Prof. Dr. Reinhard Herzog
Flugzeuge im Plan
Noch relativ glimpflich verlief die Entwicklung bei den Flugzeugleasingfonds. Insbesondere bei Beteiligungen an den Maschinen renommierter Fluglinien, etwa von Lufthansa und Emirates, erfolgen die Ausschüttungen und die Rückzahlung überwiegend planmäßig, auch die Übernahme der Maschinen nach Ablauf des Leasingvertrags durch die Airline macht selten Schwierigkeiten. Anders die Lage bei kleineren Airlines: Hier drohen immer Risiken, wenn die Fluggesellschaft in Zahlungsschwierigkeiten gerät oder der Vertrag ungünstig konzipiert ist. Als problematisch erweisen sich derzeit auch die steuerlichen Einschätzungen bei früher aufgelegten Projekten, in manchen Fällen drohen dem Anleger nach erfolgter Steuerprüfung Nachzahlungen.
Filmbeteiligungen ohne Happy End
Im Clinch mit den Finanzbehörden liegen aber auch viele Anleger, die in früheren Jahren in Filmbeteiligungen investiert hatten. Anteile an Medienfonds wurden mit dem Hinweis auf hohe Steuervorteile und eine nachhaltige Sicherheit beworben und auch von Anlegern gerne gekauft, die ansonsten eher für Sparkassenprodukte zu begeistern waren. Viele Steuervorteile wurden mittlerweile jedoch von den Finanzbehörden gekippt, zudem bedienten sich manche Initiatoren allzu freimütig am Kapital der Anleger. Darüber hinaus wurden viele der zunächst hochgelobten Filme zu Kinoflops. Nicht zuletzt sorgte die Vertragsgestaltung oftmals dafür, dass Medienfonds zu einem der größten Debakel der Finanzbranche wurden: Verdient haben die Filmproduzenten, die Kinos, die Schauspieler und die Fondsgestalter, nicht jedoch die Anleger. Heute haben Medienfonds praktisch keine Bedeutung mehr.
Problematisch ist die Lage auch bei den bis zur Finanzkrise besonders beliebten Schiffsbeteiligungen. Angesichts diverser steuerlicher Vorteile – angefangen von der „Tonnagebesteuerung“ bis hin zu erbschaftsteuerlicher Begünstigung – erwarben gerade deutsche Anleger zahlreiche Beteiligungen an Container- und Frachtschiffen rund um den Globus. Der Markt boomte und die Werften hatten alle Hände voll zu tun, die enorme Nachfrage zu erfüllen. Dann kam die Finanzkrise und mit ihr ein massiver Einbruch bei den Frachtraten. Heute herrschen nach wie vor hohe Überkapazitäten, die Preise liegen am Boden und viele Fonds befinden sich in finanzieller Schieflage. Ein Ende der Krise ist weiterhin nicht in Sicht, denn schließlich dürfte die Weltkonjunktur in den kommenden Jahren eine neuerliche stärkere Belastung erleben.
Dies befürchten auch Anleger, die in den vergangenen Jahren in sog. Private-Equity-Fonds investiert hatten. Hier fließt das Geld letztlich als Risikokapital in neu gegründete oder sanierungsfähige Unternehmen – zumindest gemäß Fondskonzept. Tatsächlich wurden viele Fonds von ihren Managern als wahre „Gelddruckmaschinen“ missbraucht: Üppige Gehälter und Provisionen laugten etliche Fonds aus, bevor sie überhaupt etwas verdienen konnten. Zudem ist Transparenz in dieser Branche ein Fremdwort, was dazu geführt hat, dass manche Kapitalgesellschaft unliebsame Beteiligungen in diese Fondskategorie „ausgelagert“ hat – zum Schaden der Anleger. Inzwischen sind institutionelle Investoren in diesem grundsätz-lich interessanten Anlagesegment wieder weitgehend unter sich.
Hochmut hat seinen Preis
Eine der ältesten und bekanntesten Formen der Beteiligung stellen geschlossene Immobilienfonds dar, die überwiegend in gewerblich genutzte Immobilien investiert haben. Während die Manager kleinerer Fonds mit Anlageschwerpunkten etwa in regionalen Einkaufs- oder Bürozentren oftmals recht solide Ergebnisse analog zu den Prognosen aufweisen können, kam es ausgerechnet bei den „Filetstücken“ wie etwa dem Luxushotel Heiligendamm zu Schwierigkeiten. Das Problem: Da Renommierprojekte geschaffen werden sollten, wurde entsprechend großzügig investiert – ohne auf die mögliche Ertragslage zu achten. Erreicht dann z.B. ein Hotel nicht die erforderliche Auslastung, kommt es schnell zu Schieflagen.
Der Umweltgedanke steht schließlich bei den bis heute beliebten Solar- und Windkraftfonds im Mittelpunkt. Auch hier haben es viele geschafft, ihren Anteilseignern die erwarteten Renditen zu erwirtschaften. Aber auch hier liegen Spreu und Weizen eng nebeneinander: Bei manchen Fonds erwiesen sich die Prognosen z.B. hinsichtlich Sonneneinstrahlung oder Windstärken als zu optimistisch, sodass die Erträge nicht in erwartetem Umfang fließen. Bei anderen Fonds wiederum sorgten hohe Betreiberkosten für unerwartete Belastungen. Und nicht zuletzt basieren die Kalkulationen insbesondere bei Anlagen im Ausland oftmals auf Fördermöglichkeiten, die hierzulande kaum überprüfbar sind.
Vor dem Hintergrund der zahlreichen Schieflagen ist das Investitionsvolumen in geschlossene Fondsbeteiligungen im vergangenen Jahr erstmals seit den 1980er-Jahren unter die Marke von 10 Mrd.€ gerutscht – mit weiter rückläufiger Tendenz. Große Hoffnungen setzt die Branche jetzt auf das zum 1. Juni 2012 in Kraft getretene „Gesetz zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts“. Eines der wichtigsten Kernstücke der Neuregelung ist die Vorgabe, dass die Bankenaufsicht BaFin die Prospekte von Fondsbeteiligungen nun nicht nur auf formelle Richtigkeit prüft, sondern auch auf Schlüssigkeit und Verständlichkeit. Darüber hinaus müssen sich Verkäufer künftig registrieren lassen und eine Sachkundeprüfung ablegen – vorausgesetzt, sie haben ihre Tätigkeit nicht bereits vor dem 1. Januar 2006 aufgenommen. Zudem muss eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen werden, die bei einer möglichen Falschberatung eintritt.
Der Einwand der Falschberatung ist im Übrigen für viele Eigentümer angeschlagener Fondsbeteiligungen oft die einzige Möglichkeit, sich von ihrem Investment zu trennen. Denn die Risiken wurden in den meisten Fällen mehr als umfassend in den Prospekten beschrieben – wobei diese Hinweise von manchen Anlegern angesichts der versprochenen Ertragsaussichten und des Imagegewinns geflissentlich ignoriert wurden.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(23):13-13