macht weniger falsch. Erfolgreich als Apotheker und Unternehmer sind vor allem diejenigen, die nicht auf reine Fehlervermeidung aus sind, sondern anzupacken und mit Fehlern souverän umzugehen wissen. Und das kann man glücklicherweise lernen.

Bedenken Sie dabei auch Folgendes: Es ist ein Trugschluss zu glauben, man könne fehlerfrei sein, also Fehlentscheidungen gänzlich vermeiden. Selbst unparteiische Fußballschiedsrichter, die jahrelang in Lehrgängen und mittels Videoanalysen trainieren, objektiv zu entscheiden, liegen manchmal falsch. Und im schlimmsten Fall gehen ihre Fehlentscheidungen sogar ins kulturelle Weltgedächtnis ein wie das berühmte Wembley-Tor.

Buch-Tipp

Kai-Jürgen Lietz: Die Entscheider-Bibel, Hanser Wirtschaft, 2009, 29,90€, zu beziehen über den Deutschen Apotheker Verlag (Telefon: 0711/2582 341, Telefax: 0711/2582 290, E-Mail: service@deutscher-apotheker-verlag.de)

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(17):11-11