Prof. Dr. Andreas Kaapke
Stressfaktoren ausschalten
Feng-Shui zielt darauf ab, den Menschen und seine Umwelt in Einklang zu bringen. Darin eingeschlossen ist der Versuch, Stressfaktoren so weit wie möglich auszuschalten, um eine harmonische und entspannende Umgebung für den Menschen zu schaffen.
Für Handelsunternehmen sind die Lehren des Feng-Shui insbesondere im Zusammenhang mit der Ladengestaltung von Bedeutung und entsprechend diskutiert worden. Dabei werden im Feng-Shui überwiegend dieselben Gestaltungselemente eingesetzt wie bei der sonstigen Verkaufsraumgestaltung. Insbesondere Farbgestaltung und Lichtgebung stehen auch hier im Vordergrund. Darüber hinaus gibt es Gestaltungselemente, die als Feng-Shui-typisch angesehen werden können. Hier spielt beispielsweise das Element Wasser mit Aquarien, Klangspielen und Kristallen eine bedeutsame Rolle.
Sollte es zu einer Verkaufsraumgestaltung nach Feng-Shui kommen, ist dies aber nicht zwingend gleichbedeutend mit einer Einbeziehung dieser Gestaltungselemente. Hier ist der Planer frei. Denn bei Feng-Shui geht es nicht darum, einen spektakulären, außergewöhnlichen Raum zu schaffen, vielmehr dienen die Gestaltungselemente lediglich als Hilfsmittel zur Energieschaffung und Energielenkung. Zu den Kernfaktoren gehören das Prinzip des Energieflusses Chi (Qi), das Prinzip des Gleichgewichts Yin und Yang, das Prinzip der fünf Elemente und das Bagua.
Aufenthaltsdauer entscheidend
Das Einbinden der Feng-Shui-Lehren im Handel stellt keine Seltenheit dar, wiewohl es kein wirklich weit verbreiteter Ansatz ist. Die Anwendung ist eher dann sinnvoll, wenn sich Menschen tendenziell lange im Unternehmen aufhalten und somit die Wohlfühlkriterien ein besonderes Gewicht einnehmen. In Convenience-Stores wie Tankstellen oder auch in vielen Lebensmittel-Formaten wäre ein entsprechender Ansatz eher kontraproduktiv. Dagegen kommen Textilgeschäfte, aber auch Buchhandlungen für Feng-Shui sehr viel eher in Frage. Bisweilen wird auch ein Feng-Shui-Ansatz befürwortet, wenn andere Lebewesen im Verkaufsraum sind wie im Zoologischen Fachhandel.
Die in einer Apotheke nachgefragten Produkte fallen unter Fast Moving Consumer Goods, also solche Waren, die relativ rasch verzehrt und auch täglich benötigt werden. Zwar findet dies bei Arzneimitteln oft nur punktuell statt, eben wenn das Präparat gerade benötigt wird, dann aber konstant ein- bis mehrmals täglich. Dies spräche eher dafür, auf Feng-Shui als Gestaltungsansatz zu verzichten. Auf der anderen Seite führt die hohe Bedienungsintensität in Apotheken zu längeren Verweildauern als bei vergleichbaren Läden, sodass die Wartezeit in einem nach der Feng-Shui-Lehre gestalteten Ambiente sehr wohl angenehmer sein kann.
Inwieweit asiatische Lehren mit der Ausrichtung einer deutschen Apotheke kompatibel sind, muss jeder Inhaber für sich entscheiden. Mag das Konzept des Feng-Shui nicht immer spektakulär anmuten, so wird es doch wahrgenommen und dies wiederum kann als Unterscheidungskriterium hilfreich sein. Wäre dies allerdings das einzige Motiv, gibt es andere, bessere und schlussendlich kostengünstigere Möglichkeiten, sich zu differenzieren – und sei es der Preis.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2012; 37(24):11-11