Prof. Dr. Reinhard Herzog
Steigende Zinsen
Die Folgen dieser Entwicklung könnten fatal sein: Wenn sich die milliardenschweren Finanzierer wie bereits aus Italien oder Spanien in größerem Umfang auch aus dem deutschen Markt zurückziehen, dürften sich kaum ausreichend Nachfolger finden lassen, die in die niedrig verzinsten Papiere einsteigen wollen. Ein massiver Zinsanstieg wäre die Folge, der nicht nur der Bundesregierung bzw. dem deutschen Staatshaushalt schadet, sondern auch bestehende Investments unter Druck setzt. Schon ein Anstieg des Zinsniveaus für Staatsanleihen von aktuell durchschnittlich 1,11% auf z.B. 2,5% würde die Kurse der ausgegebenen Papiere um bis zu 10% nachgeben lassen.
Durchaus sinnvoll erscheint es daher, die weitere Entwicklung zunächst stetig zu beobachten. Auch der Verkauf der besonders niedrig verzinsten Papiere kann überlegenswert sein: Wenn eine Anleihe mit z.B. zwei Jahren Restlaufzeit nur 0,2% Zins p.a. abwirft, ist ihr ein risikoarmes Tages- oder Festgeld einer finanzstarken Direktbank mit 1,3% bis 1,5% Verzinsung deutlich überlegen. Zudem lassen sich bei vielen Papieren derzeit Kursgewinne realisieren, die auch zur Wiederanlage genutzt werden können.
Mittelfristig müssen sich Anleger jedoch daran gewöhnen, dass auch Staaten keine zuverlässigen Schuldner mehr darstellen. Solange die Währung als solche fortbesteht, sind z.B. Unternehmensanleihen grundsolide aufgestellter Großkonzerne sicherlich eine überlegenswerte Alternative, denn hier lassen sich mit ähnlichem Risikoprofil mindestens 2,5% Jahresertrag erzielen. Wer dem Euro nicht vertraut, sollte sich zudem im Fremdwährungsbereich umsehen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(01):14-14